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Epstein-Freund Von Anfang an dem Abstieg geweiht: Neue Doku beleuchtet Prinz Andrews Niedergang

Prinz Andrew
Prinz Andrews Rolle in der Royal Family ist nach dem Tod der Queen noch unklarer als vorher
© Liam McBurney / Picture Alliance
Nach dem Tod von Queen Elizabeth II. ist Prinz Andrews Rolle in der Royal Family so unsicher wie nie. Spätestens seit seine Verbindung zum Pädophilen Jeffrey Epstein publik wurde, gilt Andrew als verhasst. Doch seine Abwärtsspirale begann schon früher. 

Unzählige Royal-Experten kamen in den vergangenen Jahren zu Wort, um Prinz Andrew zu beschreiben. Er galt als Lieblingskind der verstorbenen Queen, in jungen Jahren als Frauenheld. Doch zuletzt dachten die meisten Menschen bei Erwähnung des Royals vermutlich nur noch an seine Freundschaft mit dem Pädophilen Jeffrey Epstein und dessen verurteilte Komplizin Ghislaine Maxwell. Die US-Doku "Banished: Prince Andrew", hat sich zur Aufgabe gemacht, Andrews Leben genauer unter die Lupe zu nehmen. 

Doku über Prinz Andrew

Dabei sprachen die Macher mit einigen Royal-Experten, darunter dem ehemaligen Pressesprecher des Buckingham Palastes, Dickie Arbiter. Und der findet klare Worte über den Bruder von König Charles III.: "Ich nehme an, es gibt immer einen Schwächling im Wurf. Und Andrew ist es", erklärt Arbiter in der Doku. Andrew sei ein "Idiot", sagt Arbiter in Bezug auf das desaströse BBC-Interview des Prinzen im November 2019. 

Die Doku offenbart nicht unbedingt viele neue Details über Andrew. Dass er eine Teddybär-Sammlung hatte, war bereits vorher bekannt. Laut Paul Page, einem ehemaligen Angestellten aus dem Buckingham Palast, sei Andrew diesbezüglich äußerst penibel gewesen. Es habe genaue Anweisungen für das Personal gehabt, wie die Bären angeordnet werden sollen. Page erinnert sich außerdem daran, dass Andrew Ghislaine Maxwell mehrfach einlud und auch sonst gern Frauenbesuch empfing. 

"Wir wollten im Film so viel wie möglich von Prinz Andrew hören und haben daher hart daran gearbeitet, so viele Interview-Clips und Momente zu finden, in denen er selbst zu Wort kommt", erklärt Regisseur Jamie Crawford der "Vanity Fair". In einem solcher Clips ist ein junger Prinz Andrew zu sehen, der allen Ernstes versucht zu erklären, dass die royalen Paläste keineswegs extravagant seien. Die Doku zeigt außerdem vergangene Berichterstattung über Andrew. "Der Prinz besuchte ein neuartiges Restaurant, in dem Kellnerinnen in Schulmädchenuniformen den Gästen den Hintern versohlen", erklärt ein Moderator in einem Fernseh-Aufsager amüsiert. 

Abstieg eines Royals

In Andrews Fall sei die Vergangenheit fast wichtiger als die Gegenwart. "Oft stellt man sich vor, dass man in der zeitgenössischen Geschichte die wirklich faszinierenden Dinge findet", erklärt der Regisseur der Zeitschrift. "Tatsächlich ist [Banished] in gewisser Weise umgekehrt – es beginnt mit der zeitgenössischen Geschichte, die jeder kennt. Aber das wirklich Faszinierende an diesem Projekt ist sein Leben, das dem vorausging."

Bevor er mit Skandalen von sich reden machte, gehörte Andrew zeitweilig zu den beliebteren Royals. Als Ex-Soldat wurde er in Großbritannien sogar gefeiert. Und doch war Andrews Leben von Anfang an dem Abstieg geweiht. "Die meisten von uns streben danach, einen Job zu bekommen, irgendwann befördert zu werden, mehr Geld zu verdienen oder eine höhere Position zu erreichen. Aber Prinz Andrew hat in seinem Leben als Royal immer weniger Bedeutung erlangt", erläutert Crawford. "Als junger Mann in seinen Teenagern und Zwanzigern war er die Nummer zwei in der Thronfolge. Wäre der Königin und Prinz Charles etwas zugestoßen, wäre er König geworden, was ziemlich unglaublich und daher persönlich sehr wichtig ist. Mit der Geburt der Kinder von Charles und dann von William und Harry ist er in der königlichen Hackordnung im Laufe der Jahrzehnte nach unten gerutscht", sagt er. 

Doch Prinz Andrews Lebensstil war immer der eines wichtigen Royals. Extravagante Partys, teure Reisen – all das war dem Sohn von Queen Elizabeth II. wichtig. "Man kann die Auswirkungen eines Lebenslaufs, der auf abnehmende Bedeutung ausgerichtet ist, nicht verstehen", erklärt Royal-Expertin Tina Brown in "Banished". Mit Jeffrey Epstein hatte Prinz Andrew einen Freund an seiner Seite, dessen finanzielle Mittel schier unendlich waren. Ghislaine Maxwell verkehrte derweil in ähnlichen gesellschaftlichen Kreisen in Großbritannien. Und Prinz Andrew hatte als Royal Titel und Status. 

Wie es jetzt mit dem in Ungnade gefallenen Andrew weitergeht? Die Doku gibt diesbezügliche eine klare Einschätzung: Ohne die Queen wird Andrew noch unbedeutender. "Die Bande sind bereits gekappt", erklärt Crawford. Dass König Charles III. die Monarchie verschlanken und modernisieren will, ist bereits bekannt. Für Prinz Andrew könnte da kein Platz mehr sein. 

Quelle: "Vanity Fair"  

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