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EM 2012: Griechenland im Viertelfinale, Polen und Russland raus

Kein Land kennt sich besser mit Tragödien aus als Griechenland. In Warschau kam nun ein neues Drama dazu. Dank des Siegtors von Giorgos Karagounis gewann Hellas mit 1:0 gegen Russland - aber Karagounis wird wegen einer Fehlentscheidung gesperrt sein im Viertelfinale. Dort steht auch die Tschechische Republik, die Gastgeber Polen ausschaltete.

Wer darauf vor der EM gewettet hätte, der wäre jetzt wohl reich: Griechenland und die Tschechische Republik stehen im Viertelfinale der EM, Gastgeber Polen und Geheimfavorit Russland sind ausgeschieden. Die Mannschaft von Franciszek Smuda verlor in Breslau gegen die Tschechen mit 0:1, Wolfsburgs Petr Jiracek traf in der zweiten Halbzeit.

Derweil gewann Griechenland in Warschau gegen klar feldüberlegene Russen mit 1:0, Torschütze hier war kurz vor der Pause Giorgos Karagounis, der später an Stelle eines Elfmeters nach einem Foul von Sergei Ignashevich mit Gelb wegen Schwalbe bestraft wurde und nun in einem möglichen Viertelfinale gegen Deutschland gesperrt wäre.

Alle vier Teams konnten noch das Viertelfinale erreichen in der Gruppe A - wie auch in der deutschen Gruppe B. Mit dem Unterschied, dass die vier Mannschaften in der polnischen Gruppe viel dichter zusammenlagen, kein Land hatte sechs, keines null Punkte aus den ersten beiden Begegnungen gesammelt.

Packende, aber nicht hochklassige Spiele

So ergaben sich zwei packende und unterhaltsame Spiele. In Breslau, wo Polens Auftritt die EM für Schlesien schon wieder beendete, da keine KO-Spiele im Municipal Stadium ausgetragen werden, erschwerte ein schwerer Gewitterregen beiden Mannschaften in der ersten Halbzeit das Leben. So war ein intensiv geführtes, aber nicht all zu technisches Fußballspiel zu sehen.

In diesem begann der Gastgeber extrem druckvoll und energisch und erinnerte damit an das Auftaktspiel gegen Griechenland. Kein positiver Vergleich, und auch heute brachte das ganze Engagement am Ende nichts. Sei es, dass die Kräfte nach zahlreichen Sprints auf dem tiefen Boden schnell nachließen, sei es, dass die Tschechen ihren Plan, das Tempo und den Ballbesitz zu kontrollieren, immer besser in den Griff bekamen - jedenfalls verlagerte sich das Geschehen mehr und mehr in Richtung polnisches Tor.

Petr Jiracek auf der rechten und Vaclav Pilar auf der linken Seite, die beiden Wolfsburger, hielten lange den Ball und entlasteten so ihre Defensive nachhaltig. Eine Großchance sprang jedoch für die Tschechen nicht heraus, was ihnen aber auch egal sein konnte, da es im Parallelspiel in Warschau noch 0:0 stand, als man in Breslau in die Kabinen ging.

Karagounis, Held von Warschau

Dann jedoch erzielte Giorgos Karagounis in der Nachspielzeit der ersten Hälfte das 1:0 für Griechenland - zu diesem Zeitpunkt komplett gegen den Spielverlauf gegen die haushoch überlegenen Russen, die den Ball schön laufen ließen und durch Andrei Arshavin, Yuri Zhirkov und Aleksandr Kerzhakov zu guten Chancen gekommen waren.

Wären beide Spiele 0:0 ausgegangen, so wären Russland als Erster und die Tschechische Republik als Zweiter ins Viertelfinale eingezogen. Durch die griechische Führung standen auf einmal Russland als Erster und Griechenland als Zweiter in der KO-Runde. Aber ein einziges Tor in Breslau, egal für wen, hätte Russland aus dem Turnier geworfen.

Doch bevor dieses im Parallelspiel tatsächlich fiel, spitzten sich die Ereignisse in Warschau weiter zu, als Karagounis nach einem Foul von Sergei Ignashevich im Strafraum von Schiedsrichter Jonas Eriksson Gelb wegen Schwalbe gezeigt bekam und deshalb fürs Viertelfinale (möglicherweise gegen Deutschland) gesperrt fehlen wird. Erst die zweite krasse Fehlentscheidung des Turniers, und die zweite gegen Griechenland nach der grotesken Ampelkarte gegen Sokratis im Eröffnungsspiel.

Noch aber blieb Russland weiter im Turnier - bis Petr Jiracek im Parallelspiel nach einem Ballverlust der Polen in der Vorwärtsbewegung mit einem tollen Solo das 1:0 für die Tschechen markierte. Damit brauchte Gastgeber Polen schon zwei Tore, um noch weiterzukommen. Das sollte nicht mehr gelingen, und Polen bleibt weiter ohne Sieg in der EM-Geschichte.

Russland spielte derweil mit fünf Stürmern auf ein Tor, kam aber trotz mehr als 30 Schüssen nicht zum Ausgleich. Griechenland erreichte so in sensationeller Weise das Viertelfinale und erinnert schon jetzt an seinen Siegeszug von 2004. Schon damals war Karagounis dabei, der nun - wenn die UEFA nicht Gnade und Recht gleichzeitig gelten lässt - die Früchte seiner Arbeit nicht ernten darf.

Daniel Raecke

sportal.de / sportal

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