HOME

Interview mit Uli Hoeneß: "Es hat keinen Sinn, auf die Mannschaft draufzuprügeln"

Nach dem Lyon-Debakel: Uli Hoeneß in einem Interview über Einkaufspolitik des Vereins , die Trainerfrage und das Selbstbewußtsein der Mannschaft.

Das Interview mit Uli Hoeneß wurde aufgezeichnet von Andrea Wimmer, dpa.

Die Mannschaft wirkt verunsichert. Was ist los mit dem FC Bayern München?

"Es ist natürlich sehr schwierig, direkt nach dem Spiel eine Analyse zu machen. Es hat im Moment überhaupt keinen Sinn, auf die Mannschaft einzuhauen. Wir haben am Sonntag ein sehr schweres Spiel gegen Borussia Dortmund. Wir haben wichtige Spiele in der Bundesliga und dann ein vorentscheidendes - um nicht zu sagen alles entscheidendes - Spiel in Glasgow gegen Celtic, das zu Hause eine Macht ist. Das sind die Aufgaben in den nächsten Wochen. Und da hat es jetzt keinen Sinn, auf die Mannschaft draufzuprügeln. Denn dieselben Spieler, die wir heute gesehen haben, brauchen wir in den nächsten Wochen. Deswegen müssen wir versuchen, in aller Ruche weiterzuarbeiten und zu versuchen, zu retten was zu retten ist."

Ausgerechnet Giovane Elber stürzt Bayern in diesen Sumpf. Es gab viele Zuschauer die sagten, "hätten wir ihn behalten".

"Das ist natürlich lächerlich. Natürlich war das ein schönes Tor. Aber ich glaube, Roy Makaay hat in den letzten Wochen bewiesen, dass er mindestens genauso wertvoll sein kann. Und es hat jetzt keinen Wert, da nachzukarten. Wir haben 1:2 verloren. Wer das Tor geschossen hat, ist schlussendlich egal."

Woran muss man zuerst arbeiten, an der psychologischen Seite oder an spielerischen Dingen?

"Das Selbstvertrauen der Mannschaft ist im Moment nicht besonders gut ausgeprägt. Sie hat das erste Tor gut weggesteckt, wunderbar reagiert. Nach dem zweiten Tor war das Selbstvertrauen weg, da ist plötzlich ein Riss in der Mannschaft gewesen. Und das gilt es jetzt zu analysieren bzw. für die nächsten Tage daran zu arbeiten, es bis zum Sonntag wiederherzustellen. Denn es hat keinen Wert, jetzt den Kopf in den Sand zu stecken. Sondern wir müssen am Sonntag schauen, dass wir die Sache wieder ins Laufen bringen."

Befürchten Sie, dass jetzt auch wieder eine Trainerdiskussion entbrennt wie vor einem Jahr?

"Die Trainerdiskussion haben wir nicht anberaumt. Da muss ich Sie fragen, ob Sie versuchen, die jetzt anzuberaumen. Wir tun das sicherlich nicht."

Rechnen Sie persönlich mit dem Weiterkommen in der Champions League?

"Ich rechne immer mit dem Weiterkommen, solange man es selbst in der Hand hat. Und das ist nach wie vor da. Solange diese Chance besteht, brauchen wir nicht verrückt spielen."

Kommt Ihnen Borussia Dortmund am Wochenende gerade recht oder wäre ein vermeintlich kleinerer Gegner in der jetzigen Situation besser?

"Dortmund ist mir auf jeden Fall lieber als jetzt nach Rostock zu fahren."

Wissenscommunity