Spanien - Russland Villa sorgt für erste EM-Fiesta


Was für ein Auftakt für Spanien! Die Seleccion ist mit Tempofußball und einem haushohen Sieg gegen Russland in die EM gestartet und hat eindrucksvoll ihre Titelambitionen unterstrichen. Matchwinner war allerdings nicht Superstar Fernando Torres, sondern sein kongenialer Sturmpartner David Villa.

Dreimal machte "TORero" David Villa mit dem Ball, was er wollte, dann stoppte ihn der Schiedsrichter. Nachdem der 26-jährige Stürmer Spanien mit seinem Dreierpack die erste EURO-Fiesta beschert hatte, wollte er den Ball mitnehmen. Doch der Österreicher Konrad Plautz verweigerte ihm das Souvenir. In grandiosen 90 Minuten zuvor war es im strömenden Regen von Innsbruck niemandem gelungen, den Angreifer des FC Valencia beim 4:1 (2:0)-Auftaktsieg gegen Russland aufzuhalten. Der höchste Sieg der spanischen EM-Geschichte untermauerte nicht nur die erneuten Titelambitionen des ewigen Geheimfavoriten, sondern verzückte auch das Kronprinzenpaar Felipe und Letizia auf der Tribüne.

"Ich habe drei Tore erzielt, ich bin zufrieden. Aber das Wichtigste ist, dass wir drei Punkte haben", sagte der Matchwinner, während 10.000 spanische Fans im neuen Tivoli den Klassiker "E viva Espana" anstimmten. Mit seiner Tor-Gala (20., 44. und 75.) krönte der "Wunderbare", wie ihn seine Anhänger nennen, nicht nur eine herausragende Leistung. Mit seinen Länderspieltoren 15 bis 17 verbuchte er auch den ersten EM-Dreierpack seit Patrick Kluivert (Niederlande/2000).

Trotz des phasenweise begeisternden Offensiv-Fußballs seiner Mannschaft, für die auch noch der eingewechselte Cesc Fabregas (90. +1) traf, blieb Trainer Luis Aragones zurückhaltend. "Wir sind zufrieden. Wir haben in der ersten Halbzeit aber auch ein wenig Glück gehabt", meinte der mit 69 Jahren älteste Coach der EM: "Im Endeffekt haben wir drei Punkte, in ein paar Tagen müssen wir aber wieder spielen. Hier sind die besten Mannschaften der Welt, es fehlen nur Brasilien und Argentinien."

Mit einem weiteren Erfolg am Samstag (18 Uhr) gegen Schweden könnte die Seleccion im ersten Turnier nach der Ausbootung ihres Rekordtorjägers Raul bereits den Viertelfinaleinzug praktisch perfekt machen.

Russlands Coach Guus Hiddink, der bislang mit den Niederlanden (EM 1996 und WM 1998), Südkorea (WM 2002) und Australien (WM 2006) immer die K.o.-Runde erreichte, droht dagegen das frühe Aus. "Wir waren in den entscheidenden Momenten selbst unser größter Gegner", stellte der Niederländer fest: "Bei den Toren haben wir dumme Fehler gemacht. Wir haben eine Straflektion in Sachen Konterfußball erhalten. Ich hoffe, wir lernen jetzt daraus schnell." Für die junge Sbornaja, die teilweise mit schnellem Direktspiel glänzte, aber vor dem Tor viel zu ungefährlich war, traf lediglich Roman Pawljutschenko (86.).

Geniale Zuspiele

Villa, der die Spanier mit sieben Toren in der Qualifikation zur EM geschossen hatte, profitierte vor 30.772 Zuschauern von genialen Zuspielen seiner Teamkollegen. Beim 1:0 spielte sein Sturmpartner Fernando Torres zunächst Abwehrspieler Denis Kolodin, dann Torhüter Igor Akinfejew aus und legte den Ball quer auf Villa, der ihn nur noch über die Linie drücken musste. Beim 2:0 blitzte die Genialität von Andres Iniesta auf. Der Mittelfeldstar des FC Barcelona, der zusammen mit seinem Klubkollegen Xavi die Fäden zog, spielte den Ball Villa in den Lauf. Der Valencia-Torjäger traf durch die Beine von Keeper Akinfejew. Beim dritten Tor tanzte Villa alleine seine Gegenspieler aus.

Auch ohne Fabregas, der zunächst auf der Bank sitzen musste, bestach die Seleccion mit Tempofußball auf höchstem Niveau und erzwang immer wieder hochkarätige Torchancen. Gegen die Spielstärke der Spanier setzten die Russen ihr eigenes Kombinationsspiel. Das Mittelfeld überbrückten sie schnell und zielstrebig, allerdings war am Strafraum meist Schluss. Kaum einmal geriet das Tor von Iker Casillas ernsthaft in Gefahr: Nach Zuspiel von Dimitrij Sytschew traf Konstantin Syrjanow den Pfosten (23.). Im Sturm machte sich das Fehlen von Pawel Pogrebnijak und Andrej Arschawin negativ bemerkbar.

SID SID

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