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Chaostage beim HSV: Aufsichtsrat-Boss Bandow tritt zurück

Der Hamburger SV kommt einfach nicht zur Ruhe: Wie stern.de erfuhr, tritt der mächtige Aufsichtsrat-Boss der "Rothosen" am heutigen Freitag mit sofortiger Wirkung von seinem Amt zurück - offiziell aus gesundheitlichen Gründen.

Von Klaus Bellstedt

Am Mittwoch feierte Udo Bandow im altehrwürdigen Rathaus noch gemeinsam mit Hamburgs regierendem Bürgermeister Ole von Beust seinen 75. Geburtstag. Ob der Ur-Hamburger wohl da schon wusste, dass er nur zwei Tage später von seinem Amt als Aufsichtsrats-Vorsitzender des Hamburger SV zurücktreten würde? Alle Anzeichen sprechen dafür.

stern.de erfuhr aus dem engeren Umfeld des Vereins vom spektakulären Rücktritts-Plan des obersten HSV-Kontrolleurs. Offiziell heißt es, dass Bandow aus gesundheitlichen Gründen mit sofortiger Wirkung von seinem Amt zurücktritt. Das macht Sinn: Mitte September musste sich der 75-jährige Banker noch einer schwierigen Herzoperation unterziehen. Vier Bypässe wurden Bandow gelegt. Aber es war eben nicht nur das angestrengte Herz, was ihn letztlich zum Rücktritt trieb.

Die schlimme sportliche Situation seines Clubs ließ ihn schon im Dezember 2006 nach der chaotisch verlaufenen Mitgliederversammlung resignieren. Der frühere Vorstandsvorsitzende der Vereins- und Westbank ahnte damals bereits, dass seine Zeit unter den neuen Vorzeichen beim HSV schon fast abgelaufen ist. "Bis 2008 bin ich als Vorsitzender des Aufsichtsrats gewählt. Was dann kommt, ich weiß es nicht. Selbst kandidieren werde ich auf keinen Fall mehr", so äußerte sich der in der Hansestadt hoch angesehene Bankier nach der abgebrochenen Chaos-Versammlung.

Entscheidende Tage für den Krisen-HSV

Jetzt hat Udo Bandow also schon viel früher die Reißleine gezogen. Der Zeitpunkt des Rücktritts ist bei genauerer Betrachtung der aktuellen Situation rund um den HSV zwar überraschend, aber doch auch nachvollziehbar - weil dem Tabellenletzten der Fußball-Bundesliga entscheidende Tage bevorstehen.

Freitag und Samstag berät der Aufsichtsrat in Reinbek vor den Toren Hamburgs um die Zukunft des schwer in die Kritik geratenen Sportchefs Didi Beiersdorfer. Im Anschluss an die Klausurtagung der Kontrolleure folgt dann das Heimspiel gegen Borussia Dortmund. Sollte das verloren gehen, gingen beim Bundesliga-Dino wohl endgültig alle Lichter aus. Und am kommenden Montag geht es schließlich bei der Fortsetzung der abgebrochenen Mitgliederversammlung um die Außendarstellung des Vereins. Vielleicht war es klug von Bandow genau jetzt zurückzutreten. Einer gegenseitigen Selbstzerfleischung - auch im Aufsichtsrat - hat er sich damit jedenfalls rechtzeitig entzogen.

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