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Fußball-Bundesliga: Neuer patzt - Bayern verlieren gegen Gladbach

Die Überraschung ist gelungen: Borussia Mönchengladbach hat den FC Bayern knapp geschlagen. Ein verhängnisvoller Fehler von Manuel Neuer war für den Gegentreffer verantwortlich.

Von Tim Schulze

Dass es ausgerechnet so kommen musste: Es lief die 62. Minute, als Gladbachs Ersatzverteidiger Roel Brouwers einen langen Ball auf Igor de Camargo schlug. Manuel Neuer, die neue Nummer 1 bei den Bayern, kam, wie es seiner Spielwiese entspricht, aus seinem Tor gelaufen, um den Ball am Sechzehner abzufangen. Das misslang ihm gründlich. De Camargo war vor Neuer am Ball und verlängerte per Kopf direkt in das Tor der Münchner. Das saß. In München wird das, vor allem unter den kritischen Fans, zu hitzigen Diskussionen führen.

Es blieben den Bayern zu diesem Zeitpunkt knapp 30 Minuten, das Spiel noch zu ihren Gunsten zu drehen. Wutentbrannt rannten die Hausherren gegen das Tor der Gäste an, aber ein Treffer sollte ihnen nicht mehr gelingen. Das lag auch an Marc-André ter Stegen. Der hochbegabte junge Torwart der Gladbacher rettete mit beeindruckenden Paraden die Führung über die Zeit.

Kein Sieg aus heiterem Himmel


Der Sieg der Gladbacher kam nicht aus heiterem Himmel. Über die gesamte Partie boten die Spieler von Trainer Lucien Favre eine konzentrierte und taktische kluge Leistung, während die Bayern vor allem in der ersten Halbzeit sehr behäbig spielten, trotz optischer Überlegenheit. Das größte Manko war, dass sie ihre Torchancen nicht nutzten. Mario Gomez scheiterte kurz nach Wiederanpfiff mit zwei Kopfbällen. Der erste wurde von ter Stegen glänzend pariert, der zweite landete am Pfosten. In der 77. Minute wurde den Münchnern ein Treffer von Thomas Müller fälschlicherweise wegen angeblicher Abseitsposition nicht anerkannt.

Das Spiel der Bayern wirkte über weite Strecken recht statisch. Der wiedergenesene Arjen Robben konnte längst nicht die Gefährlichkeit verbreiten, die man von ihm gewohnt ist. Mit seinen Vorstößen verfing er sich entweder im engmaschigen Netz der Gladbacher Defensive oder seine Schüsse flogen überall hin, nur nicht auf das Tor des Gegners. Von Toni Kroos als Mann hinter den Spitzen kamen keine überraschenden Ideen. Nur Thomas Müller, der von links für wesentlich mehr Gefahr sorgte, war in diesem Ensemble der Versager eine Ausnahme. Immerhin stand die umformierte Bayern-Deckung mit ihrem neuen Abwehrchef Jerome Boateng lange sicher. Auch Luiz Gustavo räumte im defensiven Mittelfeld viel ab.

Bayern bieten viel zu wenig


In der ersten Halbzeit waren ein Kopfball von Mario Gomez und ein 25-Meter-Schuss von Kroos (26.) die einzigen Torgelegenheiten und viel zu harmlos, um Gladbachs ter Stegen herauszufordern. Die Gäste warteten schon früher auf den Lucky Punch und hätten tatsächlich beinahe die Bayern getroffen. Juan Arango zwang mit einem Schuss von der Strafraumgrenze Bayerns Torhüter Neuer, der vor der Partie als "Fußballer des Jahres" ausgezeichnet worden war, zu einer Glanztat.

Nach dem Wechsel erhöhten die Gastgeber den Druck. Trainer Jupp Heynckes brachte nach einer Stunde für den wirkungslosen Kroos auch noch Franck Ribery. Ausgerechnet kurz danach fiel der Treffer für die in der vergangenen Saison lange abstiegsgefährdeten Borussen fast wie aus dem Nichts.

Am Ende eines misslungen Meisterschaftsauftakt drängt sich die Frage auf: Wie steht der Rekordmeister spielerisch im Vergleich zu Dortmund da? Der amtierende Meister brillierte in seinem ersten Spiel gegen den HSV mit hochklassigem Tempofußball. Das Spiel der Münchner wirkte dagegen altbacken und uninspiriert. Nimmt man den ersten Spieltag zum Maßstab, ist eines klar. Titelfavorit ist Dortmund, die Bayern sind nur Verfolger.

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