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Fußball als Religion: "Es gibt keinen Fußballgott"

Unter Fußballern gilt als sicher, dass eine höhere Macht gewisse Situationen während des Spiels bestimmt. Die Landesbischöfin von Hannover Margot Käßmann glaubt allerdings nicht daran.

Die hannoversche Ländesbischöfin Margot Käßmann hat sich gegen eine religiöse Überhöhung des Fußballs gewandt. "Das ist schon traurig, wenn der Sinn des Lebens in Fußball besteht", sagte sie in einem Interview, das auf der Website der Bundesregierung zur Fußball-WM 2006 veröffentlicht wurde. Auch gebe es keinen Fußballgott. "Ich denke, Gott freut sich mit den Gewinnern und stärkt den Verlierern den Rücken", sagte Käßmann.

Die meisten Menschen wüssten jedoch zwischen Fußball und Religion zu unterscheiden, erklärte Käßman. "Was war am 11. September 2001? Oder am Tag des Erfurt-Massakers? Und im Winter, als der Tsunami wütete? Da haben die Menschen nicht in Stadien Trost und Orientierung gesucht, sondern in Kirchen", sagte die Bischöfin.

Wenn man sie darum bitten würde, eine Predigt vor Fußballprofis zu halten, würde sie selbstverständlich zusagen - ohnehin lasse sich der eine oder andere Profi hin und wieder in einem Gottesdienst blicken. "Vielleicht würde ich predigen über ’Die Ersten werden die Letzten sein’ Nicht mit erhobenem Zeigefinger. Nein, Lust am Fußball, Spielbein in Aktion, aber mit dem Standbein wissen, wo ich stehe, wo ich Halt finde, darum geht es."

"Wenn sich Gerald Asamoah vor dem Spiel bekreuzigt, finde ich das schön. Wenn die Kenianer nach einem Tor auf die Knie gehen und Gott danken, kann ich mich richtig mitfreuen", sagte Käßman weiter. Besonders berührt habe sie aber, wie Hannovers Nationalspieler Per Mertesacker als Zivildienstleistender beim Evangelischen Kirchentag mitgeholfen habe - "ganz bescheiden".

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