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Daum-Comeback: Hoeneß beißt sich auf die Zunge

Die Rückkehr des Selbstdarstellers Christoph Daum spaltet Fußball-Deutschland in zwei Lager. Intimfeind Uli Hoeneß, der mit seinen Aussagen die Kokain-Affäre damals ins Rollen gebracht hatte, übt sich in vieldeutigen Andeutungen.

"Er is widder do" - die Rückkehr auf die nationale Fußball-Bühne war ähnlich spektakulär wie der Abgang vor sechs Jahren. Mit einem Salto rückwärts machte Christoph Daum seinem Ruf als Selbstdarsteller erneut alle Ehre. Was in Köln als "Mission des Herzens" ("Express") und "Wunder" bezeichnet wurde, spaltet das restliche Fußball-Deutschland in zwei Lager. Zwar wollte Bayern-Manager Uli Hoeneß die Trainergroteske beim kriselnden Zweitligisten nicht kommentieren, brachte aber zwischen den Zeilen seine kritische Meinung zum Ausdruck. "Es gäbe zu dem Thema viel zu sagen. Aber ich beiße mir lieber auf die Zunge, um mich selbst zu reglementieren", sagte der Daum-Intimfeind in der "Bild".

Gut sechs Jahre nachdem der Bayern-Manager mit seinen Aussagen die Kokain-Affäre von Daum ins Rollen gebracht hatte, übernimmt Daum wieder einen deutschen Profi-Club. Ganz so, als sei er wichtiger als der Dom, sorgte sein Ja-Wort in seiner alten Heimat für jede Menge Euphorie - und eine neue, mutigere Geschäftspolitik. Beseelt von der Hoffnung auf den Beginn einer neuen Zeitrechnung stellte der FC seinem vermeintlichen Heilsbringer eine Art Blanko-Scheck aus. Manager Michael Meier, schon in Dortmund ein Befürworter für große und kostspielige Lösungen, wird möglichst schnell Geld für eine Einkaufstour locker machen: "Herr Daum will im Winter personelle Änderungen - das können und werden wir auch tun."

Daum sichtet schon den Markt

Immerhin acht Millionen Euro soll allein Daum für seinen Vertrag bis 2010 kassieren. Noch teurer dürfte der personelle Umbruch innerhalb der Mannschaft werden. Stattliche acht Punkte liegt der Ligafavorit nach acht sieglosen Spielen von einem Aufstiegsplatz entfernt. Der Handlungsbedarf ist deshalb groß: Schon kurz nach seiner Zusage sichtete Daum den Markt. Zusammen mit Jürgen Kohler beobachtete er den französischen Zweitliga-Spitzenreiter FC Metz bei dessen 2:0-Erfolg über den AC Ajaccio. "Es ist gar nicht so einfach, einen Christoph Daum in die 2. Liga zu holen", deutete Präsident Wolfgang Overath an, wie groß die Zugeständnisse des Vereins für den Fußball-Lehrer waren.

Das Comeback der Reizfigur, die im Jahr 2000 über Nacht zur Unperson geworden und angesichts der Schlagzeilen über seinen Drogenkonsum für Monate nach Florida geflüchtet war, sorgt jenseits von Köln für kontroverse Diskussionen. Allerdings scheinen die Befürworter in der Mehrzahl zu sein: "Ich freue mich, dass Christoph Daum wieder in den deutschen Fußball zurückgekehrt ist. Das wird dem FC gut tun", sagte Bundestrainer Joachim Löw. Ähnlich positiv äußerte sich Bielefelds Trainer Thomas von Heesen: "Er ist ein Top-Trainer, mit dem die Kölner das erreichen können, was sie sich vorgenommen haben." Auch HSV-Coach Thomas Doll begrüßte den Kollegen freundlich: "Das ist eine Bereicherung für den deutschen Fußball."

Mainz-Präsident ohne Verständnis

Andere sehen die Entwicklung weniger positiv. Als größter Kritiker entpuppte sich Harald Strutz. "Dass Wolfgang Overath, der im Fußball für eine ganze Generation ein Vorbild war, eine solche Entscheidung trifft, kann ich nicht verstehen. Auch wenn Daum ein guter Trainer ist, gibt es irgendwo Grenzen. Für den FSV Mainz wäre so etwas nicht denkbar gewesen", sagte der Präsident des Bundesliga-Schlusslichts.

DPA/kbe

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