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Magath sagt HSV ab: Liebeskummer am Valentinstag

Er wurde als Erlöser gefeiert, doch am Ende wandte sich Felix Magath enttäuscht von seiner Dauerliebe ab. Oder der HSV von ihm. Unglücklich darüber scheinen viele Fans nicht zu sein.

Von Niels Kruse

Felix Magath und der HSV – eine Beziehung wie eine niemals erloschene Jugendliebe, von der beide Seiten sehnlichst hoffen, sie möge schnellstmöglich in einer Wiedervereinigung gipfeln. "Ich glaube, der HSV gehört zu mir, wie ich zum HSV", seufzte der schmachtende Möchtegernretter, nachdem klar war, dass es wieder einmal nichts wird - mit ihm und den Hamburgern. "Insofern hätte es halt wunderbar gepasst." Hätte, hätte, Fahrradkette. Aber leider stehen immer wieder missgünstige Neider dem Liebesglück im Weg. Namentlich "Teile des Aufsichtsrats, der Vorstand sowie die Initiatoren der Gruppe HSVPlus", wie Magath beleidigt auf seiner Facebookseite notiert. Glaubt man der "Hamburger Morgenpost", dann gab es handfeste Gründe für die Ablehnung durch die Verantwortlichen. Denn Magath habe die ganze Macht im Verein gewollt: Traineramt, Vorstand, Sportdirektion. Er nennt es "ehrlicher Neuanfang", die Bosse "Erpressung".

Der Dauerflirt zwischen Magath und seinem HSV ist fürs erste erledigt. Nicht wenigen Fans und Spielern dürfte ein Stein vom Herzen gefallen sein. Die sprichwörtlichen Medizinbälle, mit denen er angeblich die Fußballspieler quält, bleiben im Medizinballschrank, die Millionen, die Magath gerne für devote Durchschnittsspieler verprasst, können sich die arg verschuldeten Hamburger sparen, und die Vereinsbosse brauchen auch nicht ihre Pöstchen mit einem Mann zu teilen, der sich ungern ins Wort reden lässt. Zudem hatte das Erfolgsmodell Felix Magath zuletzt ohnehin gelitten. Nach seinem missglückten Engagement bei Schalke 04 schrieb die "Zeit" ein wenig schmeichelhaftes Porträt über ihn, in dem auffallend häufig das Wort "Arschloch" vorkommt.

Aufregung über eine Nichtnachricht

Vermutlich hat selten eine Nichtnachricht für soviel Aufregung gesorgt, wie das geplatzte Engagement Magaths beim abstiegsbedrohten Traditionsverein. Auf Twitter macht eine Polemik des Bloggers Trapper Seitenberg die Runde, die vielen Anhängern offenbar aus der Seele spricht: "So kommen Sie also nicht zum HSV, und ich bin froh darüber! Die lange Liste der HSV-Trainer und ihre jeweilige Verweildauer in den letzten Jahren beweisen, dass die Probleme des Vereins tiefer liegen. Ich möchte den Kompetenzmangel kooperativ und im Team behoben sehen. Ich möchte nicht, dass sich der Verein einer Person praktisch ausliefert. Auch und schon gar nicht Ihnen."

Dafür, dass Magath allerorten als Erlöser gefeiert wurde, zumindest in der lokalen Presse, fallen nun erstaunlich viele Kommentare geradezu hämisch aus. Und natürlich gibt es Stimmen, die Quälix nicht als Buhmann schmähen, sondern seine Entscheidung nachvollziehbar finden. Schmeichelhaft aber sind die Gründe nicht, zumindest nicht für den Verein. Und selbst der designierte, mögliche Neu-Trainer Mirko Slomka, er wäre der 13. Übungsleiter in nur zehn Jahren, wird vor einem Ausflug in die Hansestadt gewarnt.

Und hier noch einmal Felix Magaths Facebook-Brief in ganzer Länge

"Liebe Freunde, Fans und HSV Anhänger,

es ging mir um Euch und den HSV, um den Klassenerhalt und einen gleichzeitigen Neuaufbau. Leider beharren im HSV zu viele der alten Kräfte auf ihren Positionen, sind an einem ehrlichen Neuanfang nicht interessiert. Teile des Aufsichtsrates, der Vorstand sowie die Initiatoren der Gruppe HSVplus haben sich gegen mich gestellt. Wie soll man mit solchen Voraussetzungen einen Verein erfolgreich durch den Abstiegskampf führen? Einigkeit im Verein hat aber oberste Priorität, ohne sie kann nichts gelingen. Diese notwendige Einigkeit herzustellen scheint bei diesen unüberschaubaren Gruppen und Einzelinteressen kaum machbar.

Es tut mir sehr leid Euch keine bessere Nachricht zu übermitteln. Mit Euch wäre ich den Weg wirklich gerne gegangen. Ihr jedenfalls seid bundesligatauglich, ihr seid spitze. Euer gewaltiger Zuspruch - gerade in den letzten 48 Stunden - geht mir zu Herzen. Bedanken möchte ich mich auch bei Christian Strauß, Jens Meier und Jürgen Hunke, denen ich für ihr persönliches Engagement danke.

An Euch alle eine Bitte: Unterstützt unsere Mannschaft – ohne Wenn und Aber – im Abstiegskampf.

Herzliche Grüße, bis bald. Euer Felix Magath"

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