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Europa League Gladbach verballert Chancen und patzt - Dost-Burg jubelt


Sie haben sich Chancen erarbeitet - bloß ein Tor wollte einfach nicht fallen: Die Gladbacher haben in Sevilla verloren. Immerhin beim Titelverteidiger und Angstgegner der deutschen Mannschaften.

Borussia Mönchengladbach hat den Fluch deutscher Mannschaften im Stadion des FC Sevilla nicht vertreiben können. Der Tabellendritte der Fußball-Bundesliga kassierte trotz Chancen und phasenweise deutlich mehr Spielanteilen am Donnerstag im Estadio Ramón Sánchez Pizjuán gegen den Europa-League-Titelverteidiger ein 0:1 (0:0). Das Tor vor etwa 25.000 Zuschauern erzielte Vicente Iborra in der 70. Minute.

Die Andalusier blieben damit im zehnten Europapokal-Heimspiel gegen ein deutsches Team ungeschlagen. Mönchengladbach muss nun im Rückspiel am kommenden Donnerstag mindestens zwei Tore mehr schießen als Sevilla, um ohne das Vabanquespiel Elfmeterschießen doch noch das Achtelfinale zu erreichen.

Lucien Favre mischte gut durch

Dabei sah alles zunächst gut aus für die Gäste. Borussen-Trainer Lucien Favre war seiner Rochade auch auf internationaler Bühne treu geblieben und brachte im Vergleich zum 1:0 im rheinischen Bundesliga-Derby gegen den 1. FC Köln gleich fünf neue Akteure. Dass sich das nicht auszahlte in den teilweise überlegenen ersten 45 Minuten, lag nur an Sevillas Keeper Sergio Rico, 21 Jahre jung und eigentlich nur Ersatzmann. Da Stammkeeper Antonio "Beto" Bastos wegen einer Schulterverletzung insgesamt zehn Wochen und damit auch im Rückspiel ausfällt, bekam Rico die Bewährungschance. Und löste sie zum Leidwesen der Borussen mit Bravour.

In der 20. Minute entschärfte er einen strammen Schuss von Weltmeister Christoph Kramer aus rund 16 Metern. Den Bilderbuch-Rückpass an die Strafraumgrenze hatte der neu in die Startelf gerückte Fabian Johnson geleistet. Gegen die etwas unorthodox spielenden und taktisch schwer einzuordnenden Andalusier, die mal mit drei, vier Spielern frühzeitig attackierten, kurz danach aber rund 30 Meter vorm eigenen Tor alles zu verriegeln versuchten, behielten die Borussen ihre Ordnung bei.

Sie spielten flach und schnell den Ball aus der eigenen Abwehr. Und bei den wenigen sich bietenden Torgelegenheiten versuchten sie zuzuschlagen. So wie in der 33. Minute: Raffael legte Johnson durch die Abwehrkette von Sevilla durch in den Lauf. Der zögerte nicht lange und zog mit rechts ab, nur war erneut Sevilla-Keeper Rico nicht zu überwinden. "Das war ein genialer Spielzug", lobte Gladbachs Vizepräsident Rainer Bonhof.

Oscar Wendt patzt bei der besten Chance

Auf der Gegenseite musste Yann Sommer zunächst keinen einzigen Schuss aufs Tor parieren, sämtliche fünf Versuche der Gastgeber gingen daneben. Ungefährlich waren die Südspanier deswegen aber keineswegs mit ihrer Kontertaktik. An den Spielverhältnissen - 1. Halbzeit: 61 Prozent Ballbesitz für Gladbach - änderte sich auch nach dem Seitenwechsel kaum etwas. Auch an den Chancen vorerst nicht: die beste bis dahin versemmelte Oscar Wendt aus fünf Metern.

Freistehend holte er weit aus, zielte aber auch etwa zwei Meter am langen Pfosten vorbei. Sieben Minuten später musste Sommer dann erstmals auf der Linie eingreifen, beim Kopfball von Carlos Bacca hatte er aber keine Probleme. Allerdings deuteten sich bereits zu diesem Zeitpunkt Schwierigkeiten auf der linken Abwehrseite der Gäste an, über die auch der Siegtreffer vorbereitet wurde. In der Mitte schob Iborra den Ball unhaltbar für Sommer ins Eck. Gladbach bemühte sich zwar um den Ausgleich, hatte aber eher Glück, nicht noch ein zweites Tor zu kassieren.

