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Fußballstar in der Krise: Ballack fühlt sich ungerecht behandelt

Für Michael Ballack läuft es nicht rund: WM verpasst, von Chelsea verschmäht, immer neue Verletzungen. Nun beschwert sich der 33-Jährige über den respektlosen Umgang mit seiner Person und sein schwindendes Ansehen in der Öffentlichkeit. Zu allem Überfluss fällt Ballack nun auch noch sechs Wochen aus.

Ein demonstrativer Rempler gegen Nobody Manuel Schmiedebach, eine Gelbe Karte nach einem taktischen Foul und ein wenig platzierter Freistoß: Viel mehr war von Michael Ballack bei seinem halbstündigen Einsatz mit Bayer Leverkusen in Hannover nicht zu sehen. Schlimmer aber als der mäßige Kurzauftritt und die zwei verlorenen Punkte beim 2:2 (0:1) gegen das tapfer kämpfende 96-Team ist die erneute Verletzung für den Kapitän der Fußball- Nationalmannschaft: Am Sonntagvormittag ergab eine weitere Untersuchung, dass Ballack sich eine feine Fraktur im Schienbeinkopf des linken Beines zugezogen hat und sechs Wochen ausfallen wird.

Die Verletzung passt in das Seuchenjahr des Michael Ballack: "Die letzten Wochen waren natürlich nicht einfach für mich. Das hat mir einiges gezeigt, wie es läuft", sagte der 33 Jahre alte Profi in einem Interview des ZDF-Sportstudios. Ballack, der sich zuletzt nicht öffentlich zu seiner Situation geäußert hatte, zeigte sich von den Diskussionen um seine Person und das Kapitänsamt enttäuscht und getroffen. "Mich wundert nichts mehr, bei dem was in den letzten Wochen passiert ist", sagte der Profi, dessen Führungsrolle öffentlich angezweifelt worden war. "Im Fußball geht es manchmal komisch und schnell."

Ballack will kämpfen - "Das habe ich immer getan"

Der 98-malige Nationalspieler beschwerte sich über seinen geschwundenen Status und sein vermindertes Ansehen nach dem unverschuldeten Fehlen bei der WM in Südafrika. Einen Rücktritt schloss er indes aus, er wolle kämpfen: "Das habe ich immer getan." Ein Comeback im Nationalteam am 8. Oktober gegen die Türkei erscheint allerdings fast unmöglich. Und auch die 30 Minuten auf dem Rasen gaben wenig Anlass zur Hoffnung, auch wenn Ballack von seinem Trainer Jupp Heynckes die pflichtschuldige Unterstützung erhielt.

"Michael hat sehr gut seine Position gehalten und Sicherheit ausgestrahlt", sagte der Bayer-Coach: "Schade, dass er ausgefallen ist." Heynckes musste froh sein, dass sein Team nach Gegentreffern von Didier Ya Konan (20.) und Mohammed Abdellaoue (50.) durch die Tore von Eren Derdiyok (62.) und Patrick Helmes (90.) immerhin noch zu einem glücklichen Punkt kam.

Weniger respektvoll als Heynckes äußerte sich Sergio Pinto über Ballack. "Das ist mir egal. Ich kann ja nicht zurückziehen, nur weil es Ballack ist", sagte der 96-Mittelfeldspieler über den Zusammenprall, der zur Verletzung des Nationalspieler geführt hatte. Pinto beklagte sich vielmehr über das Verhalten Ballacks: "Ich habe ihn nur einmal gehört, als er Gelb gefordert hat. Das kennt man von ihm ja noch von früher." Tatsächlich sah Emanuel Pogatetz in der von Pinto angesprochenen Szene die Gelbe Karte. Nach einem üblen Foul wurde der Österreicher später mit Gelb-Rot (36.) vom Platz gestellt. Da war Ballack schon in der Kabine.

Schweini hält zu Ballack

Pintos Kritik dürfte zumindest Ballack in seiner Wahrnehmung bestätigen. Der DFB-Kapitän im Wartestand erhofft sich offensichtlich mehr Respekt aufgrund seiner Leistungen und Verdienste in der Vergangenheit. Das wurde aus seinen Aussagen mehr als deutlich. Dies dürfte auch für Bundestrainer Joachim Löw und Ersatz-Kapitän Philipp Lahm gelten, auch wenn Ballack beide nicht namentlich erwähnte. Den bald 34-Jährigen hat es getroffen, dass Lahm während der WM erklärt hatte, die Kapitänsbinde gerne behalten zu wollen. Löw hatte den einstigen "Capitano" erst zwei Monate nach dem Turnier als Kapitän bestätigt - allerdings mit der Einschränkung, dass er eine Verstärkung für das Team sein müsse.

Dass Ballack bis zum nächsten Länderspiel gegen die Türkei wieder fit genug ist, erscheint angesichts der erneuten Verletzung fraglich. "Für mich zählt jetzt nur Bayer Leverkusen", sagte der Mittelfeldspieler. "Jetzt muss ich gucken, dass ich nicht schon wieder ausfalle."

Allein die Rückendeckung von Bastian Schweinsteiger bewertete Ballack beim Blick auf die zurückliegenden Wochen als positiv. "Die können sich anscheinend schon ein bisschen erinnern an meine Leistungsstärke vor meiner Verletzung", sagte Ballack über den Ex- Teamkollegen aus München. "Das ist schön zu hören, aber irgendwie auch normal", sagte Ballack. Er sei froh, dass sie "nicht auf den Zug mit aufspringen, den einige da angeschoben haben".

DPA/SID/be / DPA

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