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International Manchester United mit meisterlichem Heimdebüt


Mit dem 40-jährigen Brad Friedel im Tor bot Tottenham Hotspur seinen ältesten Spieler seit dem zweiten Weltkrieg auf. Doch auch eine starke Leistung des Amerikaners konnte nicht verhindern, dass die zweitjüngste United-Elf der Premier League-Geschichte am Ende mit 3:0 gewann und sich in meisterlicher Form zeigte.

Sir Alex Ferguson ist bekannt dafür, immer wieder neue Spieler in seine über Jahrzehnte gewachsene Erfolgself einzubauen. Und auch beim Heimdebüt der neuen Premier League-Saison gegen Tottenham Hotspur waren es keine teuren Stars wie Sergio Agüero beim Rivalen Manchester City, sondern junge Nachwuchsspieler wie Danny Welbeck und Tom Cleverley, die brillierten.

In der ersten Halbzeit hielten die Spurs noch mit, aber nach der Pause drehten die jungen Red Devils auf und kamen durch Danny Welbecks Kopfball nach 61 Minuten zum 1:0. Welbeck war es auch, der 15 Minuten später das 2:0 von Anderson mit einem Doppelpass vorbereitete. Wayne Rooney traf kurz vor Schluss per Kopf zum Endstand, der vom eingewechselten Ryan Giggs vorbereitet wurde, der der Vater seiner meisten Mitspieler sein könnte.

Beide Trainer hatten so ihre eigenen Personalsorgen. Bei United musste Sir Alex Ferguson seine angestammte Innenverteidigung mit Rio Ferdinand und Nemanja Vidic ersetzen, Neuzugang Phil Jones und Jonny Evans kamen dafür in die Mannschaft. Immerhin kehrte Patrice Evra auf der linken Abwehrseit zurück und verdrängte so Fabio wieder auf die Bank. Doch selbst mit dem französischen Routinier sahen die Fans in Old Trafford die zweitjüngste Startelf Uniteds in der Premier League-Geschichte, laut der Statistik von Infostrada zumindest.

Modric: "Den Kopf nicht am richtigen Ort"?

Waren Vidic und Ferdinand verletzt, so konnte man das von Luka Modric auf der anderen Seite nicht behaupten. Der abwanderungswillige Kroate habe "den Kopf nicht am richtigen Ort", so Harry Redknapp kryptisch gegenüber dem Daily Telegraph. So lief für die Spurs die gleiche Startelf auf, die am Donnerstag mit 5:0 bei Heart of Midlothian gewonnen hatte - mit Ausnahme der Keeperposition, wo der 40-jährige Neuzugang Brad Friedel an Stelle von Heurelho Gomes zwischen den Pfosten stand und zum ältesten Spurs-Spieler seit dem zweiten Weltkrieg wurde, wie die BBC ermitteln konnte.

Das temporeiche Match hielt vor der Pause alles, was man sich von einem Spitzenspiel der Premier League verspricht - mit Ausnahme von Toren. Uniteds gewohnt furiose Anfangsphase überstand Tottenham mit etwas Glück, starkem Stellungsspiel von Younes Kaboul und einer sensationellen Parade Brad Friedels gegen einen Schuss des jungen Mittelfeldspielers Tom Cleverley.

Im Verlauf der ersten Halbzeit kamen auch die Londoner besser ins Spiel, wobei beide Teams ihre stärksten Szenen über die jeweils linke Angriffsseite einleiteten. Was Gareth Bale macht, ist bekannt, aber das heißt noch lange nicht, dass er einfach zu stoppen ist, wie Chris Smalling und Phil Jones mehrfach feststellen mussten.

Schießen aus allen Lagen war Redknapps Devise

Von Bale kam auch einer von beachtlichen sieben Schüssen der Gäste, die David de Gea in den ersten 45 Minuten parieren musste. Offenkundig hatte Redknapp nach den Unsicherheiten des spanischen Keepers die Devise ausgegeben, spätestens an der Strafraumgrenze zu schießen. Das tat seine Mannschaft dann auch ausgiebig, doch trotz guter Schusstechnik etwa von Niko Kranjcar zeigte der Spanier keine Schwächen.

Auf der Gegenseite sorgte der wie schon im ersten Spiel sehr agile United-Einkauf Ashley Young für Furore und zeigte Tottenhams jungem Rechtsverteidiger Kyle Walker die Grenzen auf. Dabei war der in der vergangenen Rückrunde noch an Aston Villa ausgeliehen gewesen und müsste Youngs Spielweise so genau kennen. Walker musste jedenfalls zur Pause in der Kabine bleiben - mutmaßlich wegen einer Verletzung, aber seiner Herausnahme hätte auch aus sportlichen Gründen Sinn ergeben.

Langsam, aber sicher neigte sich das vor der Pause sehr ausgeglichene Spiel zugunsten Uniteds, was sich in einer weiteren Glanzparade Friedels manifestierte, der Andersons Schuss abwehrte, wenig später in einer Direktabnahme Youngs nach Kopfballablage von Danny Welbeck, die knapp über die Latte strich - und nach einer Stunde im Führungstor für die Red Devils.

Welbecks Kopfball brach den Bann

Cleverley flankte perfekt von der rechten Seite, und obwohl Kaboul und Michael Dawson gut postiert waren, konnte Welbeck unbedrängt köpfen und den Ball präzise im linken Winkel platzieren. Damit aber nicht genug: Vier Minuten später führte Rooney einen Freistoß unerwartet aus dem Stand aus, nachdem der Ball angetickt worde war, und erzwang den nächsten Save von Friedel, der den Ball noch um den Pfosten lenken konnte. Ein Fallrückieher von Welbeck folgte kurz darauf.

Das Spiel hatte seinen Charakter nun komplett gewandelt. Statt rasanten Auf und Abs schnürte United die Spurs nun in ihrer eigenen Hälfte ein und erlaubte praktisch keine Konter mehr. Redknapp reagierte und brachte mit Roman Pavlyuchenko einen zweiten Stürmer, der Jermain Defoe unterstützen sollte.

Aber eine Minute später stand es 2:0. Auch durch die nun immer passiver werdende Deckungsarbeit der Spurs unterstützt, spielte Anderson einen feinen Doppelpass mit Welbeck, der mit der Hacke auf den Brasilianer zurücklegte und ihm den vorentscheidenden Treffer zu erlauben. Ganz ohne De Gea-Fehler ging es dann allerdings doch nicht ab. Eine Flanke untersprang der junge Spanier, Smalling verlängerte mit dem Kopf auf Defoe, dessen Dropkick den Pfosten traf.

Es sollte allerdings ein kurzer Schock bleiben, denn noch größer war Rooneys Chance nach toller Nani-Flanke, als der Stürmer den Ball aus drei Metern übers leere Tor hob. Nicht, dass Rooney ohne Tor geblieben wäre. Zwei Minuten vor dem Spielende führte eine kurz ausgeführte Ecke zu einer Kombination durch nun statische Londoner, die der eingewechselte Ryan Giggs mit einer feinen Flanke auf Rooney krönte. Der konnte zehn Meter vor dem Tor zum Kopfball hochsteigen und den Ball in der linken Ecke platzieren, in die auch Welbeck zuvor getroffen hatte.

Daniel Raecke

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