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Champions-League-Halbfinale: "Battle of Britain" ohne Ballack

Der FC Chelsea muss am Abend im Königsklassen-Semifinale gegen Liverpool verletzungsbedingt auf Michael Ballack verzichten. Auch ohne den Deutschen wollen die "Blues" gegen ihren Angstgegner eine alte Rechnung begleichen - die Rede ist von einem "Rachefeldzug".

Ohne Michael Ballack wird der FC Chelsea an diesem Mittwochabend das Halbfinal-Hinspiel in der Champions League gegen den FC Liverpool bestreiten. "Ballack wird nicht spielen", sagte Trainer José Mourinho der britischen Tageszeitung "The Times" (Mittwoch-Ausgabe). Ballack hatte sich am Wochenende im Ligaspiel bei Newcastle United eine Sprunggelenksverletzung zugezogen. Der deutsche Nationalmannschaftskapitän war bislang bei allen Europacupspielen des englischen Meisters in dieser Saison aufgelaufen.

Nicht nur wegen des Ausfalls von Michael Ballack, auch sonst gibt sich der sonst so selbstbewusste Chelsea-Trainer José Mourinho vor dem Halbfinal-Hinspiel in der Champions League kleinlaut - und schiebt dem FC Liverpool die Favoritenrolle zu. "Die können sich auf einen Wettbewerb konzentrieren. Wir sind dagegen gehandicapt", sagte der Erfolgscoach. Liverpool ist Mourinhos Angstgegner, denn gegen kein anderes Team tut sich das Londoner Star-Ensemble so schwer mit dem Toreschießen. Vier Mal traf der englische Meister in den vergangenen beiden Jahren in der Königsklasse auf die "Reds" - und erzielte keinen einzigen Treffer. Das Aus im Halbfinale 2005 stößt Mourinho noch immer sauer auf. "Wir sind ausgeschieden, ohne ein Gegentor kassiert zu haben", jammerte der Coach und spielte auf den umstrittenen Siegtreffer von Luis Garcia an.

Letzte "Blues"-Pleite an der Anfield Road

Für Mourinho, der am Sonntag nach dem 0:0 in Newcastle die Spekulationen um seinen möglichen Abschied aus London ("Sie wollen das ich bleibe. Und ich werde bleiben") beendet hatte, hatte der Ball damals nicht die Torlinie überschritten. Chelsea-Torjäger Didier Drogba kündigte bereits "Rache" an. Markige Worte, die Liverpools Mittelfeld-As Xabi Alonso als "zusätzliche Motivation" empfindet. Auch Rafael Benitez stichelt gegen seinen Trainerkollegen zurück: "Früher war ich mit Mourinho befreundet. Doch seit ich anfing, gegen ihn zu gewinnen, redet er nicht mehr mit mir." Benitez hat schon mehrfach Mourinhos Titelträume platzen lassen. In der vorigen Saison setzte er sich im englischen Pokal-Halbfinale durch und in dieser Spielzeit gewann er auch den Community Shield, das traditionelle Duell zwischen Meister und Cupsieger. Die seit 22 Spielen unbesiegten "Blues" kassierten ihre letzte Pleite im Januar an der Anfield Road.

Chelsea ist also vorgewarnt, zumal Liverpool zuletzt in Barcelona und Eindhoven mit überzeugenden Auswärtssiegen auftrumpfte. "Wir sind in einer deutlich besseren Situation als vor zwei Jahren", glaubt Benitez: "Wir sind stärker in der Liga und bereits für die kommende Champions League qualifiziert." Der Spanier erwartet ein taktisch geprägtes, aber kein spektakuläres Duell: "Beide Teams kennen sich sehr gut, es gibt kaum noch Geheimnisse. Eine Kleinigkeit kann entscheidend sein." Dennoch will er am Mittwoch auf Torejagd gehen: "Ein 0:0 auswärts ist nicht unbedingt ein gutes Ergebnis. Wir haben in Barcelona Tore geschossen und wollen das auch an der Stamford Bridge tun und hoffentlich gewinnen."

Merk an der Pfeife

Viel hängt vom Mittelfeld-Duell zwischen Frank Lampard und Liverpools Steven Gerrard ab. Aber auch, wie Jamie Carragher seinen Gegenspieler Drogba in den Griff bekommt. Der englische Meister muss auf den gesperrten Michael Essien verzichten. Der Einsatz von Innenverteidiger Ricardo Carvalho fraglich. Ein Deutscher ist auch dabei: Schiedsrichter Markus Merk aus Otterbach leitet diese wichtige Begegnung.

DPA/kbe

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