HOME

HSV: HSV-Trainer Wulff: »Gürtel enger schnallen«

HSV-Interims-Chef Ronald Wulff, schwor auf schwerere Zeiten ein: Nachdem der Club das Geschäftsjahr mit einem Minus von 200 000 Euro abgeschlossen hat, wurden auch für das laufende Jahr keine besseren Zahlen prophezeit.

»Eine Palastrevolution wollen wir nicht«

Beim Hamburger SV ist das Verhältnis zwischen den Mitgliedern und der Clubführung offenbar von großem Misstrauen geprägt. »Der Inhalt zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Veranstaltung«, gestand der Aufsichtsratsvorsitzende Udo Bandow nach der gut dreistündigen Mitgliederversammlung des Fußball- Bundesligisten im Congress Centrum Hamburg. Als erster der 429 anwesenden Mitglieder prangerte Ex-Präsident Peter Krohn am Freitagabend die Informationspolitik des Vereins an und forderte Offenheit: »Wir würden gerne mehr erfahren.«

Antworten konnte (und wollte) Bandow auch an einem trotz aller Einwürfe friedlichen Abend keine geben. Weder zur umstrittenen Ausgliederung der Profiabteilung, über die bei der nächsten Versammlung abgestimmt werden soll, noch zur schwierigen Finanzsituation, noch über den künftigen Vorsitzenden gab es genügend Informationen. Wenigstens kündigte Spitzenfunktionär Bandow an, den hoch bezahlten Clubchef bis Ende des Jahres präsentieren zu wollen.

Von den 17 922 Mitgliedern des Bundesliga-Dinos hatte gerade einmal 2,3 Prozent den Weg zur Versammlung gefunden. »Vorstand und Aufsichtsrat müssen sich Gedanken machen«, sagte Bandow. »Eine Palastrevolution wollen wir nicht«, beschwichtigte Krohn.

»Die Finanzsituation ist nicht bedrohlich«

Zwei Tage vor dem Bundesliga-Spiel gegen Energie Cottbus an diesem Sonntag (17.30 Uhr/Premiere) in der AOL-Arena wurden die ehemaligen Vorstandsmitglieder Werner Hackmann und Holger Hieronymus, von denen sich der Club in beiderseitigem Einvernehmen getrennt hatte, mit großer Mehrheit, aber auch mit zahlreichen Gegenstimmen und Enthaltungen, in einer gemeinsamen Abstimmung entlastet. Während Bandow dem Ex-Chef Hackmann dankte, wurden die Leistungen von Sportchef Hieronymus vom Aufsichtsratsvorsitzenden mit keinem Wort gewürdigt.

Interims-Chef Ronald Wulff, Hackmanns Nachfolger als Vereinsvorsitzender, schwor die Mitglieder auf schwerere Zeiten ein. Nachdem der Club das Geschäftsjahr mit einem Minus von 200 000 Euro abgeschlossen hat, wurden auch für das laufende Jahr keine besseren Zahlen prophezeit. Allein drei Millionen Euro an einkalkulierten Fernseheinnahmen würden dem Verein fehlen. »Die gesamte Fußball- Bundesliga wird den Gürtel enger schnallen müssen«, sagte Wulff. Allerdings sei der Club, den durch den Bau des Stadions 35 Million Euro Verbindlichkeiten drücken, nicht in Gefahr, »weil beim HSV vernünftig gewirtschaftet wird«. Auch Banker Bandow beschwichtigte die Mitglieder: »Die Finanzsituation ist nicht bedrohlich.«

»Der HSV braucht den internationalen Wettbewerb. Es wäre fahrlässig, dieses Ziel nicht vorzugeben«, forderte Wulff vor der fast vollständig versammelten Profi-Truppe mit Trainer Kurt Jara an der Spitze. Der neue Sportchef Dietmar Beiersdorfer, der seit 100 Tagen im Amt ist und die Mitglieder mit seinem Konzept überzeugte, kündigte an: »Kurt Jara und ich sind uns einig, den Kader kleiner zu gestalten.«

Von Volker Gundrum, dpa

Wissenscommunity