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Champions-League-Finale: Lieber ein ganzer Großkreutz als ein halber Götze

Mario Götze fällt für das Champions-League-Finale aus. Das ist vor allem ein persönliches Drama. Sportlich ist es nur auf den ersten Blick eine Schwächung.

Von Klaus Bellstedt

Wer die Bilder vom Dienstagnachmittag gesehen hat, der konnte es schon ahnen: Mario Götze würde es bis zum Wochenende wohl nicht mehr schaffen. Tief geknickt lehnte der Mittelfeldstar an einem Golfwägelchen und ließ sich behandeln. Seine erste Trainingseinheit mit der Mannschaft nach drei Wochen Pause war für Götze zehn Minuten vor Schluss schon wieder beendet. Der Rest ist schnell erzählt: Die alte Verletzung, der Muskelfaserriss, war wieder aufgebrochen. Der Mittwoch brachte schließlich endgültige Klarheit. Kein Champions-League-Finale für Mario Götze.

"Es tut mir unglaublich leid, der Mannschaft in dieser wichtigen Partie nicht helfen zu können", wird der 20-Jährige in einer Mitteilung des Vereins zitiert. Und jetzt? Zunächst Mal ist der Ausfall vor allem ein persönliches Drama. Götze verpasst die Chance, sein letztes, sein größtes Spiel, für den BVB zu bestreiten und sich mit einem starken Auftritt von den Fans zu verabschieden. Im Sommer folgt ja der Wechsel zu den Bayern. Wembley wäre ohne Frage Götzes bisheriges Karriere-Highlight gewesen. Das ist bitter.

In Ruhe Plan B ausarbeiten

Aber natürlich bedeutet Götzes Aus auch eine Schwächung für den BVB. Dortmund muss jetzt ohne diese genialen Moves und Pässe des Spielgestalters auskommen. Seine Standards, die in den Fuß der Mitspieler geschlagenen Diagonal-Flanken, das Auge, all das fehlt nun im Repertoire der Borussia. Dennoch lässt sich festhalten: Wer erst drei Tage vor einem Champions-League-Endspiel wieder ins Training einsteigt, der wäre im Zweifel eh nicht mit hundertprozentiger Fitness in diese Partie gegangen.

Nun könnte man anführen, dass selbst ein halber Götze immer noch wertvoll genug ist, aber dieser Gedanke ist riskant. Die Gefahr eines frühen Ausscheidens war so oder so da, nun kommt Jürgen Klopp gar nicht erst in die Bredouille, möglicherweise während des Spiels reagieren zu müssen. Der Trainer kann stattdessen in Ruhe Plan B ausarbeiten.

Wie der aussehen kann? Zwei Möglichkeiten: Bereits beim Bundesliga-Abschluss am vergangenen Samstag versuchte sich der beim BVB normalerweise auf der linken offensiven Außenposition eingesetzte Reus als Spielmacher. Ähnlich wie der ehemalige Mönchengladbacher hat aber auch Gündogan seine Qualitäten als Götze-Ersatz bereits mehrfach unter Beweis gestellt. Beim 6:1-Kantersieg Mitte April beim Absteiger Greuther Fürth überzeugte der 22-Jährige als Regisseur und zweifacher Torschütze.

Geschichte wiederholt sich - vielleicht

Was für Variante eins spricht: Statt Reus käme der deckungsstärkere Kevin Großkreutz als Außen zum Einsatz, der die Kreise von Philipp Lahm eingrenzen und in Notfällen zudem gegen Arjen Robben in der Defensive aushelfen könnte. Ohne Götze ist es ein anderes Dortmunder Spiel, aber es muss nicht automatisch schlechter sein. Einen gewissen Nuri Sahin hat Klopp übrigens auch noch in der Hinterhand.

Und noch etwas sollte dem BVB Hoffnung machen: die Geschichte. Schon im DFB-Pokalfinale in der vergangenen Saison gegen die Bayern musste Götze passen, nachdem er fast die gesamte Rückrunde wegen einer Schambein-Entzündung nicht zum Einsatz gekommen war. Das Ergebnis ist bekannt: Dortmund siegte 5:2.

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