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Dortmund-Krise: Warum sich der BVB die Champions League abschminken muss

Woche für Woche hoffen BVB-Anhänger auf die Wende. "Nur neun Punkte zur Champions League" hat man sich als Zwangsoptimist die Welt schöngeredet. Doch damit muss Schluss sein, meint

BVB-Fan Finn Rütten

Die BVB-Spieler scheinen nach dem erneuten Rückschlag in der Bundesliga völlig ratlos.

Die BVB-Spieler scheinen nach dem erneuten Rückschlag in der Bundesliga völlig ratlos.

Nahezu jedes Bundesliga-Wochenende hoffe ich als eingefleischter Dortmund-Fan auf die Wende. Langsam muss es der BVB ja mal da unten rausschaffen. Der Blick auf die Tabelle schmerzt physisch, wirkt nahezu unwirklich. Bislang aber hatte ich immer noch das unterschwellige, sichere Gefühl, dass alles gut werden wird. Wir gehören ja schließlich nicht dahin. Nur neun Punkte bis zur Champions League. Das wird sich schon einrenken. In vielen verlorenen Partien der Saison war der BVB oftmals das gefühlt bessere Team – alles nur Pech, könnte man meinen. Kommt das Glück zurück, dann greifen wir wieder an. Das Ziel ist die Champions League. So habe ich wie viele BVB-Anhänger gedacht.

Es kam die Partie gegen Gladbach am elften Spieltag. Endlich mal wieder gewonnen. Jetzt kann es ja losgehen. Die Wende kommt. Es folgen ein Unentschieden gegen Paderborn, die Niederlage gegen Frankfurt. Na gut, noch läuft es nicht richtig rund. Dann der Sieg gegen Hoffenheim. Jetzt aber! Endlich, die Aufholjagd beginnt. Doch jetzt hat mein Club uninspiriert und desolat gegen Berlin verloren - und nun ist auch das gestorben, was bekanntlich zuletzt stirbt: meine Hoffnung.

Nicht mal mehr der Wille ist zu erkennen

So einfalls- und harmlos, mit so wenig Zug zum Tor und schlichtweg schlecht, habe ich den BVB lange nicht mehr erlebt. Selbst in aktueller, vermeintlicher Topbesetzung - Hummels zurück in der Viererkette und mit einem Gündogan auf dem Weg zurück zur Bestform - bekommen die Dortmunder über weite Strecken nichts Gefährliches zustande. Ciro Immobiles Direktabnahme in Minute 65 war die bis dahin einzige Torchance, die diesen Namen auch verdient hatte. Das Aufbäumen in der Schlussphase war mehr ein Aufbäumchen.

Das Problem dabei – wo soll es auch anders sein – liegt im Kopf. Watzke, Klopp und Co. können Woche für Woche den Abstiegskampf neu ausrufen oder Brandreden vor der Mannschaft halten. Die Spieler fühlen sich noch nicht im Abstiegskampf. Wie denn auch? Seit 2011 hatte sich das Team zu einem der besten Europas gemausert, stand erst 2013 im Finale der Champions League.

Platz drei muss aus den Köpfen

Die vergangene Saison deutete bereits an, wie groß der Graben, eher die Schlucht, zum FC Bayern schon geworden ist. Auf Platz zwei hatte man aber ein Dauer-Abo, so die Denkweise der Fans. Warum sollten die Spieler anders denken? Wenn sie jetzt auf die Tabelle schauen, dann zählen sie die Punkte zu Platz drei, dem Saisonziel. Jede Woche aufs Neue soll sie losgehen, die Wende. Doch nichts passiert. Der BVB bleibt unten drin und wundert sich immer noch, warum.

Solange Dortmund sich als Fremdkörper im unteren Drittel versteht, der nur mal vorübergehend zu Besuch ist, wird es nicht aufwärts gehen. Die Mannschaft muss den Abstiegskampf annehmen und sich Woche für Woche in die Spiele reinbeißen. Sie müssen sich auf ihre Urtugenden berufen: Einsatz und Pressing.

Die Wende, wenn sie denn irgendwann kommt, kann nur eine sein, die Dortmund vor dem Abstieg bewahrt. Platz drei muss aus den Köpfen. Mit der Champions League hat Dortmund im Moment so viel zu tun wie der FC Bayern mit dem Abstieg.

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