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International Premier League - Die Aufsteiger


Die Premier League wird noch bunter, dank der drei Aufsteiger. Wir stellen vor: eine Fernsehköchin, die gerne knallgelb trägt, einen geringelten Stadtteilclub, den Musiker lieben und Milliardäre besitzen, sowie walisische Senkrechtstarter in Schwarz-Weiß.

Die beste Liga der Welt bekommt drei hoch interessante neue Mitglieder: Norwich City, den Doppelaufsteiger, der TV-Köchin Delia Smith gehört, die Queens Park Rangers, um die sich Bernie Ecclestone und Stahlmilliardär Lakshmi Mittal, der reichste Mann Großbritanniens streiten, sowie Swansea City, den ersten walisischen Club in der Premier League.

Swansea City
Als erster walisischer Club überhaupt hat Swansea City den Sprung in die Premier League geschafft. Da es keine eigene walisische Profiliga gibt, spielen die vier walisischen Proficlubs Swansea, Cardiff City, Wrexham und Newport County im englischen Ligasystem mit. Während Newport und Wrexham inzwischen in der fünftklassigen Conference gelandet sind, hatten die beiden größten Clubs des Landes in der vergangenen Saison beide über die Playoffs die Chance auf den Aufstieg in die Premier League.

Der erfolgreichere Club der beiden traditionellen Erzrivalen waren eigentlich die Bluebirds aus der Hauptstadt Cardiff, die vor der Gründung der Premier League insgesamt 15 Jahre lang erstklassig spielten und 1927 sogar den FA Cup gewannen. Nun schafften jedoch die Swans aus der 200.000-Einwohner-Hafenstadt Swansea an der walisischen Südwestküste den Sprung in die beste Liga Europas.

Bis 2005 spielte Swansea im urigen Vetch Field, einem über Jahrzehnte gewachsenen Stadion, das nach den Wicken benannt war, die das Gelände einst überwucherten. Seither sind die Swans in das neue Liberty Stadium, das man sich mit Konzertveranstaltungen und dem professionellen Rugbyteam der Ospreys teilen muss.

Den Großteil seiner turbulenten Geschichte verbrachte der Club also im Vetch Field, und dort trug sich auch der kometenhafteste Aufstieg der britischen Fußballgeschichte zu, der eng mit dem Namen John Toshack verbunden ist. Im Alter von nur 28 Jahren übernahm der Stürmer 1978 Swansea City in der 4. Liga als Spielertrainer. Vier Jahre und drei Aufstiege später war der Club erstmals in seiner Geschichte erstklassig. Toshack wechselte sich im entscheidenden Spiel um den Aufstieg in die erste Liga selbst ein und erzielte das Siegtor gegen Chesterfield.

Nach dem ersten Spieltag der Saison in der damaligen First Division und einem 5:1 über Leeds United waren die Swans sogar Tabellenführer. Doch trotz einer starken Auftaktsaison, die auf Platz sechs abgeschlossen wurde, begann das Kartenhaus schnell wieder in sich zusammenzustürzen. In den folgenden drei Jahren folgten drei Abstiege, die Entlassung von Toshack und die Insolvenz des Clubs.

Während John Toshack, der zwischenzeitlich zweimal Real Madrid trainierte, inzwischen mazedonischer Nationaltrainer ist, ist sein Ex-Club nun in der Premier League. Trotz des allseits gelobten attraktiven Spielstils der Swans werden ihnen nicht viele Chancen eingeräumt, in der Liga zu bleiben. Kaum namhafte Verstärkungen in einem Kader, der stark auf aktuelle oder ehemalige englische U21-Spieler setzt, deuten ein Schicksal ähnlich dem von Blackpool an, das sich ebenfalls im PlayOff-Endspiel durchsetzte und trotz vieler Lobeshymnen am Ende gleich wieder abstieg. So könnte es auch Swansea und seinem Manager Brendan Rodgers ergehen.

