EM-Quali gegen Schottland Kahn und Völler appellieren an die Ehre


"Jeder Spieler muss kapieren, warum er es verdient hat, geboren worden zu sein." Mit drastischen Worten versucht Völler seine Spieler für das "wichtigste Spiel des Jahres" (Beckenbauer) am Mittwoch gegen Schottland zu motivieren.

Mit einem flammenden Appell an die Ehre hat Rudi Völler seine verunsicherten Nationalspieler auf die Stunde der Wahrheit gegen Schottland eingeschworen. Nach dem Schock über die erneute Verletzung von Sebastian Deisler schob der Teamchef alle personellen und taktischen Dinge zur Seite und beschwor am Dienstag auf zuvor nie erlebte Art den Geist des Ukraine-Spiels, als vor knapp zwei Jahren ebenfalls im Westfalenstadion mit einem denkwürdigen 4:1 das Ticket zur Weltmeisterschaft in Asien gelöst wurde. "Absolutes Herzblut ist angesagt", betonte ein erneut emotionaler Völler, der nach seinem Gefühlsausbruch in Island mit weiteren übersteigerten Beschwörungen förmlich zum letzten Mittel greift: "Jeder Spieler muss kapieren, warum er es verdient hat, geboren worden zu sein."

Enormer Erwartungsdruck

Völler weiß genau, dass er mit seiner weiterhin viel diskutierten Brandrede letztmals ein Schutzmäntelchen über sein Team ausbreiten konnte. Obwohl rein von der Tabellenkonstellation her auch ein Remis gegen die Mannschaft von Ex-Bundesträger Berti Vogts noch alle Chancen auf Platz eins und die Direkt-Qualifikation für die EM- Endrunde 2004 erhalten würde, erwarten die 66 000 Fans in Dortmund vom Vizeweltmeister einfach einen offensiven, auf Sieg ausgerichteten Auftritt. «Ihr glaubt gar nicht, was ich hergeben würde, hier nochmals aufzulaufen. Das ist nicht mit Geld zu bezahlen», sagte Völler und wies auf Parallelen zum Ukraine-Krimi im November 2001 hin.

Deisler wieder verletzt

In einem Interview mit der dpa beschwor Kapitän Kahn die Mannschaft, Einsatzbereitschaft und Motivation nicht zum Allheilmittel zu machen. "Grundvoraussetzung sind Aufstellung und Taktik", betonte der Torhüter, der deshalb besonders den Ausfall von Deisler bedauerte. Er hatte sich im Training einen Muskelfaserris zugezogen und ist inzwischen zur Behandlung nach München abgereist.

Soll Lauth ins Team kommen?

Völler hat inzwischen solche Presonalprobleme, so dass er sogar öffentlich darüber nachdachte, "Löwen"-Stürmer Benjamin Lauth von der "U 21" zurückzuholen. Ein Fragezeichen bleibt bis zum Anpfiff des schwedischen Schiedsrichters Anders Frisk hinter der nötigen Fitness der beiden Leverkusener Carsten Ramelow (Oberschenkelprellung) und Oliver Neuville (Hüftprobleme).

Trotz Personalnot sei die Moral intakt

Im Sturm soll nach zwei Partien ohne Treffer der ehemalige Dortmunder Fredi Bobic gegen die Schotten den Torbann brechen. "Rudi Völler weiß, was er an mir hat, was ich rüber bringe. Ich bringe mich ein wie immer - dann wird er mich auch aufstellen", reklamierte der Berliner einen Startplatz für sich. Ansonsten stellt sich die Mannschaft, zu der nur noch 16 Feldspieler gehören, inzwischen praktisch von selbst auf. Bis auf wenige Ausnahmen müssen im laut Franz Beckenbauer "wichtigsten Spiel des Jahres" die Versager von Island wieder ran. Völler setzt nach intensiven Gesprächen im Quartier und auf dem Trainingsplatz auf eine Steigerung durch Selbstkritik: «Die Moral ist intakt. Die Mannschaft brennt und will es allen beweisen.»

Westfalenstadion gutes Pflaster für DFB-Team

Sein Wutausbruch wurde intern von der Themenliste gestrichen. "Das war in Ordnung, aber irgendwann muss ein Schlusspunkt sein. Wir müssen aufpassen, dass der Druck nicht zu groß wird", wollte er auch sich selbst nicht mehr mit der Thematik beschäftigen, obwohl er im Westfalenstadion seinen Kritikern wie Günter Netzer wieder gegenüber treten muss. In der BVB-Heimstätte hat Völler aber eine gute Aussicht darauf, dass es ein erfreulicher Abend für ihn wird. Denn in Dortmund hat eine deutsche Nationalmannschaft noch nie ein Länderspiel verloren, sondern zuletzt in wichtigen Spielen die Gegner Ukraine (4:1), Nordirland (4:0), Armenien (4:0) und Finnland (6:1) mit der Unterstützung der Fans vom Platz gefegt.

DPA

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