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Finanzielle Misere So dramatisch ist die Lage auf Schalke

Schalkes Benito Raman hockt nach der 0:5 Heimpleite gegen Leipzig auf dem Rasen
"Wenn der Fußball nicht mehr da ist, dann bleibt uns wenig, vielleicht auch nichts": Schalkes Benito Raman hockt nach der 0:5 Heimpleite gegen Leipzig auf dem Rasen.
© Bernd Thissen / DPA
Auf Schalke schrillen die Alarmglocken: Im Falle eines Saisonabbruchs droht dem Verein ohne finanzielle Hilfe von außen die Pleite. Deshalb hoffen die Verantwortlichen auf die nächste Rate der TV-Gelder und Geisterspiele.

In Zeiten von Corona kämpfen einige Bundesliga-Klubs ums Überleben. Wie ernst die Lage ist, brachte erst jüngst wieder der DFB-Präsident Fritz Keller mit düsteren Worten auf den Punkt: Nach der Corona-Krise "werden wir einige vermissen", sagte er in einem Interview. Die vielen Hilferufe der Profiklubs seien "seriös und glaubhaft".

Dass sogar große Klubs bedenklich wanken, zeigt das Beispiel Schalke 04. Dort schrillen rund um die Arena die Alarm-Glocken besonders laut. Glaubt man den Äußerungen der Vereinsbosse, kämpft Schalke mit allen Mitteln gegen die Zahlungsunfähigkeit, auch wenn man das Wort "Insolvenz" offiziell nicht in den Mund nimmt.

Schalke kämpft mit allen erdenklichen Mitteln

Im Falle eines Saisonabbruchs drohe eine "extistenzbedrohende wirtschaftliche Situation", warnte der Vorstand des Klubs vorsorglich seine Dauerkarten- und Logenbesitzer. Finanz-Vorstand Peter Peters beschrieb in einer Talkrunde, wie ernst die Lage ist: "Wir haben gedacht, dass wir viele Geschäftsfelder haben, und plötzlich stellen wir fest, wenn der Fußball nicht mehr da ist, dann bleibt uns wenig, vielleicht auch nichts".

Um die drohende Zahlungsunfähigkeit abzuwenden, kämpft der Verein mit allen erdenklichen Mitteln. Profis und Funktionäre verzichten auf einen Teil ihres Gehalts, mit dem Finanzamt wurden Steuerstundungen ausgehandelt und viele Mitarbeiter wurden in Kurzarbeit geschickt. Der Kauf neuer Spieler liegt vorerst auf Eis. Am Mittwoch verkündete Schalke das Aus für seine Basketballer, die in der 2. Liga spielen. Für die neue Saison wird keine Lizenz mehr beantragt.

"Je länger es dauert, umso einschneidendere Maßnahmen müssen wir ergreifen", sagte Schneider und machte deutlich, dass "der Verein nur so lange existieren kann, wie die Einnahmen und Ausgaben nicht einem völligen Missverhältnis zueinander stehen".

Lage wird durch die Ungewissheit verschäft

Was die Lage verschärft, ist die Ungewissheit. Niemand kann derzeit sagen, welche Einnahmen in naher Zukunft fließen – und welche nicht. Ein Termin, auf den die Bundesliga hinfiebert, ist der 2. Mai. An diesem Tag soll die 4. und letzte Rate der TV-Gelder an die Vereine ausgeschüttet werden. Normalerweise wäre das Geld von Sky, DAZN und der ARD schon am 10. April fällig gewesen, wurde aber aufgrund der unklaren Lage nicht überwiesen. Für Schalke geht es um einen Betrag von 15,892 Millionen Euro. Glaubt man dem "Kicker" würden ohne diese Rate 13 Profi-Klubs, darunter vier aus der Bundesliga, die Insolvenz drohen. Aber die Chancen auf eine Einigung mit den Medienpartnern und eine Zahlung in den kommenden Tagen seien gut, heißt es.

Um die finanzielle Katastrophe abzuwenden, drängt Schalke wie alle anderen in der DFL zusammen geschlossenen Profi-Klubs auf die Durchführung von Geisterspielen. Ohne sie müsste das TV-Geld zurückgezahlt werden oder zu einem späteren Zeitpunkt verrechnet werden, was die finanzielle Misere verlängern würde. Ob die ungeliebten Spiele ohne Zuschauer stattfinden können, ist derzeit nicht vorhersehbar. Für die Liga gilt: Nur wenn es logistisch machbar, medizinisch verantwortbar und gesellschaftlich akzeptiert wäre, würde man Geisterspiele durchziehen.

Sollte das schlimmste Szenario eines Saisonabbruchs eintreten, bleibt für Schalke ein Rettungsanker. Zumindest hoffen viele im Verein, dass in diesem Fall Präsident Clemens Tönnies mit privatem Geld aushilft. Außerdem überlegt man offenbar, die Profi-Fußball-Abteilung auszugliedern. Schalke gehört zu den wenigen Klubs, die immer noch klassisch als "eingetragender Verein" organisiert sind. Dann könnte man Anteile an Investoren verkaufen und neue Einnahmen erschließen. Aber das ist Zukunftsmusik.

Quellen: "Kicker", "Bild", DPA


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