Miroslav Klose Mal Zauberer, mal Zauderer


Miroslav Klose ist gesetzt im deutschen Sturm. Läuft es bei ihm, läuft es meist auch im deutschen Team. Sogar das Prädikat Weltklasse wird bemüht. Wenn nicht immer dieses Zaudern wäre, unter dem sein Spiel oft leidet. Wie stark ist Miro Klose wirklich? stern.de hat bei deutschen Stürmer-Idolen nachgefragt.
Von Martin Sonnleitner

Da waren diese zwei Szenen im Spiel gegen Polen, die die beiden Extreme des Miroslav Klose versinnbildlichen. In der 5. Minute war er allein durch. Statt eiskalt abzuschließen, haderte er für einen Moment und spielte einen holprigen Pass, den der mitgelaufene Sturmpartner Mario Gomez nicht mehr erreichen konnte. In der 20. Minute dann das Auge für den Mitspieler und das passgenaue Zuspiel auf Lukas Podolski zur 1:0-Führung.

"Miro müsste mehr Tore schießen"

Dass Deutschlands Angreifer Nummer eins ein mannschaftsdienlicher Spieler ist, wissen alle seine Trainer und Teamkollegen zu schätzen, doch schimmert immer wieder dieses gewisse Phlegma durch, das dem Stürmer auf dem Weg in die absolute Weltklasse noch im Wege steht . "Miro ist unantastbar", sagt zwar Horst Hrubesch, der Deutschland 1980 mit zwei Treffern zum EM-Titel schoss, schiebt aber hinterher: "Er müsste mehr Tore schießen." Derzeit schlagen bei Klose in 76 Länderspielen 39 Treffer zu Buche, Platz sieben in der ewigen Rangliste.

Bisweilen grandiose Phasen, die ihn wirklich als Weltklassemann auszeichneten, wechselten sich immer wieder ab mit eigenartig paralysiert wirkenden Auftritten ab, in denen Klose zwar viel für das Team schuftete, den Biss und den Willen eines Topmanns aber vermissen ließ. Am Tag nach dem Auftaktmatch gegen Polen ist er 30 Jahre alt geworden, und viele erwarten die wahre Feuertaufe bei diesem Turnier.

"Er muss mit dem Kopf durch die Wand"

Sicher, er war WM-Torschützenkönig 2006, 2002 mit ebenfalls fünf Toren Zweiter. Er ist damit der drittbeste deutsche WM-Scorer aller Zeiten. Doch reicht das aus, um in die Ruhmeshalle der deutschen Stürmerlegenden vom Schlage eines Gerd Müller, Uwe Seeler, Jürgen Klinsmann, Karl-Heinz Rummenigge oder Horst Hrubesch einzuziehen?

Auch Uwe Seeler, Ehrenspielführer der deutschen Fußballnationalmannschaft, sieht bei Klose noch "Luft nach oben". Seeler fordert: "Er muss eigennütziger werden. Es ist nicht immer dienlich, permanent für das Team zu arbeiten, als Stürmer muss man auch mal mit dem Kopf durch die Wand."

Auch in den Vereinen war Kloses Formkurve schwankend. Wegen seiner Tore zahlte der deutsche Rekordmeister Bayern München 2007 zwar 15 Millionen Euro an Werder Bremen. Dort stand er zuvor allerdings fast ein halbes Jahr komplett neben sich. In München dasselbe Schema: Nach außergewöhnlicher Hinserie fiel Klose in ein Loch und stagnierte in den Monaten vor der EM auf bescheidenem Niveau.

Dabei verfügt Klose über außergewöhnliche Anlagen. Er ist beidfüßig, schuss-, zweikampf- und laufstark und seine Kopfbälle sind spektakulär. Der Pole ist der geborene Modellathlet, zudem verfügt er über eine außergewöhnliche Spielintelligenz. So ist es wohl eher eine Kopfsache, dass es immer wieder diese phlegmatischen Momente und Phasen gibt, in denen man Klose eigentlich nur eines wünscht: ein größeres Ego.


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