Fall Amerell Schiedsrichter Kempter verrät intime Details


Schiedsrichter Michael Kempter hat in mehreren Interviews seine Vorwürfe gegen Ex-Schiedsrichter-Sprecher Manfred Amerell erneuert. Erstmals spricht Kempter über das Ausmaß der Belästigung. Unter anderem habe Amerell seine Hand in Kempters Hose gezwängt.

Schiedsrichter Michael Kempter hat in mehreren Interviews die Vorwürfe der sexuellen Belästigung durch den ehemaligen DFB-Funktionär Manfred Amerell erneuert. Der 27-Jährige erklärte zudem, warum er sich erst nach einiger Zeit an Verantwortliche beim Deutschen Fußball-Bund wandte und zuvor nichts gesagt hatte. "Ich hatte einfach Angst um meine Karriere als Schiedsrichter. Und ich habe mich geschämt. Ich habe versucht, es zu verdrängen, aber es kam immer wieder hoch. Und als ich gemerkt habe, dass es noch mehrere Fälle gibt, habe ich mich durchgerungen, etwas zu sagen", sagte Kempter der "Bild"-Zeitung. Amerell, der vor seinem Rücktritt von allen Ämtern Mitglied im Schiedsrichter-Ausschuss des DFB gewesen war, bestreitet alle Vorwürfe.

Die Ernennung zum FIFA-Schiedsrichter im vergangenen Dezember als Nachfolger von Herbert Fandel sei nicht entscheidend gewesen für seinen Schritt, sagte Kempter. Amerell, so sagte Kempter weiter, "hat seine Macht ausgenutzt und mir gedroht. Er sagte mir, das könnte für mich Auswirkungen auf meine Ansetzungen als Schiedsrichter haben". Am Am 17. Dezember ging Kempter zum Vorsitzenden des Schiedsrichter- Ausschusses, Volker Roth.

"Es war ein schleichender Prozess"

Kempter schilderte gegenüber "Bild" auch, wie der Prozess der Annäherung von Amerell abgelaufen sei. "Es war ein schleichender Prozess. Amarell hat über Jahre hinweg Vertrauen geschaffen, und dann ging es irgendwann los. Erst nur mit Handauflegen - und dann wanderte die Hand immer weiter, in die Hose, in den Genitalbereich. Er hat mich auch auf den Mund geküsst." Der junge Unparteiische aus Sauldorf legte bis dato eine Karriere im Eiltempo hin. Mit 23 Jahren absolvierte Kempter im August 2006 als jüngster Bundesliga-Schiedsrichter sein Debüt.

Ex-Schiedsrichter Amerell hat all seine Ämter im DFB niedergelegt. Er bestreitet die Vorwürfe der sexuellen Belästigung. In einer Mitteilung hatte er am 12. Februar gesagt, "tief betroffen und schockiert" zu sein von den Vorwürfen. "Ich habe in der Vergangenheit zu keinem Zeitpunkt einen jungen Bundesliga-Schiedsrichter sexuell belästigt", schrieb der 62-Jährige. Amerell erklärte, dass sich aus den "zunächst rein sportlichen Kontakten" im Laufe der Zeit auch eine intensive private Freundschaft mit Kempter entwickelt habe. "Größten Wert lege ich dabei auf die Feststellung", dass er ihn "zu keinem Zeitpunkt gegen seinen Willen zu dieser freundschaftlichen Beziehung gezwungen habe".

"Es gibt für mich nichts Größeres als die Schiedsrichterei"

In der vergangenen Woche hatte Amerell betont, dass er in seiner Position Schiedsrichter, die in der 3. oder der 2. Liga pfeifen und in die Bundesliga wollten, nicht dorthin habe befördern können. "Das ist keine Entscheidung von Manfred Amerell, zu sagen, der kommt hoch und der nicht", sagte er über sich selbst.

Beim Deutschen Sportfernsehen DSF meinte Kempter indes, dass "auf alle Fälle" die Abhängigkeit vorhanden gewesen sei. "Er hat die Ansetzungen in der Regionalliga gemacht und ich war abhängig davon, dass ich von ihm Spiele bekomme", sagte er. "Mir wurde schon auch mal gedroht, dass manches Auswirkungen auf die Ansetzungen haben kann und da war ich schon immer eingeschüchtert."

Eine mündliche Verhandlung am 4. März könnte Klärung in dem Fall bringen. Das Münchner Landgericht I wird dann über den Verfügungsantrag Amerells gegen den DFB auf zukünftige Unterlassung einzelner Behauptungen, die der DFB im Rahmen einer Pressemitteilung getätigt hatte, verhandeln.

Angst vor der Rückkehr auf den Fußballplatz als Schiedsrichter hat Kempter nicht. "Ich hoffe, dass es so schnell wie möglich weitergeht. Es gibt für mich nichts Größeres als die Schiedsrichterei", sagte er der "Frankfurter Rundschau" und der "Berliner Zeitung".

DPA/feh


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