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FUSSBALL: Kicken im Land der Taliban

Schon seit Jahrzehnten ist Afghanistan ein weißer Fleck auf der Fußball-Weltkarte. Dabei gibt es dort knapp 5000 Fußballer, die in 30 organisierten Clubs des Landes spielen könnten.

Sohrab Hakimi aus Kabul wird Weihnachten 13 Jahre alt. Seit seinem neunten Lebensjahr spielt er Fußball, wurde jüngst erst mit der D-Jugend des SV Lurup Hamburger Verbandsmeister. Ob der große schlaksige Fußballer, der den niederländischen Mittelfeldspieler Edgar Davids als Vorbild hat, allerdings jemals das Nationaltrikot seines Geburtslandes tragen wird, scheint fraglich. Denn in seiner Heimat denken derzeit die wenigsten an Fußball.

30 organisierte Vereine

Das ist jedoch nicht erst seit der amerikanischen Luftabgriffe so. Schon seit Jahrzehnten ist Afghanistan ein weißer Fleck auf der Fußball-Weltkarte. Dabei gibt es unter den rund 25 Millionen Einwohnern knapp 5000 Fußballer, die in den knapp 30 organisierten Clubs des Landes spielen könnten, wenn sie nur dürften. Seit jedoch die fundamentalistischen Taliban im Land das Sagen haben, konnte der 1933 gegründete afghanischen Fußball-Verband (FFNOC) keinen nationalen Wettbewerb mehr ausrichten. Von internationalen Auftritten ganz zu Schweigen. Das letzte Länderspiel Afghanistans liegt bereits 17 Jahre zurück.

Magere Torausbeute

In der Qualifikation für die Asienmeisterschaft gab es 1984 ein 0:0 gegen Hongkong. Zwischen 1941 und 1984 kamen die Afghanen in 22 internationalen Spielen auf einen Sieg, vier Unentschieden und 17 Niederlagen. Auch das erste Länderspiel in der afghanischen Fußballgeschichte endete 1941 gegen den Iran torlos.

Gejubelt wird nur für Allah

Toreschießen ist nicht unbedingt das Markenzeichen des afghanischen Fußballs. Vielleicht liegt es ja daran, dass es den Fans verboten ist, bei Fußballspielen im besonderen und im Sport im Allgemeinen den erfolgreichen Sportlern zuzujubeln. Ein schönes Tor oder eine gekonnte Rettungsaktion der Abwehr könne nur das Werk Allahs sein; deshalb stehe auch nur ihm und nur ihm der Jubel zu.

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