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Corona-Blase während der EM "Der Abschied tat weh": Nationalspieler leiden unter der Trennung von ihren Kindern

Toni Kroos nach dem Spiel gegen Portugal im Dialog mit seiner Frau Jessica
Toni Kroos nach dem Spiel gegen Portugal im Dialog mit seiner Frau Jessica
© Frank Hoermann/SVEN SIMON / Picture Alliance
Während der EM zählt nur Fußball: Die Spieler können wegen der Corona-Regeln kaum direkten Kontakt zu ihren Familien halten. Einer verpasste sogar die Geburt seines Kindes.

Eigentlich sind Joshua Kimmich, Toni Kroos und ihre Kollegen zu beneiden. Gerade erleben sie einen der Höhepunkte in der Karriere eines jeden Fußballers: ein großes internationales Turnier vor einem Millionenpublikum. Und doch machen die Nationalspieler während der Fußball-EM auch eine schwere Zeit durch, wie Kimmich nach dem 4:2-Sieg gegen Portugal etwas wehmütig durchscheinen ließ.

"Ich bin ein Familienmensch", sagte der 26-Jährige, Vater von zwei kleinen Kindern. Diese kann er im Moment nur ganz selten sehen: Während großer Turniere bleibt die Mannschaft meist ohnehin unter sich, aufgrund der strengen Corona-Vorsichtsmaßnahmen sind Familienbesuche im Mannschaftsquartier bei dieser Europameisterschaft gar nicht möglich. Lediglich nach den Spielen im Stadion können die Spieler ihre Partnerinnen und Kinder sehen. So kam es nach dem Portugal-Spiel zu rührenden Szenen im Stadion.

DFB-Spieler seit drei Wochen von Familien getrennt

"Das geht an der freien Natur. Alle sind getestet, alle haben Masken auf. Das war ja alles corona-konform", sagte Kimmich. Der fehlende direkte Kontakt zu seiner Familie geht ihm an die Substanz. Am 28. Mai zogen sich die DFB-Spieler zur EM-Vorbereitung ins Trainingslager zurück – und damit auch in ihre eigene Blase, um vor möglichen Infektionen geschützt zu sein. "Der Abschied tat weh", gibt Kimmich zu. "Jetzt sind es drei Wochen. Natürlich gibt es heutzutage Facetime und all das drum und dran. Aber es ist schon schwierig. Die eigenen Kinder, die Familie, die vermisst man schon."

Im deutschen Nationalteam gibt es noch einige weitere Familienväter wie Toni Kroos, Antonio Rüdiger oder Mats Hummels. Kroos unterhielt sich nach dem Portugal-Spiel lange mit seiner Frau und seinem Sohn. Hummels hatte schon nach seinem Eigentor im ersten Gruppenspiel gegen Frankreich eine Anekdote von Sohn Ludwig erzählt: "Er weiß zum Glück noch nicht, was ein Eigentor ist. Er denkt: Ball im Netz ist immer richtig", so Hummels in der "Bild". "Mir wurde zugetragen, dass er gejubelt hat. Das werde ich ihm wohl noch beibringen müssen."

Yann Sommer verpasst Geburt seines Kindes

Andere Profis mussten ihre hochschwangeren Frauen alleine lassen, um zur Europameisterschaft zu reisen. Yann Sommer, Schweizer Torwart von Borussia Mönchengladbach, verpasste so einen der wichtigsten Momente im Leben eines Vaters: die Geburt seines Kindes. Zwar hatte Sommer von Nationaltrainer Vladimir Petkovic die Erlaubnis bekommen, direkt nach dem Spiel gegen Italien von Rom nach Deutschland zu reisen. Doch der Keeper kam zu spät, Töchterchen Nayla war schon geboren. "Natürlich habe ich mir gewünscht, dass ich es rechtzeitig schaffe", sagte der 32-Jährige, fügte aber sofort an: "Für mich hat die Freude überwogen, als ich ins Krankenhaus kam. Dann war die andere Sache schon vergessen."

Spieler, die noch keine Väter sind,  haben da andere Maßstäbe. "Ich hab‘ noch keine Kinder – aber ich stell mir das gleich schön vor wie Kinder kriegen", jubelte Österreichs Stürmer Michael Gregoritsch, nachdem er mit seinem Tor gegen Nordmazedonien entscheidend daran beteiligt gewesen war, dass sein Land den ersten EM-Sieg seiner Geschichte einfahren konnte. Und auch für Joshua Kimmich steht erstmal der sportliche Erfolg im Vordergrund. "Ich hoffe, dass ich sie noch ein paar Wochen vermissen werde", sagte er nach dem Portugal-Spiel. Denn das würde bedeuten, dass die DFB-Mannschaft im Turnier ganz weit kommen würde.

Quellen: "Blick" / "Bild" / DPA

epp

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