HOME

FUSSBALL: »Wer weiß, wie wertvoll dieser Punkt noch sein kann«

Gegen Finnland stand Rudi Völler kurz vor seiner ersten Niederlage als Bundestrainer. Im Interview analysiert er professionell und sachlich was im DFB-Team nicht gestimmt hat.

Gegen Finnland stand Rudi Völler kurz vor seiner ersten Niederlage als Bundestrainer. Im Interview analysiert er professionell und sachlich was im DFB-Team nicht gestimmt hat.

2:2 in Finnland nach einem 0:2-Rückstand, überwiegt bei Ihnen das positive oder das negative Gefühl?

»Eigentlich war das Spiel ja fast verloren, aber wir haben eine tolle Moral bewiesen. Das war absolut top, unabhängig von einigen Fehlern, die ich in nächsten Tagen ansprechen werde. Zwischenzeitlich drohte sogar das 3:0, da muss man letztendlich mit dem Unentschieden zufrieden sein.«

Wie erklären Sie sich die »Achterbahnfahrt« von Helsinki?

»Wir hatten erst Riesen-Chancen, da hatte man schon die Hoffnung, dass man das Spiel gewinnen kann. Aber dann liegt man schnell 0:2 hinten, hat teilweise auch ein bisschen den Kopf verloren. Wir haben in der Defensiv-Abteilung Dinge gemacht, die so nicht eingeplant waren. Was gar nicht unsere Art ist: Wir haben zu risikoreich gespielt.«

__________________________________________________________

Mehr zum Spiel:

stern.de: Jancker ballert Deutschland zum Punkt

stern.de: Stimmen zum Spiel

stern.de: Aufstellungen Finnland - Deutschland

Kann das DFB-Team so am Mittwoch gegen Albanien bestehen? Diskutieren Sie im stern.de-Forum.

__________________________________________________________

Was nehmen Sie mit für das letzte Saisonspiel am Mittwoch in Albanien?

»Ich freue mich über den Punkt. Wer weiß, wie wertvoll dieser Punkt in der Endabrechnung noch sein kann. Aber man muss die Dinge direkt ansprechen, die nicht funktioniert haben. Wir haben zu Beginn gut gespielt, uns gute Chancen erarbeitet. Dann haben wir einfach den Faden und den Kopf verloren.«

Vor allem Abwehrchef Jens Nowotny stürzte sich und das Team von einer Zittereinlage in die nächste.

»Er hat sicher nicht seinen besten Tag gehabt. Auch ihm muss man einmal ein schwächeres Spiel zugestehen. Ich mache nur einen einzigen Vorwurf: Er hat zu viel auf Risiko und Abseits gespielt, obwohl er es gar nicht nötig hat. Es ist ja eigentlich seine Grundstärke, dass ihm keiner weglaufen kann.«

Die Defensiv-Taktik ging jedoch nicht auf.

»Natürlich muss man auch die Waffe Abseits einsetzen. Aber wir haben das total übertrieben. Das haben die Finnen brutal ausgenutzt. In der zweiten Halbzeit hatte Nowotny die Abwehr mehr im Griff, obwohl es bis zum Schluss gefährlich war.«

Die Wende hat Carsten Jancker geschafft, wie beurteilen Sie ihn?

»Bei Carsten Jancker ist ja immer das Problem, auch in der Bundesliga, dass er oftmals viele Dinge abgepfiffen bekommt, zu Recht und manchmal zu Unrecht. Da er so eine kräftige Statur hat, dann wirkt das immer, als würde er mit seinem Körper arbeiten. Mir wäre lieber gewesen, der Schiedsrichter hätte den ersten Elfmeter gegeben. Einen klareren Elfmeter als den gegen Oliver Neuville habe ich in den letzten Monaten nicht gesehen. Da hat das Spiel eine andere Richtung genommen.«

Wo werden Sie jetzt in der wenigen Zeit vor dem Albanien- Spiel nochmals den Hebel ansetzen?

»Das Wichtigste ist, dass wir hinten sicher stehen. Da müssen wir drüber reden. Denn solche Chancen, wie sie die Finnen hatten, dürfen nicht mehr passieren.«

Von Jens Mende (dpa)

Wissenscommunity