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EM 2012: Drei Fragen an die Gruppe A - Doppelte Strafe für Russland?

Das Vorgeplänkel hat ein Ende und nun wird sich zeigen, wer in der Gruppe A Haus und Hof auf das falsche Pferd gesetzt hat. Ob die Russen doppelt nach Hause fahren müssen, die Griechen bei Tschibo noch schnell einen Wecker erstehen und die Polen per Komplex durchstarten, sind die Themen der Drei Fragen.

Die Gruppe A biegt ein in die Zielgerade und alle Mannschaften haben noch die Chance, das Viertelfinale zu erreichen. Dabei haben die Russen die beste Ausgangslage, müssen jedoch eine doppelte Bestrafung fürchten. Ob die Polen ihre Komplexe besiegen und die Griechen von Alpen lernen, sind zwei der "Drei Fragen" an den Spieltag.

Werden die Russen doppelt bestraft?

"Aufgrund der Art und Weise, wie wir spielen, sind wir im Moment das beste Team bei der EM", sagte Dick Advocaat auf welt.de. Auch wenn die Ausgangslage vielversprechend ist, die Sbornaja braucht noch einen Punkt aus dem Spiel gegen die Griechen, um das Viertelfinale zu erreichen. Wirft man einen Blick in die Vergangenheit, sind die Vorzeichen als gut zu bezeichnen.

2008 gewannen die Russen mit 1:0 im zweiten Gruppenspiel, vier Jahre zuvor unterlagen die Griechen im letzten Gruppenspiel mit 1:2 – wurden trotzdem Europameister. Bei einem Punkt oder einem Sieg würde sich die Stimmungslage im Lager der Mannschaft von Advocaat in die Höhe schrauben, geht das Unterfangen schief, droht eine doppelte Bestrafung.

Denn die Fans der Mannschaft sind bisher im Verlaufe des Turniers nicht im Kollektiv als Musterschüler aufgefallen, weswegen der Verband zu einer Strafe von 120.000 Euro verdonnert wurde – zudem sprach die UEFA eine Bewährung aus. Sollten die Anhänger erneut auffällig werden, droht bei der kommenden EM-Qualifikation ein Abzug von sechs Punkten.

Mit diesem Szenario will man sich natürlich noch nicht beschäftigen, doch sollte es zu einer Niederlage plus Ausschreitungen der enttäuschten Fans kommen, ist nicht nur die EM 2012 eine Randnotiz im Reißwolf, auch die Teilnahme an der EM 2016 wäre akut gefährdet. "Jedes Team hat gegen sie Probleme", warnt daher Roman Pavlyuchenko.

Ist der Grieche kein Frühaufsteher?

"Jeder von uns muss von Beginn an hellwach sein", fordert Verteidiger José Holebas. Und damit hat der Verteidiger von Olympiakos Piräus den sprichwörtlichen Wecker auf den Kopf getroffen. Gegen die Polen klingelte es in der 17. Minute, im Spiel gegen die Tschechen war die Morgentoilette noch nicht beendet, da stand es schon 0:2.

"Nach dem schlechten Start haben wir am Ende mit Herz, aber immer noch ohne Verstand gespielt", klagte Coach Fernando Santos. Es fehlt also an einem Wachmacher sowie einer Portion Spielverständnis. Punkt eins ist leicht zu lösen, wie griechesucht auf gutefrage.net erklärte, als Userin maren2781 ein ähnliches Problem hatte und um Hilfe bat.

Fachmännisch erklärte der Grieche: Abends früher ins Bett gehen. Santos hat damit das erste Problem gelöst, aber woher den Verstand nehmen? Lapidar könnte man sagen, Sokratis ist wieder fit und vielleicht ist der Fast-Namensvetter des griechischen Philosophen in der Lage, den strukturierten Dialog einzuführen.

Den Verstand an Bord des Piratenschiffs zu holen, ist da schon abstruser, wenn auch schon erprobt – zumindest cineastisch. Denn der griechische Film "Alpen" bietet die Vorlage für ein Meisterwerk der besonderen Sorte. Dort schlüpfen vier Freunde in die Rolle von Verstorbenen, um so das Leid der Angehörigen zu lindern. Vielleicht braucht es einen Mutigen, der das Double von Theodoros Zagorakis im Mittelfeld spielt – der war immerhin bei der EM 2004 bester Spieler des Turniers.

Polen: Per Komplex ins Viertelfinale?

Die Polen neigen dazu, zu viel Wert auf die Meinung anderer Länder zu geben. "Das grenzt bei uns an Besessenheit, alles auf die Meinung der Welt über uns zu geben", erklärte die Warschauerin Marta der Deutschen Presse Agentur. "Es kommt mir manchmal wie ein großer Minderwertigkeitskomplex vor."

"Es ist eine Schande – wir werden uns blamieren! Was wird die Welt über uns sagen?", hieß es in der Medienwelt, als die Stadien noch Baustellen waren, aber schon in strahlendem Glanz hätten erscheinen sollen. "Unsere Komplexe haben ein neues Entwicklungshoch erreicht", kommentierte auch Michal Kobosko, Chefredakteur des Magazins Wprost, gegenüber der DPA.

"Überempfindlich für alles, was andere über uns sagen, reagieren wir hysterisch, wenn sie anfangen, uns zu kritisieren." Nun steht auch die Mannschaft mit dem Rücken zur Wand, denn nur ein Sieg gegen die Tschechen bringt dem Gastgeber das Ticket für die nächste Runde. Immerhin hat das Team sein Schicksal in der eigenen Hand - die Tschechen sind beileibe keine Übermannschaft.

Bei all dem Gerede über Komplexe und der Frage, wie man in der Welt gesehen wird, gibt es auch noch andere Attribute, die vielleicht für ein Happy End sorgen können. Denn die Punktlandung auf den letzten Drücker ist auch irgendwie polnisch. Einen Tag vor Beginn der EM wurde beispielsweise die Autobahn zwischen Warschau und Berlin fertig – vielleicht befindet sich ja auch die Mannschaft bald auf der Überholspur.

Gunnar Beuth

sportal.de / sportal

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