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Manipulations-Prozess: Hoyzer bettelt um zweite Chance

In den Abschlussplädoyers der Verteidigung hat auch Ex-Referee Hoyzer das Wort ergriffen und um eine weitere Chance gebeten. Derweil hat der Hauptangeklagte Ante S. Auskunft über seine Zukunftspläne gegeben.

Am Ende überkam den Sünder noch einmal die Reue. "Ich möchte zeigen, dass ich ein einfaches Leben leben kann. Ich bitte das Gericht um eine zweite Chance", las Ex-Schiedsrichter Robert Hoyzer in seinen letzten Worten vor dem Urteil von einem Zettel ab und unterdrückte dabei seine Tränen. Seine echte Angst vor dem erneuten Gang ins Gefängnis scheint unbegründet, doch Gewissheit hat Hoyzer erst an diesem Donnerstag. Dann verkündet die 12. Strafkammer des Berliner Landgerichtes im Fußball-Betrugsprozess nach nur neun Verhandlungstagen ihre ersten Entscheidungen.

Nachdem auch die Staatsanwaltschaft nur eine zweijährige Haftstrafe auf Bewährung für Hoyzer gefordert hat, ist knapp zehn Monate nach dem ersten Geständnis des 26-Jährigen vor allem das Schicksal der mitangeklagten Ante Sapina und Dominik Marks spannend. Ante Sapina, der mutmaßliche Drahtzieher des Wettbetruges, sitzt seit Ende Januar in Untersuchungshaft, während Hoyzer nach zwei Wochen wieder auf freiem Fuß war.

Sapina will Spielsucht bekämpfen

"Niemand kann sich vorstellen, was meine Mutter und ich in den letzten zehn Monaten durchgemacht haben. Diese zehn Monate sind der Grund, dass ich versuchen werde, nie wieder in eine solche Situation zu kommen", sagte Ante Sapina. Der Kroate gelobte, sich eine neue Existenz in der Gastronomie aufzubauen und seine Spielsucht bekämpfen zu wollen. Zwei Jahre und elf Monate Gefängnis hatte die Staatsanwaltschaft für ihn gefordert. Eine Reststrafe müsste der 29-Jährige aber nicht sofort antreten, da die Anklage die Aufhebung des Haftbefehls beantragte.

Dagegen schwieg Marks, der vier Wochen Untersuchungshaft verbüßt hat und nach dem Willen der Staatsanwälte für zwei Jahre einsitzen soll. "Er geht meiner Auffassung nach nicht ins Gefängnis, sondern soll nur ein bisschen für seine blöde Erklärung abgestraft werden", meinte Nicolas Becker aus dem dreiköpfigen Verteidiger-Team von Ante Sapina im Saal 500 des Moabiter Kriminalgerichtes. Marks hatte die Annahme von Geld gestanden, Manipulationen aber bestritten.

Marks muss Verlust seiner Bürgerrechte befürchten

Ob die Vorsitzende Richterin Gerti Kramer nur von gewerbs- oder auch von bandenmäßigem Betrug ausgeht, ist für Marks besonders wichtig. Als Mitglied einer Bande hätte er ein Verbrechen begangen und muss den Verlust der Bürgerrechte fürchten. Der 30-Jährige dürfte zunächst keinen Abschluss als Wirtschaftsprüfer ablegen. Möglich ist auch, dass das Verfahren gegen Marks abgetrennt wird und am Donnerstag noch kein Urteil gegen ihn ergeht. Staatsanwalt Thorsten Cloidt stellte vorsorglich so genannte Hilfsbeweis-Anträge, um den gebürtigen Stendaler als Mitglied einer Bande zu überführen.

Auch Ante Sapinas Verteidiger Stefan Conen reichte Hilfsbeweis-Anträge ein, falls sein Mandant nur auf Grund von Hoyzers Aussagen verurteilt werden sollte. Conen will dann nachweisen, dass Hoyzer entgegen seiner Angaben doch auf eigene Spiele gewettet hat. "Er schützt taktisch bestimmte Personen und belastet taktisch andere über Gebühr", lautete Conens Vorwurf. Prozess-Beobachter rechnen jedoch damit, dass Hoyzer und Ante Sapina gemeinsam verurteilt werden. Damit wäre der zweite große deutsche Fußball-Skandal aber juristisch noch nicht aufgearbeitet: Vom kommenden Dienstag an wird einmal wöchentlich weiter gegen den Ex-Profi Steffen Karl verhandelt.

DPA / DPA

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