Norwich City
Mit Auf- und Abstiegen hat nicht nur Swansea Erfahrung. Auch der Mitaufsteiger Norwich City konnte davon in jüngster Zeit ein Lied singen. Die Canaries, so genannt wegen ihrer im englischen Profifußball einmaligen Farben Gelb-Grün, stiegen erst 2009 aus der Championship in die drittklassige League One ab. Dort angekommen, verloren sie das erste Heimspiel gegen den kleinen Provinzclub Colchester United mit 1:7. Diese höchste Pleite, die das Stadion Carrow Road je gesehen hatte, sollte schwer wiegende Folgen für beide Clubs nach sich ziehen.

Wenige Tage nach der historischen Niederlage feuerte Norwich seinen Trainer Bryan Gunn - und verpflichtete Paul Lambert, den Trainer von Colchester. Da dieser Transfer im Nachhinein als illegal erachtet wurde, musste Norwich insgesamt mehr als eine halbe Million Pfund Strafen und Schadensersatz an Colchester zahlen. Doch trotz dieser Sanktionen lohnte sich Lamberts Verpflichtung sportlich. Denn der ehemalige Dortmunder Mittelfeldspieler, der in seiner kurzen Trainerkarriere zuvor mit den viertklassigen Wycombe Wanderers das Halbfinale im Ligapokal erreicht hatte, stieg mit den Canaries zweimal in Folge auf und spielt nun in der Premier League.

Fast noch wichtiger für die Fans: In der Aufstiegssaison wurde Ipswich Town, mit dem die Canaries eine der emotionalsten Lokalrivalitäten des englischen Fußballs teilen, mit 5:1 geschlagen. Da Norwich sich als früher zweitgrößte Stadt Englands und Bischofssitz traditionell immer wichtiger nahm als Ipswich, obwohl beide in der Region East Anglia nordöstlich von London gelegenen Städte heute ungefähr gleich groß sind, schmerzen die historisch etwas größeren Erfolge der Tractor Boys aus Ipswich sehr.

Wurde Ipswich unter Alf Ramsey, dem späteren englischen Weltmeistertrainer, 1962 englischer Meister und unter Bobby Robson, ebenfalls später Nationaltrainer, 1978 FA Cup-Sieger und 1981 UEFA Cup-Sieger, darf Norwich nur zwei Ligapokalerfolge auf dem Briefkopf führen.

Die bisher größte Stunde der Kanarienvögel schlug 1993. Nachdem sie die erste Saison der neu gegründeten Premier League auf Platz drei beendet hatten, ihre beste Platzierung aller Zeiten, spielten die Canaries im UEFA Cup. Es war die einzige internationale Saison in der Clubgeschichte, aber sie hatte es in sich. Nach dem Erstrundensieg über Vitesse Arnhem spielte Norwich gegen Bayern München.

Das 1:2 im Hinspiel im Olympiastadion ist in die Geschichte eingegangen, als einziges Europacupspiel, das Bayern jemals zu Hause gegen eine englische Mannschaft verlor. Der knappe Sieg gegen Erich Ribbecks Bayern mit Lothar Matthäus als Libero war auch den Paraden von Keeper Bryan Gunn zu verdanken - genau jenem Gunn, dessen einzige Trainerstation 2009 jäh zu Ende ging, als seine Canaries die 1:7-Klatsche gegen Lamberts Colchester erlitten. Das 1:1 im Rückspiel reichte Norwich für den sensationellen Einzug in die dritte Runde, in der der spätere Sieger Inter dann doch zu stark war.

Heute gehört Norwich City mehrheitlich der bekannten englischen Fernsehköchin Delia Smith und ihrem Ehemann. Smith, die wegen ihrer Verdienste um die englische Küche mit dem Titel Commander of the British Empire geadelt wurde, griff sich in Norwichs letzter Abstiegssaison aus der Premier League 2005 während der Halbzeitpause eines Spiels das Mikrofon des Stadionsprechers und versuchte, die Fans zu mehr Support für ihre Mannschaft zu ermuntern ("Where are you? Where are you?"). Im Nachhinein bestritt sie, in dieser legendären Szene unter Alkoholeinfluss gestanden zu haben.

