Freundschaftsspiel Rudis Not-Elf verliert gegen Italien


Italiens magisches Dreieck um Alessandro del Piero war in der ersten Halbzeit nicht zu stoppen. In der zweiten Halbzeit hielt die deutsche Nationnalmannschaft tapfer dagegen.

Auch beim Start in die Europameisterschafts-Saison hat die deutsche Nationalmannschaft ihre "schwarze Serie" gegen die Großen des Fußballs nicht beenden können. Beim unglücklichen 0:1 (0:1) gegen Italien misslang der Elf von Rudi Völler am Mittwoch in Stuttgart erneut der Versuch, die drei Jahre dauernde Misserfolgsserie gegen Teams aus den Top Ten zu durchbrechen. Allerdings machte die engagierte Vorstellung in der letzten halben Stunde vor 50 328 Zuschauer im Gottlieb-Daimler-Stadion Mut für die anstehenden Aufgaben in der EM-Qualifikation am 6. September in Reykjavik gegen den neuen Tabellenführer Island (2:1 gegen Färöer) und vier Tage später in Dortmund gegen Schottland. In den ersten 45 Minuten machte die deutsche Verlegenheits-Elf gegen die abgebrühten «Azzurri» allerdings einen konfusen Eindruck und war mit dem einen Gegentreffer durch Christian Vieri (17.) noch gut bedient.

Initialzündung mit Klose

Doch die Hereinnahme von Miroslav Klose nach einer Stunde Spielzeit erwies sich als Initialzündung für die bis dahin ideenlos agierende deutsche Mannschaft, die sich nun auch Chancen erspielte. In der 61. Minute "kratzte" Christian Panucci einen Schuss des Lauterers von der Torlinie, 60 Sekunden später verhinderte Gianluigi Buffon gegen Klose den Ausgleich. Schließlich traf Jens Jeremies (73.) mit einem 20 m-Kracher den Pfosten des italienischen Tores. Zwei Minuten später forderte Klose nach einem Zusammenprall im Strafraum der Gäste vergeblich Elfmeter.

Bis zur 60. Minute hatte es der nach den Absagen zahlreicher Stammkräfte wieder einmal zur Notgemeinschaft gewordene deutsche Elf gegen die als Meister der Effektivität auftretenden Italiener an Kreativität und Spielverständnis gefehlt. Durch zahlreiche Fehlpässe und Ungenauigkeiten im Aufbau brachte sich das Team, das in dieser Besetzung wohl nie wieder auflaufen wird, immer wieder um die Früchte von Einsatz und Engagement. Als größtes Handicap erwies sich das Fehlen des an der Wade verletzten Michael Ballack, der nicht gleichwertig ersetzt werden konnte. Das spielerische Manko konnten auch Paul Freier und Bernd Schneider nicht beheben.

Italiens magisches Dreieck

Dem munteren Treiben von Italiens "magischem Dreieck" mit Alessandro del Piero, Francesco Totti und Vieri stand die deutsche Abwehr meist machtlos gegenüber. Dabei erwies sich einmal mehr, dass Frank Baumann der Innenverteidigung keine Stabilität verleihen kann. Angesichts der Unsicherheiten in der Defensive hatte auch Andreas Hinkel, der erstmals von Beginn an im Nationaltrikot zum Einsatz kam und gleich gegen einen Weltklasse-Stürmer wie del Piero spielen musste, vor heimischer Stuttgarter Kulisse einen schweren Stand. In vorderster Front blieben Oliver Neuville und Fredi Bobic bis zu seiner Auswechslung gegen die robuste Hintermannschaft der "Azzurri" ohne Chance.

Ohne Respekt vor den großen Namen des Gegners hatte das deutsche Team zunächst engagiert nach vorne, dabei aber häufig übereifrig gewirkt. Paul Freier (4.) mit einem von Buffon zur Ecke abgewehrten 20 m-Freistoß besaß die erste Chance, doch dann nutzten die «Azzurri» gleich ihre erste Möglichkeit mit einem Schuss Genialität aus. Ein Doppelpass zwischen Totti und Vieri hebelte die deutsche Abwehr aus und der Angreifer von Inter Mailand ließ Oliver Kahn aus zwölf Metern keine Chance.

Abseits von del Piero

Nur sechs Minuten nach dem 0:1 folgte der nächste Auftritt des "magischen Dreiecks", das erstmals seit der WM-Schmach 2002 gegen Südkorea wieder gemeinsam im Nationaltrikot wirbelte. Doch erkannte der dänische Schiedsrichter Kim-Milton Nielsen den Treffer von del Piero wegen Abseitsstellung nicht an. Die Gelegenheit zum schnellen Ausgleich verpasste Freier (24.), der von Bobic mustergültig freigespielt weit über das italienische Tor schoss.

Die "Azzurri", die sich noch mitten in der Vorbereitung auf die Saison befinden, diktierten auch in der Folgezeit das Geschehen, ohne dabei spielerische Glanzlichter zu setzen. Sekunden vor der Halbzeit verhinderte Kahn bei einem Flachschuss von Totti weiteren Flurschaden. Mit Sebastian Kehl und Marko Rehmer brachte Völler mit Wiederbeginn zwei frische Defensivkräfte aufs Feld. Mit einem Fehler, den Vieri (58.) um ein Haar zum zweiten Tor genutzt hätte, führte sich Kehl nicht gerade gut ein. Rehmer konnte den Schnitzer aber im letzten Moment ausbügeln.

Oliver Hartmann und Jens Mende DPA

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