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Fußball-WM: Ticket-Bestimmungen auf der Kippe

Weil der DFB hohe Service-Gebühren ohne jegliche Ticketgarantie berechnet, sind Verbraucherschützer vor Gericht gezogen. Die Gesetzeshüter haben jetzt ebenfalls Zweifel an dieser Prozedur geäußert.

Knapp sechs Monate vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft stehen wesentliche Teile des Ticket-Programms juristisch auf der Kippe. Die zweite Zivilkammer des Landgerichts Frankfurt äußerte am Donnerstag erhebliche Zweifel an der Rechtmäßigkeit einiger Klauseln des so genannten Optionsticket- Programms. In diesem haben sich rund 65.000 Fußball-Fans Vorkaufsrechte auf zurücklaufende Karten gesichert und dafür bereits den vollen Ticketpreis plus Gebühren überwiesen.

Eine vom Bundesverband Verbraucherzentrale (vzbz) beantragte Einstweilige Verfügung gegen den Deutschen Fußball-Bund (DFB) erließ das Gericht zunächst nicht, sondern regte eine gütliche Einigung an. Zu dieser scheinen beide Seiten bereit, erklärte der Vorsitzende Richter Franz-Martin Jeßberger. Er hatte vorgeschlagen, dass der DFB von sich aus auf die Klauseln verzichtet und damit weltweit negative Schlagzeilen vermeide. Die Verhandlung wurde bis zum Donnerstagabend unterbrochen.

Hohe Service-Gebühren

Die Richter störten sich mit den Verbraucherschützern insbesondere daran, dass die Service-Gebühr von 5 Euro pro Optionskarte auch dann einbehalten werden soll, wenn der Kunde kein Ticket und damit keine Leistung erhält. Bei den so genannten Team-Serien - Karten für alle Spiele einer bestimmten Mannschaft - liegen die bislang nicht erstattungsfähigen Gebühren sogar bei bis zu 50 Euro. Auch die Zustellgebühr von 10 Euro sei vom allgemeinen Schuldrecht nicht gedeckt, sagte der Richter. Außerdem habe das WM-Organisationskomitee bei den Optionstickets wohl widerrechtlich die Kündigung aus wichtigen Gründen ausgeschlossen.

Konkrete Auswirkungen hätte ein Verzicht des DFB auf das Optionsmodell zunächst wohl nur wenige. Jeder Kunde müsste sich im Fall einer Einstweiligen Verfügung seine Gebühren selbst vor dem Amtsgericht erstreiten, erläuterte Justizsprecher Stefan Möller. Vor der WM dürften die allermeisten Optionsbesitzer daran kein Interesse haben, sondern ihre Optionen auf freiwilliger Basis behalten. "Der normale Fan wird den Teufel tun, sich im Vorfeld anzulegen. Der will sein Ticket bekommen und sein Spiel sehen", meinte Richter Jeßberger. Auch der DFB ist nach den Worten des Geschäftsführenden DFB- Präsidenten Theo Zwanziger willens, die bestehenden Optionen einzulösen.

"Es geht hier um ein gnadenlos überbuchtes Ereignis."

Zwanziger verteidigte im Gerichtssaal das komplexe Ticketsystem. "Es geht hier um ein gnadenlos überbuchtes Ereignis." Der DFB tue alles, um die Fans vor überhöhten Schwarzmarktpreisen und leeren Stadien zu schützen. Nur mit dem Optionsmodell sei es möglich, die Karten von Anhängern bereits ausgeschiedener Mannschaften schnell wieder an andere, ehrliche Interessenten zu bringen. Die Fußball- Anhänger würden von den Verbraucherschützern nicht vertreten.

Der FDP-Europaabgeordnete Alexander Graf Lambsdorff forderte den DFB auf, auch die Bestimmungen für die aktuell laufenden Verkaufsserien noch einmal auf ihre Verbraucherfreundlichkeit zu untersuchen. "Falls die angegriffenen Klauseln kippen, ist das eine gute Entscheidung für die Fußball-Fans, die auch für künftige Großereignisse Bedeutung hat."

DPA / DPA

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