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Jörg Berger im Interview: Stasi wollte Bundesliga-Trainer töten

Ex-Bundesliga-Trainer Jörg Berger ist nach seiner Flucht aus der DDR von der Staatssicherheit vergiftet worden. Auf ihn seien rund 30 Stasileute angesetzt gewesen, die seine Rückführung per Entführung planten, so Berger, der auch von einem Mordanschlag auf der Autobahn berichtet.

"Das weiß ich aus Akteneinsicht", erklärte Berger in einem Interview mit der "Bunten". Als die Entführung gescheitert sei, seien Reifen seines Autos zerstochen worden, und ein Rad habe sich bei Tempo 160 auf der Autobahn gelöst. "Das Schlimmste: eine Schwermetallvergiftung. Jemand aus meinem Umfeld hatte mir unbemerkt dosiert Gift verabreicht", so Berger. Er habe nicht mehr laufen und nichts mehr greifen können. "Es dauerte ein Jahr, bis das Gift abgebaut war", sagte der 64-Jährige, der sieben Bundesligisten trainierte.

Die DDR habe er 1979 verlassen, weil er Bevormundung hasse, sagte Berger. Er habe ein Spiel in Jugoslawien benutzt, um sich abzusetzen. In der Botschaft der Bundesrepublik in Belgrad sei er mit einem Pass mit falschem Namen und einem Bahnticket nach Frankfurt/Main ausgestattet worden. Dennoch habe er auf der Reise große Angst gehabt. Ein jugoslawischer Grenzer habe ihn erkannt, aber nicht verraten und ihm viel Glück im Westen gewünscht. "Dieser Mann hat mein Leben gerettet. Ich habe ihn nach 1989 gesucht, aber vergeblich", so Berger.

Als aktiver Fußballer spielte Jörg Berger er beim 1. FC Lok Leipzig. 1970 musste der Oberligaspieler wegen einer Muskelverletzung seine Karriere jedoch vorzeitig beenden und begann nach einem Studium an der DHfK Leipzig seine Trainerlaufbahn.

Jörg Berger gilt als Motivationskünstler, der oft als Retter von abstiegsbedrohten Vereinen Erfolg hatte, was ihm seinen Spitznamen Feuerwehrmann einbrachte, jedoch selten die Chance bekam, eine Mannschaft über eine längere Periode aufzubauen. Berger wurde so der Feuerwehrmann der Bundesliga, nachdem er in der Frühphase seiner Trainerkarriere noch zweimal als 4. der 2. Bundesliga knapp den Aufstieg in die erste Liga mit dem KSV Hessen Kassel verpasste (1984, 1985). Seine größten Erfolge waren zwei dritte Plätze in der Bundesliga mit Eintracht Frankfurt 1990 und mit dem FC Schalke 04 1996. Es blieb ihm jedoch nicht vergönnt, auch noch auf der Trainerbank zu sitzen, als Schalke 1997 den Uefa-Pokal gewann. Im Oktober 1996 wurde er durch Huub Stevens ersetzt.

AP/DPA/kbe

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