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Fußball-Bundesliga: Schalke setzt auf "Totale Dominanz"

Fast ein halbes Jahrhundert ist er her: der letzte Deutsche Meistertitel des FC Schalke 04. Durch Psychologische Unterstützung sollen die "Königsblauen" wieder auf Siegkurs gebracht werden. Individualität heißt das Stichwort für den Erfolg.

Mit frischem Selbstbewusstsein, stark ausgeprägten Persönlichkeiten und intensiver Team-Bildung haben die Fußball-Profis des FC Schalke.04 Großes vor. Sie wollen die Bundesliga erobern und sollen deutscher Meister werden. "Wir haben bei den Jungs den Eindruck gewonnen, dass auch sie den Titel wollen", gibt Manager Andreas Müller im Trainingslager in Bad Radkersburg die Richtung vor.

Ultimativer Zwang ist mit Müllers Auflage nicht verbunden. "Wenn wir eine gute Saison spielen und uns als Einheit präsentieren, am Ende aber nur Platz zwei oder drei dabei herausspringt, dann ist es auch in Ordnung." Doch in der Saison eins nach Rudi Assauer übt der Vorgesetzte auf sein Ball spielendes Personal Druck aus: "Wenn man dieser Mannschaft nicht ein ganz klares Ziel vorgibt, dann kann sich schnell eine gewisse Zufriedenheits-Mentalität einstellen."

Von Spezialisten, Tests und Trainingslager

Das wollen die Gelsenkirchener unter allen Umständen verhindern. Schließlich liegt die letzte Deutsche Meisterschaft eine halbe Ewigkeit zurück: Seit 1958 warten die Königsblauen auf den achten Titel. Um das zu ändern, wollen die Schalker Profis endlich auch ein Team im eigentlichen Sinne dieses Wortes werden. Und dafür hat der Verein eigens einen Spezialisten verpflichtet. Motivationstrainer Peter Boltersdorf führte mit den Spielern einen Persönlichkeitstest durch, der den Menschen in seiner Individualität und Einzigartigkeit abbildet.

Der 54 Jahre alte Sportlehrer Boltersdorf berät die Schalker in Fragen der Teamentwicklung bereits seit Februar 2005. Im Trainingslager in Österreich ist er erstmals über einen längeren Zeitraum mit Spielern und Verantwortlichen zusammen. Ein sichtbares Signal seiner Tätigkeit ist ein Spruch, den die Spieler auf ihren T- Shirts tragen.

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"Totale Dominanz" ist dort zu lesen und könnte zum Leitmotiv werden. "Wir wollen auf dem Platz dominieren. Daher trifft es unser Vorhaben ganz genau. Es ist kraftvoll, denn die Spieler sollen genau so angriffslustig sein wie wir", sagt Trainer Mirko Slomka. Manager Müller bestätigt: "Wir wollen zeigen, dass wir jemand sind." Ganz klar: Der Traditionsclub will nach großen Investitionen in seinen Kader weit nach oben. Stars wie Marcelo Bordon, Mladen Krstajic, Lincoln, Ailton, Kevin Kuranyi und Fabian Ernst fanden in den vergangenen beiden Jahren den Weg nach Schalke, was sich in den Plätzen zwei und vier in der Bundesliga widerspiegelte.

"Manchen mag es genügen, wenn sie sagen, wir spielen um die Plätze eins bis drei mit." Müller reicht das nicht. Es nütze aber nichts, wenn die Verantwortlichen hohe Ziele hätten, die Spieler sich aber nicht bereit fühlten, sie auch erreichen zu können. Mit psychologischer Unterstützung soll es klappen, die teambildenden Maßnahmen nehmen in Bad Radkersburg breiten Raum ein.

Allerdings hat Slomka bei der Suche nach seiner ersten Elf, die möglichst schon im Ligapokal ab dem 29. Juli in Düsseldorf gegen Bayer Leverkusen für Furore sorgen soll, personelle Probleme. So fehlen in Ernst (Reha nach Knie-Operation), Rafinha (Reha nach Bänderanriss im Sprunggelenk), Krstajic (Sportverbot nach Armbruch) und WM-Urlauber Gerald Asamoah (Rückkehr erst am 30. Juli) derzeit vier potenzielle Stammspieler.

Paul Tigges/DPA / DPA

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