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Interview mit Joachim Löw: "Heute war nicht unser Tag"

Der Wille war da, die Beine streikten: Nach dem enttäuschenden Remis gegen Zypern nimmt Bundestrainer Joachim Löw seine Spieler in Schutz - und hält an einem rundum positiven Jahresfazit fest.

Wie fällt nach dem 1:1 zum Jahresabschluss auf Zypern ihre Bilanz für das WM-Jahr 2006 aus? Was 2006 passiert ist, ist äußerst positiv zu bewerten. Die WM und die Spiele nach der WM, mit fünf Siegen und einem Unentschieden, waren sehr positiv. Wenn man bedenkt, dass all die Mannschaften, die bei der WM weit gekommen sind, ob Italien, Frankreich, Portugal oder England, schon verloren haben. Wir haben viele Spiele sehr gut und konstant gespielt, konstanter als jede andere Mannschaft. Das muss man so klar sagen. Von daher ist es ein absolut positives Fazit.

Die Leistung auf Zypern kann Sie aber nicht zufrieden stellen.

Natürlich ist es so, dass wir mit dem Spiel und besonders dem Ergebnis nicht zufrieden sind. Natürlich haben wir uns vorgenommen zu gewinnen. Das Spiel war sehr hart, es war ein sehr aufsässiger Gegner, so dass wir mit diesem einen Punkt leben müssen.

Wie erklären Sie sich den Leistungsabfall im Vergleich zu den vorherigen Auftritten?

Es war zu spüren, dass der eine oder andere Spieler nicht die Frische hatte. Nicht die geistige Frische und auch nicht die körperliche Frische. Dass der eine oder andere Spieler - auch auf Grund der WM - nicht die Dynamik an den Tag legt, da muss man Verständnis für zeigen.

Haben Sie die Zyprer trotz Ihrer Mahnungen unterschätzt?

Nein, wir haben uns vorbereitet auf Zypern. In Nikosia werden sie auch andere in unserer Gruppe noch vor große Probleme stellen. Man kann unserer Mannschaft nicht den Willen absprechen. Einige waren nicht in der Form wie noch vor einigen Wochen.

Konnten Sie die Ausfälle der Stammkräfte nicht kompensieren? Natürlich hätten wir gerne Schneider, Podolski dabei gehabt, gerne auch Metzelder oder Asamoah. Aber es wird immer so sein, dass Spieler ausfallen. Da sollte man keine Ausrede suchen. Wir sind auch im Stande, diese Spieler zu ersetzen.

Beim nächsten EM-Qualifikationsspiel in Tschechien ist Miroslav Klose gesperrt.

Miroslav ist nicht einfach zu ersetzen. Er ist ein wichtiger Spieler für uns. Irgendwann ist es halt so, dass man gesperrt ist. Bis dahin wird auch Lukas Podolski wieder fit sein. Man muss sagen, im Mittelfeld kann man so ein Foul vermeiden, aber das wird immer wieder passieren. Es wird immer solche Ausfälle geben.

Timo Hildebrand hat den Anspruch, Nummer 1 im Tor zu sein. Beim Gegentreffer machte er nicht den besten Eindruck.

Ich würde sagen, dass Timo Hildebrand beim Tor überhaupt keine Schuld trifft. Das war ein sehr harter Volleyschuss. Da war es schwierig, den Ball zu halten.

Sie wirken sehr milde gestimmt. Sind Sie denn nicht enttäuscht?

Ich bin natürlich nicht besonders zufrieden. Aber ich habe gesehen, wie einige Spieler wirklich am Limit sind - auch solche, die körperlich normalerweise viel zu bieten haben. Ich hatte das Gefühl, dass die alles gegeben haben. Aber heute war nicht unser Tag.

Das heißt, das Unentschieden wird als Betriebsunfall abgehakt?

Natürlich werden wir auch aus diesem Spiel unsere Lehren ziehen. Wir werden uns das Spiel in aller Ruhe anschauen und fragen, wieso waren da so viele Ballverluste. Das wird schon aufgearbeitet und dann wird versucht, neue Ansätze zu finden.

Arne Richter/DPA / DPA

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