Gruppe A Spanien schlägt Russland


Dank eines Joker-Tores von Juan Carlos Valerón hat EM-Mitfavorit Spanien sein erstes Spiel gegen Russland mit 1:0 gewonnen. Das Star-Ensemble um Kapitän Raúl ließ allerdings einige Wünsche offen.

Mit einem der schnellsten Joker-Tore in der Geschichte der Fußball-Europameisterschaft hat Juan Carlos Valerón den selbst ernannten Titelkandidaten Spanien vor einem erneuten Fehlstart bewahrt. Der Offensivspieler von Deportivo La Coruña erzielte am Samstag vor 28 100 Zuschauern im Algarve-Stadion in Faro gegen Russland nur 20 Sekunden nach seiner Einwechslung in der 60. Minute den entscheidenden Treffer zum 1:0-Sieg gegen den Außenseiter der Gruppe A. Roman Scharonow sah in der 88. Minute wegen wiederholten Foulspiels die Gelbe Karte.

Erst zum zweiten Mal seit Einführung der Gruppenphase 1980 hat die "Seleccion" ein EM-Auftaktspiel gewinnen können. Der knappe Sieg gegen Russland war auf Grund des Aufbäumens in der zweiten Halbzeit verdient, wenngleich das Star-Ensemble um Kapitän Raúl einige Wünsche offen ließ.

Die Entscheidung fiel, als Trainer Iñaki Sàez Fernando Morientes vom Feld holte. Der Torschützenkönig der Champions League hatte zwar einige Chancen, harmonierte aber nicht mir Raúl. Mit der Einwechslung von Valerón lag Sàez goldrichtig - der Galicier sorgte mit seinen ersten Ballberührungen für die Entscheidung. Nach einer Flanke von Carles Puyol legte er sich den Ball auf den linken Fuß und erzielte aus sieben Metern sein fünftes Länderspiel-Tor.

Rustikale Russen wehrten sich mit allen Mitteln

Bis zu dieser Aktion hatten die Spanier alle Mühe mit den ersatzgeschwächten Russen. Die Verlegenheitsabwehr der "Sbornaja" hielt eine Stunde lang dem gewaltigen Druck stand. An Stelle der verletzten Innenverteidiger Viktor Onopko und Sergej Ignasewitsch mussten Ersatzkapitän Alexej Smertin und Scharonow in seinem vierten Länderspiel die Abwehrreihe zusammenhalten.

Die Russen setzten sich gegen die technisch überlegenen Spanier notfalls mit Fouls zur Wehr, die der Schweizer Schiedsrichter Urs Meier jedoch konsequent bestrafte. Nach einer halben Stunde waren bereits vier Gelbe Karten an die Mannschaft von Trainer Georgi Jarzew verteilt, die bei der besten Möglichkeit der Spanier vor der Pause das Glück auf ihrer Seite hatten. Torwart Sergej Owtschinnikow wehrte reaktionsschnell einen Kopfball von Morientes ab. Der Ball fiel Joseba Exteberria vor die Füße, der aus acht Metern kläglich verstolperte (36.).

Im Gegenzug ließ Dimitri Alenitschew im Strafraum die Verteidiger Carles Puyol und Carlos Marchena wie Slalomstangen stehen, scheiterte dann aber an Iker Casillas (37.). Nach der folgenden Ecke prüfte Alenitschew mit einem Linksschuss aus halbrechter Position erneut den Real-Torwart (38.). Der Mittelfeldspieler vom Champions-League-Sieger FC Porto hatte in Faro quasi ein Heimspiel, zumal auch 7000 Fans aus Russland einen Höllenlärm veranstalteten und schwang sich zum Regisseur der Russen auf.

Spielerisch enttäuschten die Spanier trotz einer Steigerung in der zweiten Halbzeit. Die Mittelfeldreihe vom spanischen Meister und UEFA-Cup-Sieger FC Valencia konnte nicht die erhofften Akzente setzen. Im Angriff standen sich Morientes und Raúl oft auf den Füßen, ehe mit Valerón mehr Gefährlichkeit ins Spiel kam.

Jens Marx, dpa DPA

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