DFB-Trainer-Lizenz Pauli-Coach hat kein Verständnis für Babbel

Er befindet sich im "Stahlbad" der DFB-Trainerausbildung: St. Paulis Trainer Holger Stanislawski pendelt seit neuen Monaten zwischen Hamburg und Köln und trainiert sein Team trotzdem erfolgreich. Deshalb hat der Hamburger auch wenig Verständnis für die Diskussionen um Stuttgarts Teamchef Markus Babbel.

Irgendwie versteht Holger Stanislawski die ganze Diskussion nicht. Neuneinhalb Monate pendelt er bereits zwischen Hamburg und Köln, trainiert in der Hansestadt den Zweitligisten FC St. Pauli und baut gleichzeitig in der Domstadt seine Fußballlehrerausbildung. Ende April hat er es geschafft. Der 39-Jährige unterzieht sich genau der Belastung, die Markus Babbel beim Erstligisten VfB Stuttgart in der kommenden Saison nicht tragen will.

Seit der ehemalige Innenverteidiger Babbel beim VfB ohne gültige Trainer-Lizenz und mit einer Sondergenehmigung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) Ende 2008 Armin Veh als Verantwortlicher bei den Schwaben abgelöst hat, tobt ein Streit zwischen Verein und dem Verband über die erforderliche Ausbildung für einen Coach. Selbst ein Entgegenkommen des DFB mit mehr Blockunterricht reicht dem Ex-Nationalspieler nicht aus.

Solche Angebote hatte Stanislawski noch nicht, als er vor über neun Monaten seine Ausbildung in Köln begonnen hat, beginnen musste. Trotzdem zieht er die Geschichte durch. "Wir trainieren in der zweiten Liga nicht weniger als in der ersten. Das ist hier ebenfalls Profifußball", sagt "Stani", "wir haben es sogar noch schwerer, weil man als Zweitligist in der Regel weniger Personal im Trainerstab hat."

Freitags erst wieder auf den Trainingsplatz

Montags in aller Herrgottsfrüh setzt er sich ins Auto, um zum Lehrgangsbeginn am Mittag am Rhein zu sein. Bis Donnerstagabend ist er dann dort beschäftigt. Am Freitag steht er dann in der Regel erstmals in der Woche bei seinem Team auf dem Trainingsplatz. "Das ist ein Stahlbad, ich versuche die elf Monate unter höchster Belastung hinzubekommen", sagt er, "da denkt man auch, warum sollten andere es besser haben?"

Ohne seinen Assistenten Andre Trulsen ginge das alles überhaupt nicht. "Wir sprechen die Trainingsinhalte meist am Sonntag ab und telefonieren in der Woche mittags und abends miteinander", erzählt Stanislawski, "und wenn ich nicht da bin, ist Truller hier der Chefcoach."

Das alles funktioniert in dieser Konstellation nur mit dem richtigen Umfeld. Das Vertrauen zu Trulsen und dem weiteren Assistenztrainer Klaus-Peter Nemet ist blind. Die Führungsriege ist nicht nervös und die Spieler können mit der besonderen Situation umgehen. "Die Mannschaft braucht Charakter, sie muss sich der Situation bewusst sein, dass der Cheftrainer auch von ihr abhängig ist", weiß der Hamburger.

Oft hat es nicht funktioniert

In Wiesbaden, Ahlen, Jena und Mönchengladbach funktionierte das aus den unterschiedlichsten Gründen nicht. "Als ich angefangen habe, waren außer mir noch Christian Hock, Christian Wück, Henning Bürger und Christian Ziege in der gleichen Situation", erzählt Stanislawski, "sie haben ihren Job inzwischen verloren und die Doppelbelastung wurde dabei von manchen Klubchefs auch als Begründung benutzt."

Schon deshalb würde Stanislawski überhaupt nicht verstehen, wenn der DFB nun doch einknicken würde und im Fall Babbel eine Ausnahme machte. "Vier Kollegen haben ihren Job schon verloren, die würden sich natürlich fragen, wenn es jetzt anders wird, warum habe ich dann meinen Arbeitsplatz verloren?"

Die Signale des DFB an die künftigen Fußballlehrer allerdings sind laut Stanislawski eindeutig, da kann Babbel argumentieren, wie er will: "Es gibt klare Aussagen von DFL-Geschäftsführer Holger Hieronymus, DFB-Sportdirektor Matthias Sammer und Lehrgangsleiter Frank Wormuth, dass es keinerlei Vergünstigungen mehr gibt. Darauf verlassen wir uns."

Andreas Hardt/SID SID

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