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Heidenheim hatte FCB am Abgrund: "Wild", "verrückt" und "nicht bayern-like" - die Stimmen zur irren Pokalschlacht von München

Der FC Bayern München ist gegen den FC Heidenheim glücklich ins Pokal-Halbfinale eingezogen. Ja, wirklich. Die Bayern standen zeitweise am Rande der Niederlage, verspielen zweimal die Führung und gewinnen am Ende mit 5:4. Das sagen die Verantwortlichen.

Enttäuschung bei Heidenheim, Freude beim FC Bayern im DFB-Pokal

Ein sichtlich enttäuschter Heidenheim-Kapitän Marc Schnatterer liegt am Boden, Jerome Boateng, Mats Hummels und Joshua Kimmich (v.l.) freuen sich über den sehr, sehr glücklichen Sieg des FC Bayern

Getty Images

"Es war ein wildes, ein offenes Spiel, was ich in der Form nicht mag", klagte Bayern-Trainer Niko Kovac nach Abpfiff. Ein eher kühles Resümee nach einem Spiel, das ihm eigentlich die Haare zu Berge stehen lassen müsste. Zwar musste sein Team ab der 15. Minute in Unterzahl ran, nachdem der Videoschiri eingegriffen und sich nach dem Süle-Foul für eine Notbremse ausgesprochen hatte. Dennoch sollte ein FC Bayern auch mit einem Mann weniger gegen den FC Heidenheim nicht derart ins Straucheln geraten. 1:0, 1:2, 4:2, 4:4 und letztlich 5:4, lässt sich die wahnsinnige Pokalschlacht von München zusammenfassen.

Beim Gastgeber dürfte dieses Erlebnis die Vorfreude auf das wichtigste Spiel der Saison am Samstagabend ebenfalls in der Allianz-Arena gegen Tabellenführer BVB (zwei Zähler Vorsprung) leicht dämpfen. Wie soll man Marco Reus, Jadon Sancho und Paco Alcácer aufhalten, wenn Marc Schnatterer und Robert Glatzel zusammen schon vier Tore schießen? 

"Man muss nachdenklich sein", sagte ein verstört wirkender Sportdirektor Hasan Salihamidzic nach den turbulenten 90 Minuten. Aber: "Wir sind weitergekommen, das ist das Positive". Dann richtete er bereits den Blick auf Samstag und gab die Devise aus: ""Alles andere schnell vergessen, schnell löschen."

FC Bayern: Lewandowski sucht Erklärungen

"Vielleicht hatten wir schon den Kopf beim Samstag und haben deswegen solche Probleme bekommen", suchte es Robert Lewandowski nach Erklärungen. Der Pole war der Matchwinner der Bayern. Zunächst war er leicht angeschlagen draußen geblieben, dann jedoch für James zu Pause in die Partie gekommen. Prompt leitete er die Wende ein, legte Müller das 2:2 auf und erzielte selbst das 3:2. Und auch kurz vor Schluss war er zur Stelle, als er den entscheidenden Handelfmeter zum 5:4 sicher verwandelte. "Wir haben etwas zu locker gespielt", befand er. 

"Das war nicht bayern-like", gab Nationalspieler Goretzka zu. "Wir wissen, dass wir gegen Dortmund eine ganz andere Leistung bringen müssen. Das ist das geilste Spiel der Saison, darauf wartet ganz Deutschland. Das sind ganz, ganz wichtige Punkte im Rennen um die Meisterschaft."

Kapitän Müller urteilte: "Dieses verrückte Spiel gibt so viele Möglichkeiten der Interpretation. Wir werden mehr das Positive herauspicken." Die wichtigste Interpretation aber darf dabei nicht vergessen werden: Heidenheim hat ein Wahnsinnsspiel abgeliefert. Der Zweitligist kämpfte bis zum Schluss, biss sich nach zweimaligen Rückstand zurück in die Partie, egalisierte zwischenzeitlich gar ein 2:4. 

"Es war ein Spiel für die Ewigkeit. Wir haben so geil gespielt", sagte der herausragende dreifache Torschütze Glatzel. Kurz vor dem entscheidenden Treffer für die Bayern hatte der Außenseiteer sogar die Riesenchance zum 5:4, Denis Thomalla scheiterte aber frei vor Bayern-Torwart Sven Ulreich. Heidenheims Coach Frank Schmidt war zwar hinterher sichtlich stolz auf die Leistung seiner Mannschaft, haderte aber mit der verpassten Sensation: "Nach dem 4:4 habe ich gedacht, wir gewinnen. Dann hätten wir Geschichte geschrieben."

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