Serien-Torschütze Bas Dost ist für den VfL Wolfsburg derzeit Gold wert. Dank der zwei Treffer des Niederländers zum 2:0 (0:0)-Sieg gegen Sporting Lissabon hat der Tabellenzweite der Fußball-Bundesliga beste Chancen auf das Erreichen des Achtelfinales der Europa League. Mit dem Doppelpack (46. Minute/63.) schraubte der Niederländer am Donnerstag im Zwischenrunden-Hinspiel seine Bilanz in diesem Jahr auf neun Pflichtspieltreffer - und das fünf Tage nach seiner Vier-Tore-Gala beim 5:4-Spektakel in Leverkusen.

Vor nur 19.207 Zuschauern kassierte Sporting beim elften Europacup-Auftritt in Deutschland die zehnte Niederlage. In einer Woche können die Wolfsburger beim 18-maligen portugiesischen Meister alles klar machen.

Dann dürfen auch Luiz Gustavo und Josuha Guilavogui wieder im defensiven Mittelfeld aufräumen, die diesmal gesperrt fehlten. Trotz der Abwehrschwächen in Leverkusen am vergangenen Wochenende nominierte Coach Dieter Hecking als Vertreter am Donnerstag nur einen "Sechser": Christian Träsch. Für den früheren Nationalspieler war es der erst fünfte Saisoneinsatz. Dafür erhielt der zuletzt starke Maximilian Arnold zunächst überraschend eine Pause, musste dann aber bereits in der 41. Minute für Aaron Hunt einspringen, der seine seltene Chance in der Startelf wegen einer frühen Knieblessur nicht nutzen konnte.

Wölfe vor der Pause im Glück

Gegen Sporting büßten die Wolfsburger trotz der Umstellungen nichts von ihrer Offensivstärke ein. Nach 16 Minuten hatte André Schürrle die erste Chance des Spiels, nachdem er durch Kevin De Bruynes Steilpass klasse frei gespielt worden war. Nationalkeeper Rui Patricio reagierte aber stark. Nur drei Minuten später hätte Paulo Oliveira eine Hereingabe von Rechtsverteidiger Sebastian Jung fast ins eigene Tor gelenkt.

Die spielstarken Gäste setzten vor allem auf Konter und fanden dabei so manche Lücke in der VfL-Abwehr. In der 34. Minute tauchte plötzlich André Carillo frei vor Wolfsburgs Schlussmann Diego Benaglio auf, schoss jedoch knapp am linken Pfosten vorbei. Kurz vor der Pause hatten die Hausherren dann erneut Glück, als der israelische Referee Alon Yefet ein Handspiel von Vieirinha im Strafraum übersah. "Wir können es sicher besser machen, aber müssen sehr viel Geduld haben", mahnte VfL-Manager Klaus Allofs.

Chance zum Hattrick

Das Warten war dann aber schon wenige Sekunden nach der Pause vorbei. Naldo eroberte den Ball und bediente Dost perfekt, der Niederländer vollstreckte sicher zur Führung. Danach hielten die Gastgeber in der nur zur Hälfte gefüllten Arena den Druck hoch. Dost schlampte bei einem Kopfball aus kurzer Distanz, de Bruyne scheiterte an Rui Patricio (55.). Als dann de Bruyne wunderbar die Nahtstelle der Sporting-Abwehr fand, musste Dost nur den Fuß hinhalten - 2:0.

In der 69. Minute hätte Dost den Hattrick perfekt machen können, kam aber mit seinem Schuss aus elf Metern nicht am Gäste-Keeper vorbei. Auch Schürrle fand zehn Minuten später wieder in Rui Patricio seinen Meister, der damit zumindest die kleine Hoffnung der Portugiesen auf ein Weiterkommen am Leben hielt.

jen/kng/DPA DPA

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