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DFB-Palastrevolution?: Um "MV" wird es einsam

Trotz der fast sicheren Hitzfeld-Zusage steht DFB-Präsident Mayer-Vorfelder weiter unter Druck. Nach den Profivereinen kritisieren auch die Amateurvereine, seine bisherige Hausmacht, den selbstherrlichen Führungsstil.

Gerhard Mayer-Vorfelder gerät ungeachtet der bevorstehenden Verpflichtung von Bundestrainer-Wunschkandidat Ottmar Hitzfeld zwischen alle Fronten und möglicherweise bei den anstehenden Neuwahlen unter die Räder. Doch einen Rücktritt schließt der wegen seines Führungsstils und seiner Informationpolitik heftig kritisierte Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) kategorisch aus. "Das kommt gar nicht in Frage, wie käme ich dazu", sagte er am Mittwoch in Lissabon der dpa. Stattdessen bekräftigte der 71-jährige Verbandschef, dass er auf dem DFB-Kongress am 22./23. Oktober in Osnabrück für eine erneute dreijährige Amtszeit kandidieren werde.

Sollte Mayer-Vorfelder zurücktreten?

Pauschalkritik von der Basis

Ob er dann auch die nötigen Stimmen der Delegierten erhalten wird, ist fraglicher denn je. Denn nach den Bundesliga-Funktionären und DFB-Präsidiumsmitgliedern formulierten am Mittwoch auch die Amateur- Vertreter, Mayer-Vorfelders Basis und eigentliche Hausmacht, unverhohlen eine deutliche Pauschal-Kritik am Auftreten und an der Informationspolitik ihres Vorsitzenden. In einer Krisensitzung in Barsinghausen beschlossen die fünf Vorsitzenden der Regionalverbände, dass sie Mayer-Vorfelder bei der für Montag anberaumten Sondersitzung des zwölfköpfigen DFB-Präsidiums die Gelbe Karte zeigen werden.

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Auch hohes Hitzfeld-Gehalt wird kritisiert

"Da werden wir ihm sagen, dass wir eine partnerschaftliche Zusammenarbeit vermissen, und dass es so nicht geht", kündigte der für den Amateurbereich zuständige DFB-Vizepräsident Engelbert Nelle an, der von Mayer-Vorfelder ein deutliches Zeichen einer Kursänderung verlangt. "Die Stimmung in den Regionalverbänden ist auf dem Nullpunkt. Ich will ihn davon genau ins Bild setzen", sagte der 70 Jahre alte Präsident des Niedersächsischen und des Norddeutschen Verbandes. Die Landesverbände stören sich auch an den von Mayer- Vorfelder inzwischen bestrittenen vier Millionen Euro, die Hitzfeld als Jahresgehalt bekommen soll, sowie an der Tatsache, dass sie über die beabsichtigten Veränderungen im Grundlagenvertrag zwischen DFB und Bundesliga nicht auf dem Laufenden gehalten werden.

"MV" gibt sich gelassen

Mayer-Vorfelder zeigte sich am Mittwoch unbeeindruckt von der geballten Kritik an seiner Person. "Ich bin Stürme gewohnt. Ich fühle mich nicht vor dem Aus, und es wird auch nicht so weit kommen", prophezeite er nach der Sitzung der UEFA-Exekutive in Lissabon. Und: "Das sind Aufgeregtheiten um nichts. Ich kann jeden einzelnen Punkt widerlegen."

Vertrauensleute befremdet

Gelegenheit dazu wird er am Montag nach der Rückkehr von der EM in Portugal nach Frankfurt haben, wenn er sich dem Führungsgremium stellen muss. Selbst wenn er das Ja-Wort Hitzfelds, der weiter seine Bedenkzeit ausnutzt, dann im Gepäck haben sollte, muss er sich auf viel Kritik und Ablehnung einstellen. Das Vertrauensverhältnis zu langjährigen und engen Weggefährten wie DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt oder Liga-Chef Werner Hackmann ist schwer, vielleicht irreparabel beschädigt. Sie sind befremdet, dass sie vom DFB-Chef isoliert wurden, während in Jan Lengerke ein Mann ständig an seiner Seite und über jeden Schritt informiert war, der als persönlicher Referent von "MV" kein Mandatsträger im DFB ist. Dies habe den Anschein eines "Schattenkabinetts", hieß es aus der DFB-Zentrale.

"Ich würde es nicht anders machen", bekräftigte Mayer-Vorfelder am Mittwoch noch einmal seinen Standpunkt: "Der Präsident entscheidet nicht allein, aber er führt die Gespräche allein. Man kann nicht in Zugstärke zu Gesprächen anrücken. Da muss eine andere Atmosphäre herrschen, eine unter vier Augen." Danach habe er alle Präsidiumsmitglieder angerufen, betonte Mayer-Vorfelder: "Damit bin ich meinen Informationspflichten nachgekommen."

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