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Kommentar: Zu schwach für den Titel

Verdiente Niederlage nach einem schwachen Finale. Die deutsche Mannschaft war gegen die Spanier klar unterlegen. Insgesamt war die gezeigte Leistung zu wenig - und zwar im gesamten Turnierverlauf.

Von Nico Stankewitz

Das Finale der EM 2008 hat Deutschland verdient gegen Spanien verloren. Es gab zwar eine Steigerung gegenüber dem Türkei-Spiel, aber gegen die ballsicheren Iberer stand das Team von Bundestrainer Jogi Löw auf verlorenem Posten. Die Ballstafetten des Gegners konnten nicht wirkungsvoll unterbunden werden, die deutsche Abwehr wirkte streckenweise völlig überfordert, nur Torwart-Oldie Jens Lehmann hielt das Finale noch lange Zeit offen.

Im Spiel nach vorne war Deutschland in diesem Finale erschreckend harmlos, konnte gegen die sichere spanische Verteidigung kaum Chancen herausspielen. Vor zwei Jahren lag die deutsche Mannschaft international betrachtet noch deutlich vor Spanien, im internationalen Vergleich ist Deutschland zurückgefallen. Nur einmal - gegen Portugal - brachte Deutschland eine Weltklasseleistung. Zu wenig für einen Titel selbst bei günstigster Auslosung.

Das Turnierfazit aus deutscher Sicht fällt gespalten aus. Zwar ist die Finalteilnahme ein Riesenerfolg, aber über weite Strecken hatte man dennoch den Eindruck, die Mannschaft spiele gehemmt, wie mit angezogener Handbremse. Dem Trainerstab ist nicht viel gelungen, die Nominierung vieler Spieler, Beispiel Odonkor, bleibt auch im Nachhinein unverständlich. Impulse von der Bank gab es im ganzen Turnierverlauf nicht, weder durch taktische Umstellungen (gab es während eines Spiels nicht), noch durch Auswechslungen (wirkungslos).

Insgesamt waren die Auftritte der deutschen Mannschaft nicht mehr so begeisternd wie beim vorherigen Turnier, die Finalteilnahme kann nicht so hoch bewertet werden wie der dritte Platz von 2006. Bedingt durch den eigenartigen Modus mit der kompletten Trennung der beiden Gruppenhälften hatten die Spanier alle anderen Mitfavoriten (Italien, Niederlande, Frankreich) außer den Portugiesen aus dem Weg geräumt. Die Katerstimmung unterstreicht wieder eine alte Weisheit: Eine Finalniederlage ist schlimmer als ein Turnierabschluss mit einem siegreichen Spiel um den dritten Platz wie bei der WM 2006.

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