VG-Wort Pixel

DFB-Pokal Die Lage bei Eintracht Frankfurt


13 Spieler, einen Trainer und einen Sportdirektor hat die Eintracht seit dem Abstieg verpflichtet. Mit aller Macht will der Club zurück ins Oberhaus. Wir werfen vor dem Pokalderby einen Blick auf die Ambitionen der Frankfurter.

Nach dem Abstieg der vergangenen Saison und einem schwierigen Start kam der Frankfurter Motor zuletzt ins Laufen. Aktuell stehen die Adlerträger als neben Düsseldorf einziges ungeschlagenes Team hinter Fürth auf dem zweiten Tabellenplatz. Heute Abend kommt es zum traditionsreichen Derby gegen den 1. FC Kaiserslautern. Im Pokal besteht die Chance ein zu erwartendes Minus in der Saisonbilanz ein wenig zu drücken.

Der Sprung zurück in die Beletage des deutschen Fußballs ist nicht leicht, weshalb im vergangenen Sommer mächtig investiert wurde. Der neu engagierte Sportdirektor Bruno Hübner und dessen Neuzugang auf der Bank Armin Veh haben nur eine Vorgabe und die lautet Wiederaufstieg. Denn im Unterschied zu den Abstiegen 1996 und 2001 als der Club große finanzielle Turbulenzen zu überstehen hatte und zu einem nicht unerheblichen Teil dank der Hilfe von Unternehmen der öffentlichen Hand überlebte, sind die Finanzen in dieser Saison nur zweitrangig.

Veh und Hübner auf großer Einkaufstour

Es ist ein Verdienst des sparsamen Vorstandsvorsitzenden Heribert Bruchhagen, dass die Eintracht nach dem überraschenden Abstieg die finanziellen Mittel parat hatte, um innerhalb weniger Wochen ein schlagkräftiges Team zusammenzustellen. Die Saison wird voraussichtlich mit einem Minus von fünf Millionen abgeschlossen. Mit einem Spieleretat an die 20 Millionen steht der Club weit über der Konkurrenz.

Der Weg zurück ist aber kein leichter. Vier Mannschaften ist der Sprung in die Eliteklasse zuzutrauen, so dass Veh im Sommer vehement auf die Verpflichtung neuer Spieler pochte. Seine Wünsche wurden weitgehend erfüllt. Dreizehn Neuzugänge verzeichnete die Bilanz bis zum Ende des Transferfensters. Hinzu kamen mit Habib Bellaid und Ümit Korkmaz zwei Leihgaben zurück an den Main.

Der Aufsichtsrat schaute dem Treiben mit einigem Unbehagen zu. Bruchhagen stand aufgrund zahlreicher Fehler im Abstiegsjahr massiv in der Kritik. Sein langes Festhalten an Michael Skibbe sowie die teure Verpflichtung von Christoph Daum erwiesen sich als Sargnägel nach einer guten Vorrunde. In der Folge beschnitten die Aufseher den Vorstandsvorsitzenden in seinen Machtkompetenzen, zwangen ihm einen Sportdirektor auf. Es war ein Kompromiss, denn es gab auch kraftvolle Stimmen, die die Ära Bruchhagen lieber beendet hätten.

Die Sehnsucht nach bekannten Werten

Hübner und Veh griffen auf dem Transfermarkt eifrig zu. Bruchhagen hatte in den Vorjahren die Parole ausgegeben junge, vor allem deutsche, wenn möglich hessische Talente zu verpflichten. Davon konnte keine Rede mehr sein. Geholt wurden vor allem Spieler, die eine gewisse Klasse verkörpern, Erfahrung besitzen, aber in ihren Möglichkeiten limitiert sind (Karim Matmour, Gordon Schildenfeld), schon bei anderen Clubs gescheitert sind (Anderson, Constant Djakpa) oder sich teilweise auf dem absteigenden Ast ihrer Karriere befinden (Rob Friend, Mohamadou Idrissou).

