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Champions League: Angst vor der "schwarzen Bestie"

Was können die Bayern wirklich? Wenn am Abend (ab 20.45 Uhr im stern.de-Live-Ticker) der deutsche Rekordmeister beim AC Milan antritt, dann geht es auch um den deutschen Fußball - und damit um die Rückgewinnung internationalen Renommees.

Von Klaus Bellstedt

Denn was die deutsche Nationalmannschaft durch ihr erfolgreiches Auftreten bei der WM und den überzeugenden Vorstellungen in der EM-Qualifikation wieder geschafft hat, sieht auf Clubebene schon länger anders aus. Fünf Jahre ist es her, dass sich mit Bayer Leverkusen die letzte deutsche Mannschaft für ein Champions-League-Halbfinale qualifizieren konnte. Danach war spätestens im Viertelfinale Schluss. Zuletzt, in der Saison 2005/2006, mussten Bayern und Werder gar schon im Achtelfinale die Segel streichen. Bremen schied gegen Juventus Turin aus, die damals noch von Felix Magath trainierten Bayern ließen sich vom AC Milan vorführen. In der Endabrechnung hieß es 2:5.

Nun also heißt der Gegner wieder AC Milan - und die Bilanz gegen die "Rossoneri" liest sich wahrlich grauenvoll: In allen K.o.-Duellen zogen die Münchener den Kürzeren, fünf Mailänder Siegen steht ein einziger der Bayern (2:1 n. V., 89/90) gegenüber. Aber damit nicht genug. Ausgerechnet heute fehlen die gesperrten Führungsspieler Oliver Kahn und Mark van Bommel. Was noch mehr wehtut: Beide Bayern-Akteure sind aufgrund von Undiszipliniertheiten zum Zuschauen verdammt.

Milans Oldie-Defensive als Schlüssel zum Erfolg

Dass der deutsche Rekordmeister trotz allem mit breiter Brust über die Alpen gefahren ist, hat zwei Gründe: 1. der überzeugende 2:0-Erfolg in der Bundesliga über Spitzenreiter Schalke 04 am letzten Wochenende und 2. der überalterte Kader Milans. Aber der Reihe nach: Im Spiel gegen die Knappen zeigten die Münchener nicht nur phasenweise erfrischenden Angriffsfußball, sondern sich gegenüber den letzten Auftritten auch stark verbessert. Das neue und durch den jüngsten Erfolg in der Liga wieder gewonnene Selbstbewusstsein demonstriert Lukas Podolski: "Das Stadion in Mailand liegt uns. Wir wissen, dass wir eine Starke Mannschaft haben. Ich habe keine Angst." Owen Hargreaves, der Milans gefürchteten Regisseur Kakà an die Kette legen soll, strahlt ebenfalls Zuversicht aus: "Wir können dort gewinnen, auch weil die Italiener nicht mehr so stark wie im letzten Jahr sind."

Damit liegt der Engländer nicht falsch. In der Serie A ist Milan Lichtjahre vom Titel entfernt, so bleibt den Norditalienern nur die Königklasse, um auch in der kommenden Saison auf höchster internationaler Ebene zu spielen. "Für einen Gewinn der Champions League geben wir alles", sagt denn auch Kakà. Jener brasilianische Mittelfeldzauberer, der mit seinen 24 Jahren zu den drei Jüngsten im Team zählt. Womit wir bei Milans vielleicht größtem Problem angelangt wären: die Überalterung des Kaders. Akteure wie Keeper Dida oder die Abwehrrecken Costacurta, Cafu oder Maldini sind alle längst jenseits der 30. Die Oldie-Defensive der "Rossoneri" als Schlüssel zum Bayern-Sieg? Gut möglich.

Ein Weltmeister hat Angst

Und noch etwas sollte der einzig verbliebenen deutschen Mannschaft in der Champions League vor dem Duell im Mailänder Stadtteil San Siro Mut machen. Der Respekt vor dem FC Bayern München ist wieder da. "Die 'schwarze Bestie' verbreitet wieder Angst und Schrecken", titelten die spanischen Zeitungen nach dem Achtelfinalerfolg der Münchener gegen Real Madrid. Die Italiener bezeichnen die Bayern zwar nicht als "schwarze Bestie", Angst vor ihnen hat man aber trotzdem. "Bayern hat viele großartige Spieler, es ist eine der stärksten Mannschaften Europas. Die Mannschaft als Ganzes macht Angst, und durch den Trainerwechsel und mit der Erfahrung von Hitzfeld können sie uns in Schwierigkeiten bringen", sagte Weltmeister Gennaro Gattuso in einem Interview der FTD (Dienstagausgabe).

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