Interview Armin Veh/Horst Heldt Schneller Fußball, Demut, Bescheidenheit


Vor einem Jahr noch verschreckte der VfB Stuttgart seine Fans - dann bauten Trainer Armin Veh und Sportdirektor Horst Heldt das Team radikal um. Das schlagfertige Duo spricht im stern über ihren Plan, der zu Meisterschaft und Pokalsieg führen könnte.

Ein einziges Saisonziel hatten Sportdirektor Horst Heldt und Trainer Armin Veh beim VfB Stuttgart ausgegeben: Wir wollen schönen Fußball spielen. Aber mehr als die Herzen der Fans gewinnt ein Club damit meist nicht - vor allem dann, wenn der eine vor kurzem noch selbst Spieler und der andere für den Aufsichtsrat nur eine "Übergangslösung" war.

"Es hat halt Zeit gebraucht, jeden im Verein zu überzeugen, dass Armin Veh der richtige Trainer ist", sagt Horst Heldt rückblickend. Veh habe sich völlig mit der Club-Philosophie identifiziert, mit der anspruchsvollen Art, wie beim VfB Stuttgart Fußball zu spielen ist. "Deshalb war es für mich im Frühjahr 2006 auch so wichtig, dass Armin Veh bleibt", ergänzt der Manager.

"Seid ihr dann in der Ehre getroffen?"

Beide sind sich bewusst, dass sie durch eine sehr schwierige Situation gegangen sind. "Trotzdem wollen wir uns ein Maß an Bescheidenheit bewahren", sagt Veh, der besonders mit der Verpflichtung der beiden Mexikaner Pável Pardo und Ricardo Osorio für Aufsehen in der Bundesliga gesorgt hatte. "Ich fand sehr beeindruckend, wie genau sich der Trainer die zwei angeschaut hat", erzählt Heldt im Interview. Der VfB habe die Spieler nach der WM gleich in Deutschland behalten und ihnen einen Lehrer zur Seite gestellt, der mit ihnen einkaufen gegangen ist. Auch mit Firmen wie Daimler Chrysler, die Werke in Mexiko haben, habe man im Vorfeld des Transfers gesprochen, um mehr über die mexikanische Mentalität zu erfahren. Darüber hinaus gab es intensive Gespräche mit den Spielern selbst: "Wir haben die beiden gefragt: Was denkt ihr, wenn ein Trainer euch anmacht? Seid ihr dann in der Ehre getroffen?"

"Wir werden groß feiern"

Bei allen Zu- und Abgängen seien Heldt und Veh einer Meinung gewesen - ohnehin habe man nur einen neuen Spieler verpflichten können, wenn dafür ein anderer gegangen ist. "Diese Prüfung hat Horst mit Bravour bestanden", sagt Trainer Armin Veh. Ausschlaggebend für die erfolgreiche Einkaufspolitik sei auch die schwäbische Mentalität gewesen: "Wir waren überzeugt, dass es nichts bringt, 20 Millionen Schulden zu machen." Weil Heldt keinerlei Erfahrungen als Sportdirektor eines Bundesligavereins hatte, sei ihm gerade zu Beginn seiner Amtszeit der Austausch mit Kollegen sehr wichtig gewesen. Im Januar 2006 habe er sich in Dubai mit Uli Hoeneß getroffen, "wir hatten einen netten Abend, und natürlich habe ich ihn als Bayern-Manager auch um Tipps gebeten."

Für die kommende Saison soll das alte Erfolgsrezept deshalb auch das neue sein: Schneller Fußball, ein Maß an Demut und Bescheidenheit sowie eine gezielte Verstärkung des Teams. Und egal, wie Bundesliga und Pokalfinale ausgehen: "Wir werden mit unseren Fans groß feiern", sagt Horst Heldt.

Iris Hellmuth

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