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Champions League: Surfergruß von Daddy Cool

Die Fußball-Welt blickt nach Barcelona. Der Titelverteidiger muss am Abend Werder Bremen besiegen, um den Super-Gau zu verhindern. Ronaldinho verschwendet daran keinen Gedanken. Der strotzt vor dem Herzschlag-Finale nur so vor Selbstbewusstsein - genauso wie die Taxifahrer.

Von Klaus Bellstedt, Barcelona

Das altehrwürdige Camp Nou wird brodeln, wenn sich am Dienstagabend (ab 20.45 Uhr live bei stern.de) der Vorhang zum großen Champions-League-Showdown zwischen dem FC Barcelona und Werder Bremen hebt. 100.000 Fans werden dabei sein und die zugige Arena in einen Hexenkessel verwandeln - so viel steht fest. "La Finalisima Contra El Werder" - mit dieser Überschrift betitelt die in der katalanischen Hauptstadt äußerst gern gelesene Sportzeitung "El Mundo Deportivo" seit Tagen ihre Berichte zum "Finale" ums Weiterkommen in der Königsklasse.

Und ja, es ist ein echtes Finale. Dem amtierenden Champions-League-Sieger hilft nur ein Sieg, um doch noch ins Achtelfinale einzuziehen. Den Überfliegern von der Weser dagegen würde schon ein Unentschieden reichen. Aber was heißt das schon? Ein Remis im Camp Nou einzufahren war und ist für Auswärtsteams fast schon ein Ding der Unmöglichkeit. Andererseits hat es Chelsea London Werder vorgemacht. Die Mannschaft von Michael Ballack sicherte sich vor Wochen durch ein Tor in der Nachspielzeit einen immens wichtigen Punkt. Schon richtig, aber da ging es für die "Azulgrana" eben auch noch nicht um alles. Am Dienstag ist das anders. Und noch etwas spricht für Barcelona: Noch nie in der Geschichte der Champions League musste der Titelverteidiger nach der Gruppenphase die Segel streichen.

"Ich denke nur an einen Sieg"

Nach außen hin demonstriert der FC Barcelona vor dem "Endspiel", so wie es sich für einen echten Weltclub gehört, denn auch Gelassenheit pur. Die personifizierte Coolness trägt bei den Katalanen einen Namen: Ronaldinho. Im letzten Ligaspiel am Wochenende (Barca spielte nur 1:1 bei Levante) wurde der Brasilianer, der in Spanien schlicht "Gaucho" gerufen wird, von Trainer Rijkaard extra für die Begegnung gegen Bremen geschont. Am Abend vor dem Match zeigte sich Ronaldinho auf der obligatorischen Pressekonferenz - ausgeruht und strotzend vor Selbstbewusstsein.

Bevor der Brasilianer einen Satz sagte, schickte er minutenlang strahlend seine Surfergrüße in die Kameras der Fotografen. Als es dann ernsthafter wurde, beantwortete er jede Frage mit einem euphorischen Lächeln. Ronaldinhos Botschaft: Druck haben die anderen, ich nicht! Natürlich würden sie Werder ernst nehmen und der Respekt sei schließlich auch vorhanden. Allein, so richtig abnehmen konnte man ihm die Worte nicht. Vielleicht auch deshalb, weil dem Superstar zum Ende der Fragestunde noch folgender Satz rausrutschte: "In meinem Kopf ist gerade kein Platz für irgendetwas anderes, ich denke nur an einen Sieg am Dienstag." Als Ronaldinho das sagte, war von seinen putzigen Hasenzähnchen plötzlich nichts mehr zu sehen. Sein Lächeln verschwand, so als wolle er den Norddeutschen drohen.

"Tenemos Ronaldinho"

An den Super-Gau, der womöglich sogar personelle Konsequenzen für Frank Rijkaard nach sich ziehen würde, verschwendet beim FC Barcelona niemand auch nur einen einzigen Gedanken. Weitere Kostproben gefällig? Bitte sehr! "Wir siegen, weil wir enorm stark sind", zitierte die "La Vanguardia" bereits am Montag Ronaldinho. Teamkollege Edmilson sprach in derselben Tageszeitung gar von einem "Fiasko", wenn man gegen Werder ausscheiden würde.

Was aber wenn nun doch? Was, wenn Werders WM-Helden Frings, Borowski und Klose Ronaldinho gemeinsam auf die Pelle rücken und diesem "wandelnden Weltwunder", wie die FAZ ihn einst rühmte, die Spielfreude rauben werden? Keine Chance, keine Diskussion. Nicht mal Barcelonas Taxifahrer lassen sich dieser Tage auf ein katalanisch-deutsches Fachgespräch ein. "Klose? Tenemos Ronaldinho!", sagte einer nur trocken, ähnlich selbstbewusst wie der Fußball-Rastelli selbst. "Wer ist schon Klose, wir haben Ronaldinho. Irgendwie hat er ja auch Recht.

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