Champions League FC Barcelona vs. Inter Mailand Bruderkampf auf dem Rasen


Barcelona gegen Mailand, das ist auch das Duell der Brüder Gabriel (Barça) und Diego (Inter) Milito. Der Mutter in Argentinien graust es schon jetzt - sie hat ihre Erfahrungen.
Von Julius Müller-Meiningen, Rom

Wenn der belgische Schiedsrichter Frank de Bleeckere am Mittwoch das Spiel zwischen dem FC Barcelona und Inter Mailand anpfeift, dann ist bei den Militos nichts mehr so wie vorher. In der Heimat, im argentinischen Quilmes, werden Militos aufgeregt vor dem Fernseher sitzen. In der süditalienischen Region Kalabrien, woher die Familie ursprünglich stammt, werden ebenfalls Militos nervös auf dem Sessel hin und her rutschen.

Und im Camp Nou in Barcelona werden zwei Militos das machen, was sie immer schon gemacht haben. Der eine wird versuchen, Tore zu erzielen. Der andere wird versuchen, Tore zu verhindern. Es ist das, was die Brüder Diego und Gabriel Milito am besten können. Nur müssen sie am Mittwoch gegeneinander antreten. Diego will mit Inter Mailand in das Finale der Champions League einziehen und Gabriel mit dem FC Barcelona. "Für mich ist er mit dem Anpfiff ein Gegenspieler wie jeder andere. Unsere familiäre Beziehung liegt dann auf Eis." So erklärt Gabriel, wie es ist, gegen den eigenen Bruder in einem Champions-League-Halbfinale anzutreten.

Das Aufeinandertreffen ist sicher, seit Barcelona-Kapitän Carles Puyol im Hinspiel (3:1) mit einer Gelben Karte verwarnt wurde. Puyol ist gesperrt, deshalb wird er vom gerade erst von einer schweren Kreuzbandverletzung genesenen Gabriel Milito ersetzt. Wer am 22. Mai das Finale in Madrid bestreiten darf, das hängt am Mittwoch auch davon ab, wie gut der kleine Bruder den großen am Toreschießen hindert.

Diego ist für Inter Mailand unersetzlich

Für die Militos, beide argentinische Nationalspieler, ist es das bisher wichtigste Spiel ihrer jeweiligen Karrieren, die erst spät ihren Höhepunkt erreicht haben. Gabriel, 29, WM-Teilnehmer 2006 und seit 2007 beim FC Barcelona, verpasste den Champions-League-Gewinn im vergangenen Jahr wegen seiner Verletzung. Er galt zu Beginn seiner Laufbahn als größeres Talent. Der ruhigere Diego, 30, kam erst langsam in Schwung. Nach Jahren bei Real Saragossa (2005-2007), wo er mit seinem Bruder zusammen spielte, und beim CFC Genua wechselte er erst in dieser Saison zu Inter Mailand. Sein erstes Champions-League-Tor erzielte der Stürmer im Alter von 30 Jahren.

25 Treffer, darunter das 3:1 im Hinspiel gegen Barcelona, hat Diego insgesamt schon in dieser Saison erzielt. Für Inter-Trainer José Mourinho ist er deshalb einer der wenigen unersetzlichen Spieler.

"Gabi kennt ihn auswendig und weiß, wie er ihn stoppen kann", hofft Barcelonas Trainer Josep Guardiola. Beide Spieler werden von ihren Trainern wegen ihrer Vielseitigkeit, ihres außergewöhnlichen Einsatzes und ihrer taktischen Intelligenz geschätzt. "Er ist der stärkste Verteidiger, gegen den ich je gespielt habe", sagte Diego über seinen Bruder. "Nur verliert er schnell die Nerven."

Eine Mutter gerät zwischen die Fronten

Vor allem Mutter Mirta Milito erinnert sich noch mit Grausen an die bisherige Schlüsselepisode im Zweikampf ihrer Söhne. Es war im März 2003, das hitzige Derby von Avellaneda, einem Vorort von Buenos Aires. Mirta Milito, auf der Tribüne zwischen den Freundinnen von Diego (FC Racing) und Gabriel (Independiente) sitzend, musste zusehen, wie Gabriel einen frei auf das Tor zulaufenden Gegenspieler regelwidrig vor dem Strafraum stoppte und vom Schiedsrichter die Gelbe Karte gezeigt bekam.

Diego, mit einem Schuh in der Hand, protestierte wüst und forderte den Platzverweis gegen seinen Bruder, der diesen Verrat mit heftigen Verwünschungen quittierte. Damalige Chronisten wollen sich erinnern, dass Gabriel sogar unflätige Beschimpfungen gegen die Mutter von Diego erhob, was schon damals den Schiedsrichter zum Lachen gebracht haben soll.

"Er hat mich wahnsinnig beschimpft", erinnert sich Diego. Mirta Milito war so empört, dass sie nach der Szene das Stadion verließ. Doch die Militos haben Schlimmeres erlebt: Im Jahr 2002 wurde der Vater entführt. Erst nach 18 Tagen kam Salvador Milito gegen eine Lösegeldzahlung frei. "Die schlimmste Erfahrung meines Lebens", sagte Diego.

Das Champions-League-Duell wird zweifellos ein Höhepunkt im Sportlerleben der Brüder sein, wenn auch mit ungünstigem Ausgang für einen der beiden. "Unser gutes Verhältnis wird nicht unter einem Fußballspiel leiden", behauptete Gabriel vor dem Spiel. Sicher ist, dass zumindest ein Milito das Finale von Madrid bestreiten wird.

Diesen Text haben wir für Sie in der Financial Times Deutschland gefunden.

FTD

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