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CHAMPIONS-LEAGUE: Bayern siegt im Elfmeterschießen

Mit einem 5:4-Sieg im Elfmeterschießen gegen den FC Valencia sicherte sich der deutsche Rekordmeister den Europapokal der Landesmeister.

Der FC Bayern München hat seinen Endspiel-Fluch vertrieben und dank Oliver Kahn in einem Elfmeter-Drama erstmals nach 25 Jahren wieder den europäischen Fußball-Thron erklommen. Mit dem 5:4-Sieg im Elfmeterschießen gegen den FC Valencia sicherte sich der deutsche Rekordmeister am Mittwoch zum vierten Mal in der Vereinsgeschichte den Europapokal der Landesmeister, nachdem er zuvor 1984, 1987 und 1999 drei Mal im Finale gescheitert war.

Die 25 000 Bayern-Fans im 74 000 Zuschauer fassenden Mailänder Giuseppe-Meazza-Stadion waren völlig aus dem Häuschen, als nach dem 1:1 nach regulärer Spielzeit und der Verlängerung der 14. Schuss im Elfmeterschießen das Happy End brachte: Nationalkeeper Kahn parierte gegen Mauricio Pellegrino seinen insgesamt dritten Elfmeter, sicherte dem Club 12 Millionen Mark Preisgeld und jedem Spieler 400 000 Mark Siegprämie.

Bereits zuvor hatten Strafstöße das Spiel geprägt. Nach nur drei Minuten hatte Gaizca Mendieta den FC Valencia per Handelfmeter in Führung gebracht. Nachdem Mehmet Scholl in der siebten Minute mit einem Strafstoß an Jose Canizares gescheitert war, hatte Kapitän Stefan Effenberg in der 50. Minute ebenfalls per Handelfmeter das 1:1 markiert. Im 53. Pflichtspiel der Saison krönten die Bayern eine turbulente Saison mit dem Double aus DM-Titel und Triumph im europäischen Meistercup, das ihnen bislang nur 1974 gelungen war.

Eine Dominanz der Abwehrreihen hatten die meisten Experten erwartet, ein Spiel mit wenig Torszenen und vielen taktischen zwängen. Doch es kam alles gleich ganz anders, die Partie startete mit zwei Knalleffekten. Ausgerechnet Patrik Andersson, der die Bayern am Samstag beim Hamburger SV in letzter Minute zur deutschen Meisterschaft geschossen hatte, wurde nach nur 80 Sekunden zum Unglücksraben. Nach einem Schussversuch von Mendieta berührte der Schwede am Boden liegend gleich zwei Mal den Ball mit dem Arm. Schiedsrichter Dick Jol entschied sofort auf Strafstoß, und Mendieta verwandelte nach 122 Sekunden überlegt zur Führung.

Fast postwendend bekamen auch die Münchner ihren Elfmeter:

Geschickt provozierte Kapitän Stefan Effenberg den Franzosen Jocelyn Angloma zum Foul im Strafraum, dilettantisch aber schritt Mehmet Scholl zur Tat. Der Schuss des 30-Jährigen war so unplatziert und schwach, dass Spaniens Nationaltorwart Jose Canizares problemlos per Fußabwehr klärte.

Die Bayern steckten beide Tiefschläge weg, ergriffen die Initiative und setzten Valencia unter Druck. Vor allem die linke Seite mit Bixente Lizarazu und Hasan Salihamidzic sorgte für viel versprechende Ansätze, während Valencia dort mit dem 35 Jahre alten Angloma den großen Schwachpunkt hatte. Allerdings fanden die Flanken, die das Bayern-Duo produzierte, keine Abnehmer.

Giovane Elber, meist auf sich allein gestellt, kam nur in der 28. Minute zum Kopfball, den Canizares aber mühelos hielt. Der vom verschossenen Elfmeter geschockte Scholl wollte mit Gewalt seinen Fehler wieder gutmachen, verstrickte sich dabei aber meist in unüberlegte Einzelaktionen. Zudem hatte er in der 30. Minute Pech, als er einen Freistoß aus 20 Metern neben das Tor zirkelte. In der 42. Minute verfehlte auch Willy Sagnol sein Ziel.

Hitzfeld reagierte zur Pause auf die fehlende Durchschlagskraft im Angriff mit der Hereinnahme von Carsten Jancker, für ihn musste Sagnol den Platz räumen. Der Schachzug zahlte sich bereits vier Minuten durch einen allerdings umstrittenen erneuten Elfmeter aus. Nach einem Luftkampf zwischen Jancker und Amadeo Carboni entschied Jol auf Handspiel des Spaniers und nicht auf Foul des Deutschen. Effenberg übernahm die Verantwortung, beförderte den Ball mit nur zwei Metern Anlauf souverän ins Netz.

Danach wurde das Spiel so, wie es die Fachleute im Vorfeld erwartet hatten. Auch die Bayern drosselten nun ihre Angriffsbemühungen, waren wie Valencia in erster Linie auf Kontrolle von Ball und Gegner bedacht. In der 86. Minute aber hatte nur noch Kahn den Überblick, als er geistesgegenwärtig dem Slowenen Zlatko Zahovic den Ball vom schussbereiten Fuß. In der Nachspielzeit verpasste es Jancker, die Partie vor der Verlängerung zu entscheiden.

In der Verlängerung hatten beide Teams hochkarätige Chancen, die Partie zu entscheiden. Erst scheiterten Elber (92.) und Salihamidzic (96.) an Canizares, dann rettete Kahn gegen Zahovic (98).

Dann das Elfmeterschießen: Sergio drosch den Ball übers Tor, Andersson scheitert an Canizares. Doch Kahns Paraden gegen Zahovic und Carboni hält die Bayern im Rennen. Salihamidzic, Zickler, Effenberg, Lizarazu und Linke verwandeln, dann besiegelt Kahn den Triumph.

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