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Aufstieg in die Bundesliga: Darum verzückt Darmstadt ganz Deutschland

Das Darmstadt-Wunder bewegt Deutschland - der Verein mit dem Mini-Etat spielt in der kommenden Saison in der Bundesliga. Das ist gleich aus mehreren Gründen etwas Besonderes.

Darmstadt spielt im kommenden Jahr in der Bundesliga - und feierte eine gigantische Aufstiegsparty

Darmstadt spielt im kommenden Jahr in der Bundesliga - und feierte eine gigantische Aufstiegsparty

Nach dem Aufstiegswunder verfielen sie beim SV Darmstadt 98 alle in einen kollektiven Glücksrausch. Dritte Liga, Zweite Liga, Erste Liga - der Verein hat einen märchenhaften Durchmarsch hingelegt. "Wahrscheinlich werden wir erst merken, was passiert ist, wenn uns Arjen Robben in der nächsten Saison sieben Knoten in die Beine gespielt hat", witzelte Mittelfeldspieler Florian Jungwirth. Das marode Böllenfalltor-Stadion wollen die sensationellen "Uffsteiger" für die hohen Besuche aus München, Dortmund oder Wolfsburg extra herausputzen. "Wenn der Pep (Guardiola) kommt, werden wir hier schon noch mal durchwischen", scherzte Präsident Rüdiger Fritsch.

Der Darmstadt-Aufstieg verzückt, "Bild"-Kolumnist Franz Josef Wagner schrieb: "Du bist die Sensation des Pfingstwochenendes. Nicht die Nullsängerin Ann Sophie, Du, Darmstadt, bist das Märchen."

Was den Erfolg ausmacht und warum das "Wunder von Darmstadt" so besonders ist:

1. Die Nobodys und ihr Wunder

Vor zwei Jahren stieg Darmstadt fast in die vierte Liga ab - nur weil Konkurrent Offenbach die Lizenz entzogen bekam, blieb der Club in Liga drei. Danach nahm das Wunder seinen Lauf, Trainer Dirk Schuster führte sein Team in die Relegation zur zweiten Liga, Darmstadt schlug nach spektakulären Spielen Arminia Bielefeld, und nun steht der Club in Liga Eins. Der Etat des Teams beträgt gerade einmal fünf Millionen Euro, selbst in Liga zwei waren die Darmstädter damit weit hinter der Konkurrenz. "Die Zeit" schrieb: "Gegen diesen Aufstieg war der der Paderborner vor einem Jahr Alltag."

2. Der Trainer - "Mentalität schlägt Qualität"

Darmstadts Trainer Dirk Schuster kaufte aus der Not heraus viele Spieler, die woanders gescheitert waren oder keinen Vertrag mehr bekamen. Darunter standen auch ehemalige U-Nationalspieler. Schuster gab ihnen wieder Hoffnung und vermittelte sein Credo "Mentalität schlägt Qualität". Schuster wendet zwar auch einige fragwürdige Motivationstricks an - wer beispielsweise schlecht trainiert, bekommt ein Trikot mit der Aufschrift "Tussi" und der Nummer "0" mit der Zeile "Fehleinkauf" - doch anscheinend funktioniert die Ansprache des Trainers. Das Team spielt als Team, ohne große fußballerische Highlights aber mit viel Angriffswucht und noch mehr Willen. Sinnbildlich für die Mentalität steht diese Geste der Mannschaft: Darmstadts Kapitän Aytaç Sulu bedankte sich bei der Aufstiegsfeier beim krebskrankem Fan Jonathan Heimes für die Unterstützung. "Johnny" schenkte den Spielern nach dem Aufstieg in Liga Zwei "Du musst kämpfen"-Armbänder. Sulu sagte: "Jeder hat's angehabt - jeden Tag."

Wunderbare Geste bei der #Lilien-Aufstiegsfeier in Darmstadt: SV98-Kapitän Aytaç Sulu bedankt sich bei krebskrankem Fan...

Posted by hr-online on Monday, May 25, 2015

3. Dixie-Klos am Stadion

Das Böllenfalltor-Stadion mit seinen 16.150 Plätzen ist ein Ort für Fußballromantiker. Dort sieht es aus, wie es in den 80ern in Stadien aussah. Es gibt keine Logen, 80 Prozent aller Besucher stehen, die Kabinen und sanitären Einrichtungen sehen aus wie bei jedem x-beliebigen Kreisliga-Verein, neben den Tribünen stehen Dixie-Klos, weil die übrigen Toiletten nicht ausreichen. Bei so viel Nostalgie muss man fast schon sagen: Leider ist ein Neubau an gleicher Stelle schon seit zwei Jahren in Planung. Bald könnte also auch in Darmstadt eine dieser modernen Fußball-Arenen stehen. Wann das neue Stadion kommt, steht aber in den Sternen. Bürgermeister Jochen Partsch (Grüne) versprach kürzlich die Fertigstellung bis 2018. Die kurzfristigen Auflagen der DFL für die Bundesliga sind nach Auskunft des Vereins aber erfüllbar.

4. Die schönen und ehrlichen Sprüche

"Wenn der Pep (Guardiola) kommt, werden wir hier schon nochmal durchwischen." (Präsident Rüdiger Fritsch über das Gastspiel von Bayern München in der kommenden Saison)

"Wahrscheinlich werden wir erst merken, was passiert ist, wenn uns der Arjen Robben in der nächsten Saison sieben Knoten in die Beine gespielt hat." (Mittelfeldspieler Florian Jungwirth)

"Dirk Schuster hat diesen Haufen hier zusammengestellt. Letztes Jahr waren wir Verrückte, Bekloppte und Geisteskranke, dieses Jahr werden wir vielleicht alle zu Göttern ernannt." (Stürmer und Publikumsliebling Marco Sailer)

"Wir denken nur von Feier zu Feier" (Marco Sailer vor der Mannschaftsfahrt nach Mallorca)

"Wir reißen jetzt erst mal Darmstadt ab." (Verteidiger Michael Stegmayer vor der Aufstiegsfeier)

Frage: "Herr Schuster, haben Sie heute Nacht geschlafen? Ja. Und wie lange?" Antwort: "Keine Ahnung. Ich war voll." (Fernseh-Interview des Hessischen Rundfunks während der Aufstiegsfeier mit Trainer Dirk Schuster)

feh

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