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Champions League: Wunder-Glaube auf Schalke

Vor dem Rückspiel im Champions-League-Viertelfinale gegen Barcelona ist auf Schalke viel von Wundern die Rede ist. Aber ernsthaft glaubt keiner an ein Weiterkommen. Noch brisanter ist die Situation für Trainer Mirko Slomka. Sein Abschied im Sommer naht.

Als die Spieler von Schalke 04 am Dienstagmorgen den Flieger nach Barcelona bestiegen, glaubte zumindest einer an das blaue Wunder für Schalke im Viertelfinal-Rückspiel gegen den FC Barcelona in der Champions League (ab 20.45 Uhr im Liveticker von stern.de). Mittelfeld-Abräumer Jermaine Jones, der im Hinspiel gesperrt gefehlt hatte, zeigte sich selbstbewusst: "Ich fahre nicht dorthin, um mir die Barca-Spieler anzuschauen. Ich will eine Runde weiterkommen. Vielleicht schaffen wir ja das Wunder."

Sogar Fußball-Legende Johan Cruyff hält eine Überraschung für möglich. Er warnt seinen ehemaligen Club FC Barcelona, das Spiel gegen die Deutschen nach dem 1:0-Sieg im ersten Duell auf die leichte Schulter zu nehmen. "Keiner darf sich einbilden, die Sache sei bereits gelaufen. Das wird kein Spaziergang", meinte Cruyff

Kuranyi kehrt in Startelf zurück

Aber so recht will keiner an das Weiterkommen glauben. In den Worten von Manager Andreas Müller wird ein Erfolg gegen die Katalanen im Stadion Camp Nou sogar zum "größten Wunder der Schalke-Geschichte". Soll heißen: Das Weiterkommen scheint unmöglich. Die Hoffnungen ruhen ausgerechnet auf dem größten Sorgenkind: Kevin Kuranyi. Der seit Wochen schwächelnde Torjäger ist die letzte Hoffnung des Bundesliga-Zweiten. "Er ist ein großer Spieler für große Spiele", baute Trainer Mirko Slomka seinen Star wieder auf, den er nach seiner 60-minütigen Denkpause gegen Hansa Rostock (1:0) wieder in die Anfangself zurückholt.

In der Champions League war Kuranyi bislang der Garant für das Weiterkommen: Von den sechs Schalker Treffern erzielte er drei - zwei bei den beiden Vorrundensiegen gegen Rosenborg Trondheim (2:0 und 3:1) sowie das einzige im Achtelfinale gegen den FC Porto (1:0) im Hinspiel. Dass im wohl nicht ausverkauften Camp Nou, wo außer Bayern München seit 20 Jahren keine deutsche Mannschaft mehr gewonnen hat, eine Sensation gelingt, glaubt kaum jemand.

Während die Spieler auf weitere Partien in der Champions League in der nächsten Saison spekulieren dürfen, könnte die Begegnung in Barcelona für Trainer Slomka der Abschied aus der Königsklasse sein. Sein Verbleib auf Schalke ist trotz laufenden Vertrages bis 2009 eher unwahrscheinlich. Bis zum Saisonende stellte Präsident Josef Schnusenberg dem ungeliebten Coach eine Arbeitsplatzgarantie aus, danach, so die Signale aus der Chefetage, ist Schluss.

Müller rückt langsam von Slomka ab

Auch Manager Müller, bislang Slomkas Mentor, rückt langsam vom Trainer ab. Trotz des Sprungs auf Platz zwei spiele die Mannschaft "seit Wochen nicht gut", sagte der Ex-Profi, vielleicht müsse man sich auch trennen, wenn man auf Platz zwei stehe. Es gebe keinen Automatismus, dass Slomka im Amt bleibe, wenn er erneut die Champions League erreiche: "Wir wollen eine Entwicklung in der Mannschaft sehen." Die ist trotz vier Siegen in den letzten fünf Bundesliga-Spielen nicht zu erkennen.

Noch mehr Gegenwind verspürt Slomkas Kontrahent Frank Rijkaard. Auch sein Abschied im Sommer gilt als ausgemacht. In der Meisterschaft hat Barcelona sieben Punkte Rückstand auf Tabellenführer Real Madrid. Nach dem peinlichen 0:0 in Camp Nou gegen Getafe äußerten die Fans wütend ihren Unmut, indem sie weiße Taschentücher schwenkten. Gestern eskalierte die Situation, als Rijkaard die Fans vom Training ausperrte. Ein weiteres Problem ist das Verhältnis des Trainers zu Superstar Ronaldinho, das als zerüttet gilt. Der Brasilianer wird in dieser Saison wegen eines Muskelfaserrisses nicht mehr auflaufen und gilt längst als Auslaufmodell. Davor hatte der Trainer ihn wegen diverser Eskapaden für Liga-Spiele nicht mehr aufgestellt. Im Hinspiel gegen Schalke fehlte er das erste mal auch in der Champions League. Außerdem muss Rijkaard auf Messi und Deco verzichten. Vielleicht erleben die Katalanen doch ein blauens Wunder gegen Königsblau.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Barcelona:

Valdes - Zambrotta, Puyol, Milito, Abidal - Xavi, Toure, Iniesta - Eto'o, Krkic, Henry

Schalke:

Neuer - Rafinha, Bordon, Krstajic, Westermann - Ernst, Jones - Asamoah, Pander - Kuranyi, Altintop

SID/DPA/tis / DPA

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