Diese Spieler verkörpern zumeist gehobenes Zweitligaformat. Ob sie Stützen nach einem Wiederaufstieg sein werden, müssen sie dann beweisen. Hübner geriet in die Kritik, eine Legionärstruppe zusammengekauft zu haben. Ausgerechnet der Präsident des Gesamtvereins Peter Fischer trat mit seiner Aussage "Wir brauchen wieder mehr Eintracht" in der Frankfurter Rundschau als die Speerspitze der Unzufriedenen auf.

Nicht wenigen Fans sprach Fischer damit aus der Seele. Die durch den Abstieg geschockten Anhänger hatten zudem im Sommer eine unwürdige Posse um den langjährigen Kapitän Ioannis Amanatidis miterleben müssen, der vom Hof vertrieben wurde. Außerdem waren mit Patrick Ochs und Marco Russ für teures Geld zwei weitere Identifikationsfiguren gegangen, die auch mal für das eine oder andere Widerwort gut gewesen waren.

Nach anfänglichem Stottern läuft der Motor

Im Herbst kam es außerdem zu Auseinandersetzungen mit der Stadt. Für die Nutzung der Commerzbank Arena zahlten die Frankfurter in der letzten Saison an die zehn Millionen Euro Miete. Für diese Saison wird eine Zahl zwischen sechs bis sieben Millionen erwartet. Mit dem Verweis auf andere Standorte forderte die Eintracht die Senkung der Kosten, da in anderen Städten die Clubs als Aushängeschild in der Regel weniger zahlen müssten. Der Magistrat der Metropole wies das Ansinnen aber zurück mit dem Hinweis, dass die Kredite für den Stadionbau noch nicht zurückgezahlt seien und der Steuerzahler die vertraglich vereinbarten Zahlungen der Eintracht erwarte.

Sportlich lief es jedoch wie erwartet. Dass es anfangs einige Schwierigkeiten geben würde, war zu erwarten aufgrund der hohen Zahl der Neuzugänge. Nach einigen glücklichen Siegen und Punktgewinnen (Fürth, St. Pauli, Cottbus) erarbeitete sich das Team aber in den letzten Wochen eine beachtenswerte Konstanz.  Das Gerüst des Teams bilden mit Oka Nikolov, der sich in den letzten fünfzehn Jahren gegen so manchen Neuzugang behauptete, Sebastian Jung, Pirmin Schwegler, Alexander Meier und Benjamin Köhler Spieler, die schon seit Jahren in Frankfurt kicken.

Qualität und Breite des Kaders stimmen optimistisch

Der aufgrund seines scheinbar nicht zu stillenden Hungers nach neuen Spielern ebenso kritisch beäugte Veh, musste vor allem in Innenverteidigung und Sturm investieren. Dies scheint gelungen zu sein. Besonders von der immensen Breite des Kaders profitiert er nun. Er hat je nach Spielsituation viele Varianten auf der Bank und damit in der Hand mit Wechseln entscheidend einzugreifen. Der Sturm mit Erwin Hoffer, Theofanis Gekas, Friend und Idrissou ist erstklassig besetzt.

Diese Qualität sollte am Ende stechen im heftig umkämpften Aufstiegsrennen, indem Fürth und vor allem Düsseldorf eine nicht zu unterschätzende Hürde darstellen. Beim letzten Abstieg 2005 mussten die Fans nur eine Saison der Zweitklassigkeit erleiden. Heute dürfen sie im Derby schon einmal wieder an der Bundesliga schnuppern, mehr aber nicht. Die Sehnsucht nach einem Sieg gegen den verhassten Rivalen wird auf den Rängen riesengroß sein, weil damit Hoffnung auf den nächsten Auftritt eines Erstligisten im Frankfurter Stadtwald gegeben ist.

Uwe Toebe

sportal.de sportal

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker