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Kommentar: Frauenfußball - Kicker zweiter Klasse?

Sie werden von vielen belächelt und nicht für voll genommen: Weibliche Kicker, allen voran "Weltfußballerin" Birgit Prinz, haben keinen leichten Stand in Fußball-Deutschland - zu unrecht.

Von Frauke Hansen

Deutschland bester Fußballer ist - eine Frau. Die 25-jährige Birgit Prinz wurde bei der Wahl der "Weltfußballer des Jahres" zum dritten Mal hintereinander zur besten Fußballerin 2005 gewählt. Diese Auszeichnung ist Rekord - noch nie haben Nationalmannschafts-Trainer, -Kapitäne und Offizielle der Fifa eine Frau mit einem solchen Hattrick bedacht. Und Prinz ist nicht die einzige Deutsche in den Top Ten: auf Platz fünf landete Renate Lingor, auf dem achten Platz ist Sandra Minnert zu finden.

Dem deutschen Fußball kann es so schlecht also nicht gehen: Drei Frauen in den Top Ten der Welt - trotzdem ist das Skandal-Geschrei in Fußball-Deutschland groß. Warum? Bei den Männern ist der einzige deutsche Kandidat Michael Ballack abgeschlagen auf Platz elf gelandet. Selbst bei der Wahl zu Europas Besten konnte der Star vom FC Bayern München nicht über einen 14. Platz hinauskommen. Andere Spieler haben es erst gar nicht unter die ersten 50 geschafft. Besserung ist nicht in Sicht.

Sind wir wirklich so schlecht?

Die Stimmung kurz vor der Weltmeisterschaft im eigenen Land ist angespannt. Deutsche Klubs müssen um ihr Überleben auf dem internationalen Parkett kämpfen, deutsche Spieler sind auf der Welt-Bühne so gut wie gar nicht präsent. Dabei hätten Deutschlands Fußball-Fans mit den Kicker-Damen doch allen Grund zur Freude, denn auch mit der Nationalmannschaft können sie enorme Erfolge verbuchen. 2003 Weltmeister, 2005 Europameister, Platz 1 auf der Fifa-Weltrangliste - das können die männlichen Kicker nicht nachmachen. Diese landen abgeschlagen auf dem 16. Platz. Trotzdem reichen die Siege der Damen im öffentlichen Interesse nicht an die Erfolge einer Herren-Mannschaft heran. Und das ist der eigentliche Skandal: noch immer werden weibliche Fußballerinnen belächelt, ihr Sport als "Mädchenfußball" verspottet und ihnen die verdiente große Anerkennung verwehrt. Jedes Kind kennt die Namen von Ballack, Kahn und Co., aber eine deutsche Fußballerin? Ratloses Schweigen.

Kein sportliches Thema beschäftigt Deutschland so sehr und so emotional wie Fußball. Seit dem Gewinn des Weltmeistertitels 1954 ist Kicken Nationalsport ohnegleichen. Doch Frauenfußball war lange Zeit verboten, angeblich zum Schutze der Frauen vor der Ausbeutung durch sexistische Manager, die nur auf die Präsentation des sich aufreißend bewegenden Vorbaus aus waren. Erst 1970 änderte der DFB seine Meinung und ließ Frauenfußball zu - damit sich die ballbegeisterten Damen nicht zum "Catchen im Schlamm" hinreißen ließen.

Fehlende Gleichberechtigung

Doch auch rund 35 Jahre später ist die offizielle Anerkennung alles andere als gleichberechtigt: Bei der Prämienvergabe werden die Fußballerinnen benachteiligt. Sind zum Beispiel für den Herren-Weltmeister 2006 16,4 Millionen Euro im Prämientopf, gehen die Damen leer aus - bei der EM 1997 erhielten sie immerhin ein Kaffee-Service. Doch Hoffnung ist in Sicht, Fifa-Boss Josef Blatter macht einen Schritt in die richtige Richtung: "Wir sollten das überprüfen. Bisher gab es nur für die Männer Preisgelder. Aber wenn wir den Frauen die selbe Aufmerksamkeit geben wollen, müssen wir auch über Prämien nachdenken". Immerhin ein Anfang. Und auch die TV-Stationen zeigen langsam mehr Interesse und übertragen Spiele der deutschen Frauen-Nationalmannschaft.

Frauenfußball ist mit Männerfußball nicht zu vergleichen, werden einige Experten jetzt sagen und meinen damit vornehmlich den technischen Aspekt des Ballspiels. Dass die weibliche Spielweise nicht mit der der Männer zu vergleichen ist, versteht sich von selbst. Doch die Kicker-Mädels investieren genauso viel Arbeit und Schweiß in ihren Sport, wie die Herren der Schöpfung. Dies ehrlich anzuerkennen und einen Damen-Sieg mit dem gleichen Stolz wie einen Herren-Sieg zu feiern - dies sollte möglich sein. Birgit Prinz, die "Weltfußballerin des Jahres" 2005, kann mit ihren zahlreichen Auszeichnungen dazu beitragen.

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