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Meistertrainer: Jürgen Klopp – der Mann, der ganze Städte zum Leuchten bringt

Der Liverpooler FC ist erstmals seit 30 Jahren wieder englischer Meister. Ein Verdienst, den man Jürgen Klopp an der Anfield Road wohl nie vergessen wird. Zeit für die Würdigung eines Mannes, der so viel mehr ist als nur Fußballtrainer.

"King Klopp": Doku zeigt, wie Jürgen Klopp zum Meistermacher wurde

Als der Liverpooler FC das letzte Mal englischer Meister wurde, wurde Jürgen Klopp gerade zum Fußballprofi. Der FSV Mainz 05 verpflichtete den schlacksigen Typen mit Schnauzbart im Sommer 1990. Stürmer spielte er zunächst, rückte im Verlauf von mehr als 320 Partien immer weiter zurück, bis er zuletzt als rechter Verteidiger für Mainz auf dem Platz stand. Dem Verein blieb er mehr als ein Jahrzehnt als Spieler treu. Es war eine solide, aber nicht außergewöhnliche Zweitliga-Karriere. Jürgen Klopp, der Spieler, absolvierte niemals eine Erstligapartie. Jürgen Klopp, der Trainer, hingegen sollte zu den größten seines Fachs aufsteigen.

Seine Karriere als Coach begann da, wo auch die als Spieler begann, dort, wo sein Herz hing und wohl noch heute, zumindest teilweise, hängt: in Mainz. Zunächst 2001 als Notfalllösung direkt aus dem Spielerkader zum Trainer befördert, führte Klopp seinen FSV aus den Abstiegsrängen von Liga zwei ins obere Tabellendrittel. Nach zwei vierten Plätzen gelang im 2004 der Aufstieg in Liga eins. 

Bilder von der Aufstiegsfeier ließen schon damals Klopps heute noch größte Qualität erahnen: Der charismatische Coach hat eine unfassbare Ausstrahlung. Diese Begeisterung und Liebe für den eigenen Klub kommt bei ihm so authentisch und glaubwürdig rüber, wie bei kaum einem anderen. Und das nicht nur in Mainz, das er zwischenzeitlich – und mit ein bisschen Losglück – sogar bis in die erste Runde des Uefa-Pokals führte. Nein, auch später in Dortmund und heute in Liverpool, gelingt es ihm wie keinem Zweiten, sich mit seinem Arbeitgeber zu identifizieren.

Die großen Taten mit dem BVB

2007 ging es mit Mainz zurück in Liga zwei und als er den direkten Wiederaufstieg erneut knapp verpasste, übernahm Klopp den damals in sportlichen Nirgendwo umherirrenden BVB. Auch im Pott brannte er für den Verein, auch hier riss er Spieler, Verantwortliche und vor allem die Fans mit, wie nur er es kann. In Rekordzeit avancierte er zum Publikumsliebling. Man kauft es ihm ab, wenn er sich auf die vor Stolz geschwellte Brust schlägt, dorthin, wo sein Herz für den Verein schlägt, erst für Mainz, dann für Dortmund und heute für Liverpool. Das ist kein Widerspruch. Klopp wählt seine Arbeitgeber danach aus, wie sehr er sich mit dem Verein identifizieren kann. Nur wenn er die Liebe spürt, entscheidet er sich für das Projekt.

Beim BVB machte er sich mit zwei Meisterschaften 2011 und 2012 sowie einem demoralisierenden 5:2-Sieg über den FC Bayern im Pokalfinale 2012 zu einem großartigen Stück der Vereinsgeschichte. 2013 führte er den BVB sogar ins Champions-League-Finale, das letzte I-Tüpfelchen auf seiner BVB-Karriere blieb ihm jedoch verwehrt.

Charisma und Herzblut

Klopp ist weit mehr als nur ein guter Fußballtrainer. Für viele seiner Spieler war und ist er eine Art Vaterfigur. In Dortmund sah man ihn und in Liverpool sieht man ihn heute nach den Spielen über den Platz gehen, jeden seiner Kicker liebevoll in den Arm nehmen, sie an sich drücken, Küsse verteilen. Jürgen Klopp führt mit Herzblut und ist dabei so authentisch und sympathisch, dass ihm seine Truppen blind folgen.

Aber auch jenseits seiner eigenen Teams genießt er eine breite Zustimmung wie wenige Gesichter der Branche. Die kumpelige Art, die schallende Lache, das breite (in England etwas aufgehellte) Grinsen: Wenige können sich diesem Charme nachhaltig entziehen.

Schlägt er mal über die Stränge, wie zu Dortmunder Zeiten recht regelmäßig, wenn er etwa mit wütenden Fratzen auf Schiedsrichter einpöbelte, steht er zu seinen Fehlern. Er entschuldigt sich, gelobt Besserung, beweist Größe. Weil die Wut stets auf Leidenschaft fußt, weil man sieht, da brennt jemand aufrichtig für diesen Sport und für seinen Klub, konnte man ihm ohnehin nie so richtig Böse sein.

In England geht nichts über die Meisterschaft

Beim BVB hätten sie ihm ein Denkmal gebaut, wenn er 2013 den Henkelpott in den Pott geholt hätte. Den sollte er erst sechs Jahre später mit Liverpool in den Nachthimmel stemmen. Doch in England ticken die Uhren etwas anders. Natürlich weiß man diesen Erfolg auch dort zu schätzen. Allerdings werden Trainer auf der Insel zu allererst an ihren Meisterschaften gemessen. Daher krönt Klopp seine Zeit an der Anfield Road erst in diesem Jahr. Er erlöst die Fans, die so lange auf einen Meistertitel warten mussten, nachdem ihr Klub in den 70er- und 80er-Jahren regelmäßig am Ende der Saison ganz oben gestanden hatte.  

Auf die Frage eines Reporters, ob man ihm denn nun in Liverpool ein Denkmal errichten soll, reagierte er allerdings in seiner gewohnte Art. Er wolle noch mindestens 30 bis 40 Jahre leben und sei an einer Statue daher nicht interessiert, sagte der Mann, der sich selbst mal als "The Normal One" bezeichnete.

"King Klopp": Doku zeigt, wie Jürgen Klopp zum Meistermacher wurde

Die Frage, die sich nun stellt: Was als nächstes, wenn man eigentlich alles erreicht hat? Beim BVB ging es nach den drei, vier sehr erfolgreichen Jahren schließlich bergab, ehe er sein Amt stilvoll und gesichtswahrend zur Verfügung stellte ("Dieser Verein ist größer als wir alle"). Beim BVB wurde ihm damals jedoch das Rückgrat seiner Mannschaft auf dem Transfermarkt herausgerissen. In Liverpool ist das eher unwahrscheinlich. Vielleicht ist Klopp ja genau der Richtige, um dort an die großen Erfolge der Vergangenheit anzuknüpfen. Ja, vielleicht müssen die Fans dieses Mal nicht wieder 30 Jahre auf den nächsten Meistertitel warten.

Quellen: Transfermarkt 1 / Transfermarkt 2

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