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Erkenntnisse zum Bundesliga-Start: Darum hat der Pott verpennt

Der Ball rollt wieder in der Bundesliga. Die Bayern verbreiten schon wieder Angst, weil sie schlecht spielen und trotzdem gewinnen. Schalke und Dortmund scheitern an mentalen Problemen.

Als die ersten 90 Bundesliga-Minuten dieser Saison längst vergangenen waren, als die Spieler geduscht hatten und die Fans schon wieder in der Bahn nach Hause saßen - da fielen in den Interview-Zonen der Bundesliga-Stadien viele unterschiedliche Sätze, die alle die gleiche Botschaft hatten: Ja, der Ball rollt wieder - aber so richtig aussagekräftig? Das war er nicht, der erste Spieltag.

Stellvertretend klang das dann selbst bei den siegreichen Bayern so: "Auftaktspiele sind immer komisch" (Arjen Robben), "Am Anfang einer Spielzeit läuft noch nicht alles rund" (Thomas Müller). Schon klar, der erste Spieltag hat begrenzte Aussagekraft. Doch so ganze ohne Erkenntnisse lief die Bundesliga-Premiere der Saison 2014/2015 natürlich doch nicht ab. Das hier sind die drei wichtigsten Erkenntnisse des ersten Spieltags.

1. Revierclubs mental schlecht vorbereitet

"Fehlstart im Pott" titelt der "kicker" an diesem Montag. In Dortmund und Schalke hatte man sich den Bundesliga-Auftakt anders vorgestellt. Der BVB ließ sich von Bayer Leverkusen überrennen, war ungewohnt unsicher im Spielaufbau und fand nie zu seinem energievollen Spiel. Schalke führte sogar gegen Hannover, doch dann verließ Jens Kellers Team wie schon im DFB-Pokal die Konzentration, die Folge waren zwei Gegentore nach Kontern.

Die Erkenntnis: Die Revierclubs waren mental schlecht auf den Start vorbereitet. In Gelsenkirchen kennt man die Kopf-Problematik seit Jahren, vor einer Woche führte der Schlendrian bereits zum Pokal-Aus gegen Dresden. Beim BVB sind Mentalität und Wille eigentlich immer die großen Stärken. Dortmunds Trainer Jürgen Klopp erkannte das Problem auch schnell und sagte: "Wir waren nicht wach. Den Schuh zieh ich mir an, denn für die Einstellung bin ich zuständig. Der Start war so schlecht, denn können die Jungs nicht allein verbockt haben."

2. Im Mittelfeld der Tabelle wird es eng zugehen

Nur eine Minute hat gefehlt und der größte Außenseiter der Bundesliga hätte bereits die ersten drei Punkte ergattert. Der SC Paderborn kassierte gegen Mainz erst mit der letzten Aktion den Ausgleich. Auch der vermeintlich kleine SC Paderborn ist also nicht weit weg von Mittelklasseteams wie den Mainzern. In Berlin spielte 50 Minuten fast nur die Hertha, ehe Werder durch einen Doppelschlag zurückkam und ausglich. Das Spiel zeigt: Es reichen Kleinigkeiten, um für eine ausgeglichene Partie zu sorgen. In Frankfurt reichte eine Kleinigkeit dagegen für drei Punkte. Neuzugang Seferovic erzielte das Tor des Tages, Freiburg war auf Augenhöhe, hätte einen Punkt verdient gehabt.

Im Mittelfeld der Tabelle dürfte es daher eng zugehen. Jeder kann jeden schlagen, selbst der SC Paderborn ist nicht außen vor. Das bedeutet zugleich: Jeder der potenziellen Kandidaten fürs Bundesliga-Mittelfeld kann schnell zum Abstiegskandidaten werden.

3. Die Bayern beeindrucken - trotz Fitness-Problemen

Schon vor Wochen warnte Pep Guardiola, sein Team werde bis zur Winterpause Probleme haben. Gegen Wolfsburg war dann in der Tat zu erkennen, dass die Münchner noch einige Wochen bis zur Topform brauchen. Ab der 70. Minute fehlten merklich die Kräfte. Man kann sich kaum erinnern, jemals einen langsamen Philipp Lahm gesehen zu haben - doch am Freitag hechelte der Bayern-Kapitän Wolfsburgs (eingewechseltem) Daniel Caligiuri in einigen Szenen hinterher. Da konnte jeder sehen: Die Bayern sind noch nicht da, wo sie hinwollen. Umso beeindruckender allerdings, dass es trotzdem zum verdienten Sieg reichte. "Wir sind halt auch Fighter", sagte Thomas Müller nach dem Spiel. Das macht der Liga vielleicht mehr Angst als es ein beeindruckender Sieg getan hätte.

feh

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