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Bundesliga im stern-Check: Dem HSV ist nicht mehr zu helfen, nur in einem sind die Rothosen spitze

Der HSV hat mal wieder einen Trainer entlassen. Mit Markus Gisdol durfte der 15. Coach in zehn Jahren gehen. Die Maßnahme ändert nichts daran, dass die Dauerkrise des Klubs einen neuen Tiefpunkt erreicht hat.

HSV Heribert Bruchhagen

Der HSV-Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen stellt sich am Sonntag nach der Entlassung des Trainers den Journalisten

So liefen die Spiele

Hier finden Sie alle Ergebnisse, Tabellen und Highlights im Überblick.

Aufreger des Spieltages 

Wir widmen uns in diesem stern-Check ausnahmsweise nur dem HSV. Der ganze Klub stellt besonders für die bemitleidenswerten Fans einen chronischen Aufreger dar. Und das ist noch freundlich ausgedrückt. Egal, wie viele Trainer auch gehen, der traditionsreiche Verein kommt seit Jahren nicht aus der Dauerkrise. Fatale Management-Fehler, unruhiges Umfeld, schlechte Transfers, zu hohe Gehälter, Ablösesummen und Abfindungen, die Verschuldung und die Abhängigkeit von Geldgeber Kühne - die Gründe für den Absturz sind in den vergangenen Monaten und Jahren ausführlich beschrieben worden.

Der Dauerpatient leidet an vielen Krankheiten und jede davon kann tödlich sein bzw. den Weg in die Zweitklassigkeit bedeuten. Zu diesen Krankheiten gehören auch redselige Spieler bzw. ihre Berater. Da hat der HSV mit Jann-Fiete Arp ein riesiges Talent in seinen Reihen. Ihn zu halten, wird schwer sein. Klar. Aber wieso muss der Vater des Jungen öffentlich kundtun, dass halb Europa seinen Sohn jagt? Warum nicht einfach mal den Mund halten? Im Sinne des Klubs und des jungen Talents. Auch wenn die Äußerungen von Falko Arp nicht das größte Problem des HSV darstellen, sind sie doch typisch: Es wird zu viel geredet, das sorgt für überflüssige Debatten, die am Ende immer auf Kosten des Vereins gehen. Das gilt für Spieler, Funktionäre und Geldgeber, die sich alle auf Kosten des Klubs profilieren wollen.

Der HSV will unter Markus Gisdol den ersten Sieg der Saison einfahren

Dieses Tor sollten Sie (nochmal) sehen

Ist es Zufall, dass ausgerechnet ein Kölner eines der schönsten Tore des Spieltages schoss - und dann auch noch so ein wichtiges? Das 2:0 von Simon Terrodde entschied das Spiel gegen den HSV - und der Stürmer zeigte, warum er in den vergangenen zwei Zweitliga-Saisons zusammen 50 Tore erzielt hat. Einen eher unfreiwilligen Lupfer von Jojic verwertete er aus vollem Lauf technisch brilliant und schob den Ball dann auch noch HSV-Keeper Pollersbeck durch die Beine. Nach solchen Szenen lechzen sie in Hamburg. Zu blöd, dass es nur die Gegner sind, die so etwas derzeit im Volksparkstadion zeigen.

Verlierer des Spieltages

Das sind der Vorstandsvorsitzende und der Manager des HSV, Heribert Bruchhagen und Jens Todt. Nach einem Jahr im Amt haben sie mit Markus Gisdol ihren ersten Trainer entlassen und machen genau da weiter, wo ihre Vorgänger aufgehört haben: die Krise verwalten und Personal feuern. Eigentlich sollte es unter den beiden endlich besser werden, doch die Hoffnung hat sich vorerst in Nichts aufgelöst. Der HSV ist genauso abstiegsgefährdet wie in den Jahren zuvor auch. Ob dem neuen Coach Bernd Hollerbach die Wende gelingt, muss man abwarten.

Gewinner des Spieltages

Es ist böse Ironie, zugegeben, aber wir küren Markus Gisdol zum Gewinner des Spieltages, weil er jetzt nicht mehr für den HSV arbeitet. Der Trainer hat sich anderthalb Jahre den Arsch aufgerissen, den Abstieg verhindert, Talente gefördert, Spieler aussortiert, Ruhe gepredigt, und er ist dabei immer professionell und klar in seinen Aussagen geblieben. Das ist vielleicht die bitterste Erkenntnis: der HSV scheint unrettbar.

Bild des Tages

HSV Markus Gisdol

Markus Gisdol fährt vom HSV-Gelände


Markus Gisdol fährt in seinem Auto vom HSV-Gelände, nachdem er von seiner Entlassung erfahren hat. Zuvor hatte er sich von der Mannschaft verabschiedet und sich den Fragen der Journalisten gestellt. Das ihm die Entlassung nahe ging, soll man ihm angemerkt haben. Offensichtlich hat der Man noch an sich und die Mannschaft geglaubt. Aber die eisernen Gesetze des Fußball sind eben so. Am Ende wird immer der Trainer entlassen.  

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