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Kapitaler Fehlstart Babbel entsetzt über Hoffenheim-Blamage


Blamables Aus im Pokal, Schlusslicht in der Bundesliga: 1899 Hoffenheim geht schweren Zeiten entgegen. Beim 0:4 gegen Aufsteiger Frankfurt präsentierte sich der Club erneut in desolater Verfassung.

Noch eine Stunde nach der Demontage durch Aufsteiger Eintracht Frankfurt stand Markus Babbel das Entsetzen über die desolate Vorstellung seiner Mannschaft ins Gesicht geschrieben. Mit Bedacht wählte der Trainer der TSG 1899 Hoffenheim nach der 0:4 (0:2)-Heimschlappe seine Worte, um die ohnehin schon brisante Situation beim selbst ernannten Europa-League-Anwärter nicht zusätzlich zu verschärfen. "Ich fühle mich nicht im Stich gelassen. Ich habe keinen Spieler gesehen, der nicht wollte", sagte der sichtlich mitgenommene Babbel.

Das Bemühen war den Hoffenheimern in der Tat nicht abzusprechen, das Können dagegen schon. Während der Neuling erstaunliche spielerische Reife demonstrierte, brachen die mit hohen Zielen in die Saison gestarteten Gastgeber nach einem ordentlichen Beginn völlig ein. Torwart und Kapitän Tim Wiese nahm dann auch kein Blatt vor den Mund: "Das war einfach desolat heute. Es ist deprimierend momentan."

In dieses Bild passten die zwei Feldverweise für Sejad Salihovic (70.) und Stephan Schröck (74.), der für den auf die Tribüne verbannten Andreas Beck rechts in der Viererkette verteidigte. Salihovic brachte dabei das unrühmliche Kunststück fertig, sich nicht einmal vier Minuten nach seiner Einwechslung mit Gelb-Rot wieder zum Duschen zu verabschieden. "Das hat endgültig alles über den Haufen geworfen", bekannte Babbel.

Höchste Bundesliga-Heimniederlage für Hoffenheim

Ein Doppelschlag von Alexander Meier (39., 83./Foulelfmeter) sowie Treffer von Pirmin Schwegler (43.) und Martin Lanig (90.) besiegelten vor 29 650 Fans die höchste Bundesliga-Heimniederlage der Kraichgauer. Die befinden sich nach dem blamablen Pokal-Aus beim Viertligisten Berliner AK und zwei Liga-Niederlagen als Tabellenletzter schon frühzeitig in der Krise. "Das ist definitiv ein Fehlstart. Jetzt fällt alles etwas schwerer", meinte Babbel.

Der Coach ist nun vor allem als Psychologe gefordert, nachdem ihm die gravierendste Schwäche seines Teams einmal mehr brutal vor Augen geführt worden war. "Es ist das alte Raster zutage getreten. Ähnlich wie in der Vorsaison ist die Mannschaft nicht in der Lage, auf negative Dinge im Spiel zu reagieren", analysierte der Europameister von 1996.

Europa League in weiter Ferne

Dem für mehr als zwölf Millionen Euro runderneuerten Team fehlt die Harmonie und vor allem eine Hierarchie. Nach dem doppelten Rückschlag kurz vor der Pause durch einen von Marvin Compper ins eigene Netz abgefälschten Meier-Schuss und einen sehenswerten Schwegler-Hammer aus knapp 30 Metern fand sich niemand, der das Heft in die Hand nahm. Babbel kritisierte daher: "Wir waren nicht in der Lage, das zu verdauen. Die Mannschaft war danach blockiert. Die Spieler haben schwere Beine bekommen und viele Fehlpässe gespielt."

Der Trainer muss seine Ansprüche, den Dorfclub zu einem Spitzenteam mit Blick auf die internationalen Fleischtöpfe zu formen, nun zurückschrauben. In dieser Verfassung spielt Hoffenheim eher gegen den Abstieg als um den erhofften Einzug in die Europa League. Die anstehende Länderspielpause vor dem Baden-Derby beim SC Freiburg kommt Babbel daher sehr gelegen: "Wir müssen jetzt die Ärmel hochkrempeln und einen klaren Kopf bekommen."

Eric Dobias, DPA DPA

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