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Manuels Mauer: Die Psyche! Welche Psyche?

Meister-Flatter? Davon will Schalkes Manuel Neuer nichts wissen. In seiner Kolumne gewährt der Torwart den Lesern einen Einblick in sein Seelenleben, schreibt über das Thema Presseboykott und verrät, wer zuhause die Waschmaschine bedient.

Die Psyche, alle sprechen immer von unserer Psyche. Aber daran werde ich unsere Niederlage gegen Bochum sicher nicht festmachen. Das wäre doch viel zu einfach. Wir haben ganz einfach schlecht gespielt, oder sagen wir nicht intelligent genug. Nach dem 1:0-Führungstreffer wollten wir zuviel, gleich die nächste Bude machen. Das ist ja eigentlich auch richtig, aber man muss auch mal abwarten können. Den Gegner mal ein bisschen kommen lassen.

Aber Schwamm drüber, wir schauen weiter nach vorn. Meister-Flatter? Wenn ich das schon höre. Die Leute wollen uns doch wieder was einreden. Meine Psyche ist in jedem Fall vollkommen intakt. Und die meiner Vorderleute auch. Keiner hat bei Schalke 04 Angst davor, Meister zu werden. Im Gegenteil: Wir lechzen danach. Und noch was: Wir haben beispielsweise mit Bordon oder auch Krstajic so erfahrene Spieler im Kader, die viel erlebt haben, die Meisterschaften gewonnen haben. Die kennen keine Nerven und diese Einstellung färbt auch auf die Jüngeren ab.

Keine Absprache wegen Presseboykott

Normalerweise haben Torhüter und Linksaußen ja so einen kleinen Dachschaden, aber ich will mich da mal ausnehmen. Genauso wenig wie ich an den Psycho-Kram glaube, hab ich auch mit Ritualen nichts am Hut. Ich stehe vor Spielen auch mal mit dem linken Bein zuerst auf und ziehe mir meine Handschuhe völlig willkürlich an. Also nicht wie andere Kollegen, immer zuerst den Linken oder Rechten. Vor dem Rauslaufen sitz ich konzentriert in der Kabine, blättere ein bisschen in der Stadionzeitung und denke nur noch an das Spiel. So wird es am nächsten Samstag vor der Partie gegen Nürnberg auch wieder sein.

Noch ein Wort zum angeblichen Presseboykott unseres Teams nach der Niederlage in Bochum. Da ist überhaupt nichts dran. Es gab keine Absprache. Wir waren einfach nur enttäuscht. Jeder von uns entscheidet für sich, ob er nach dem Spiel einem Journalisten Rede und Antwort steht oder nicht. Ich finde, man muss auch mal Verständnis dafür haben, wenn einer aus Frust nichts sagen möchte. Natürlich sind wir Profis, aber das heißt nicht zwingend, dass wir immer Gewehr bei Fuß stehen müssen.

Immer selber an der Waschmaschine

Ich habe die Niederlage am späten Abend noch mit meinem Vater besprochen. Wir wohnen zusammen. Mir tut das immer gut, über das Spiel - egal ob gewonnen oder verloren - zu quatschen. Mein Vater ist da genau der richtige Ansprechpartner, das war auch schon früher so, als ich noch kein Profi war. Er ist selber Schalker, kennt den Verein in und auswendig. Ausziehen? Das kommt für mich noch nicht in Frage. Wir verstehen uns zuhause gut, er lässt mir meine Freiräume und wie gesagt: So eine Art Seelendoktor, wenn es denn sein muss, ist ja auch nicht schlecht. Bevor jetzt irgendein Verdacht aufkommt... ja, ich wasche meine dreckigen Klamotten natürlich selber.

Manuel Neuer
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