So lustig wird es in der kommenden Saison zwar nicht werden, aber den Canaries werden bessere Chancen auf den Klassenerhalt eingeräumt als den anderen beiden Aufsteigern. Zumindest könnten sie mit Lambert den besten Trainer der drei haben.

Queens Park Rangers
Einige der reichsten Männer der Welt gehören zu den Besitzern, und einige der coolsten Musiker Großbritanniens gehören zu den Fans. Aber obwohl Bernie Ecclestone, Lakshmi Mittal und Flavio Briatore in den letzten Jahren QPR-Anteile gekauft haben (Briatore hat seine inzwischen wieder an Ecclestone veräußert) und trotz der Unterstützung von Pete Doherty, der als Teenager ein eigenes QPR-Fanzine vor dem Stadion verkauft haben soll und Musikern von The Clash, Deep Purple, Depeche Mode und The Sex Pistols sind die Hoops aus dem Londoner Westen keiner der ganz großen Namen der Londoner Fußballwelt.

Traditionsreich ist der Club von der Loftus Road im Stadtteil Shepherd's Bush natürlich schon. Aber in der kommenden Saison werden sie mit den beiden Rivalen Chelsea und Fulham zum ersten Mal überhaupt gemeinsam in der ersten Liga spielen. Zuvor waren immer höchstens zwei der drei Westlondoner Clubs erstklassig. Chelsea ist der Hauptrivale von QPR, aber zum ersten Mal gab es das Derby zwischen beiden Clubs erst 1968. Wenn Chelsea am 23. Oktober in der Premier League an der Loftus Road gastiert, dann wird es das 49. Duell sein. Zum Vergleich: Das North London Derby zwischen Arsenal und Tottenham Hotspur wird es dann schon 162mal gegeben haben.

So muss QPR immer etwas darum kämpfen, zwischen all den anderen, noch größeren Londoner Clubs wahrgenommen zu werden. Während die Fans der Hoops Chelsea von ganzem Herzen hassen, ist der kleine Nachbar den Anhängern der Blues nicht einmal Verachtung wert. Die richten ihre Abneigung lieber gegen Arsenal oder Tottenham.

Die Queens Park Rangers spielen erst seit 1917 an der Loftus Road, zuvor trugen sie in sage und schreibe 20 verschiedenen Stadien ihre Heimspiele aus. Bekannt wurde das Stadion Anfang der 1980er Jahre, als QPR als erster englischer Proficlub Kunstrasen installierte. Dieser blieb sieben Jahre lang Spielfläche, bevor er vom Verband verboten wurde und der Club zu Naturrasen zurückkehrte.

QPR stieg als Meister in die Premier League auf, in der die Hoops zuletzt 1996 gespielt hatten. Auch konnte man mit Kieron Dyer von West Ham United einen bekannten Namen verpflichten, sowie in DJ Campbell von Blackpool und Jay Bothroyd weitere Offensivverstärkungen. In der Abwehr muss wohl nicht so viel getan werden, mit nur 32 Gegentoren in 46 Spielen hatte QPR in der letzten Championship-Saison eine überragende Defensive. Vizemeister Norwich kassierte zum Beispiel 58 Treffer.

Ansonsten ruhen die Hoffnungen des routinierten Trainers Neil Warnock, der schon zwölf Profiteams trainierte, vor allem auf dem 22-jährigen Marokkaner Adel Taarabt, der von Tottenham Hotspur kam und sein Riesentalent in der vergangenen Saison in 19 Tore ummünzte - nach zuvor acht Toren in seiner gesamten Karriere. Unruhen um die zerstrittenen Besitzer sowie der Zorn vieler Fans über drastische Preiserhöhungen bei den Eintrittskarten drohen jedoch viel Unruhe in den Club zu tragen.

Daniel Raecke

sportal.de sportal

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